Sportunfall als Notfall…?!


Während meiner letzten Schicht auf den Rettungswagen wurden mein Kollege, ein routinierter Rettungsassistent, und ich als Fahrerin und Rettungssanitäterin im Laufe des Nachmittags zu einem Sportunfall alarmiert.

So ging es also mit Sonderrechten einmal quer durch den ganzen Landkreis zu einem recht abgelegenen Sportplatz. Dort wurden wir bereits von dem anwesenden Sanitätsdienst in Empfang genommen. Sie brachten uns zu der Patientin.

Eine jugendliche Fußballspielerin lag auf der Trage und klagte über starke Schmerzen. Sie war bei einem Zweikampf umgeknickt und hatte sich so wohl am Knöchel verletzt. Anscheinend war ihr durch die Verletzung auch etwas der Kreislauf weggesackt.

Sie wurde bereits sehr gut durch den Sanitätsdienst versorgt und betreut. Mein Kollege untersuchte zunächst den Fuß und konnte keine knöcherne Verletzung tasten. Auch Durchblutung, Motorik und Sensibilität waren vorhanden. Es war anscheinend eben ein ganz normales „Umknicktrauma“, wobei der Knöchel relativ stark angeschwollen war.

Das Mädel war ganz nett und hatte sich vom ersten Schrecken etwas erholt. Jedoch waren auch die Eltern bei dem Freundschaftsspiel anwesend und nun das größere Problem, denn sie machten sich sehr große Sorgen. Ich meine, es ist klar, dass die junge Spielerin sich verletzt hat, doch dies ist nun einmal keine lebensbedrohliche Verletzung.

Die Eltern haben echt ein großes Theater gemacht, dass ihre Tochter doch nun wirklich gut versorgt wird und schnellstmöglich in das nächste Krankenhaus gebracht wird.

Wir haben uns davon nicht stressen lassen, mein Kollege hat sich um die Patientin gekümmert und ich habe unsere Trage vorbereitet. Nach der Umlagerung auf unsere Trage haben wir als einfachstes Mittel eine leichte Schienung mit der Decke gemacht, denn eine aufwendige Schienung war von der Patientin nicht wirklich gewollt und auch nicht evizienter.

Im RTW haben wir noch Blutdruck, Puls und Sättigung gemessen, was alles in Ordnung war. Wir konnten hier auch endlich mal alleine mit der Patientin reden und sie war dabei auch selbst viel entspannter und nahm den Unfall gelassener.

Die Mutter fuhr auf den Beifahrersitz mit ins Krankenhaus, der Vater kam mit dem Auto hinter uns. Während des Transportes beruhigte ich die aufgebrachte Mutter etwas, doch sie war fast am Weinen, denn ihrer fast erwachsenen Tochter gehe es ja jetzt so schlecht und alles ist so schlimm. Der Vater fuhr immer dicht hinter dem Rettungswagen und auch hier hatte ich Angst, dass er vor lauter Sorge auf mich auffährt.

In der Klinik übergaben wir die Jugendliche der diensthabenden Chirurgin und dem Pflegepersonal. Die Eltern sollten erst einmal im Wartebereich warten.

Dies war für mich irgendwie alles kein richtiger Notfall. Eine Sportverletzung kann natürlich ein Notfall sein, bei dem man einen RTW benötigt, doch im geschilderten Fall wäre es einfacher und schneller gewesen, wenn die Eltern ihr Kind mit dem Privat-PKW zur Versorgung ins Krankenhaus gebracht hätten.  Ich denke die meisten Menschen sind schon einmal böse umgeknickt, doch sie leben noch und es geht ihnen gut. Bei den Eltern war der Sportunfall schon subjektiv lebensbedrohlich und nicht auszuhalten. Leider haben sie dies auf ihrer Tocher übertragen und sie nur unnötig nervös gemacht, sodass sie zu Beginn fast hyperventilierte, was dann noch ein richtiger Notfall hätte werde können.

Eine unspäktakuläre Geschichte, doch solche Einsätze gehören eben auch immer wieder zum Rettungsdienst dazu.

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3 Kommentare

  1. Ist es eigentlich häufig so, dass medizinische Laien Probleme damit haben, die Schwere einer Verletzung richtig einzuschätzen? So ganz intuitiv würde ich das vermuten. Ich erinnere mich da an eine Fernseh-Dokumentation, in der Angehörige neben einer laufenden Reanimation standen, aber nicht begriffen haben, dass da gerade jemand stirbt.

    Ganz grundsätzlich denke ich, dass Medizin in der Schule zu kurz kommt. Klar, in Biologie wird das thematisiert, aber oft nur angerissen. Allerdings ist das natürlich auch ein kompliziertes Themengebiet, was zumindest vor der Oberstufe wohl nicht sinnvoll zu intensivieren ist.

  2. Bei uns an der Schule passieren auch oft Sportunfälle. Bei den Meisten rufen wir dann die Eltern an und bitten darum ins KH zu fahren um es abklären zu lassen. Oder wir schicken den Patienten mit Kühlpack wieder in den Unterricht. Nur ganz selten rufen wir da den RTW. Das ist meistens wenn niemand abholen kann, aber wir auch nicht wollen, dass der Patient wieder in die Klasse geht.

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