Adventskalender Tür Nr. 9


Heute gibt´s eine Erinnerung an eine meiner ersten Schichten überhaupt im Rettungsdienst. Ich bin als Dritte auf dem Krankenwagen dabei und wie es so ist fahren wir gleich einmal eine längere Verlegung in eine BG-Unfallklinik.

Da der Patient liegend mit einer Beinverletzung zur weiteren Behandlung seiner Trümmerfraktur im Knie und Unterschenkel stabilisiert durch externen Fixateur in eine BG-Unfallklinik einige hundert Kilometer weiter nördlich verlegt wird, darf ich während der Fahrt mit hinten sitzen. Der Patient ist jung und sehr gelassen, er kann aktuell überhaupt nicht aufstehen und muss wegen seiner Verletzung nur liegen.

Der Begleiter im KTW lässt mich viel mit dem Patienten kommunizieren , da ich dies auch lernen muss, so sitze ich auch auf dem Sitz neben dem Patienten und der Kollege sitzt hinter dem Patienten. (mehr …)

Türchen Nr. 8


Ich bin zusammen mit einem weiteren jungen Rettungsassistenten auf dem RTW unterwegs, wir sind beide ehrenamtlich bzw. nebenamtlich beschäftigt und verstehen uns sehr gut. Der Kollege hat sich am Morgen den Schlüssel schnell geschnappt, sodass ich begleiten darf bzw. muss.

Am Morgen sind wir bereits ein paar Einsätze gefahren. Nun werden wir auf der Rückfahrt von der Klinik direkt weiter zum nächsten Einsatz geschickt. Gemeldet ist ein Verkehrsunfall mit Motorrad als Notfalleinsatz auf der Autobahn. Die Anfahrt ist etwas länger, da die Einsatzstelle von der Stadt einiges weit weg ist, zudem regnet es in Strömen und die Sicht ist sehr begrenzt. Mein Kollege fährt zügig mit Sondersignal, irgendwann fahren wir auf die Autobahn auf und sind gespannt, was uns wohl erwartet. Es scheint wohl nicht ganz so schlimm gemeldet zu sein, denn ansonsten wäre ein Notarzt mitalarmiert worden. Ich ziehe mich auf jeden Fall auf der Anfahrt bereits regenfest mit 2 Jacken an, denn ansosnten ist man binnen Sekunden durchnässt.

Kurz vor der Einsatzstelle beginnt auch der Rückstau, durch den wir zügig durchkommen. An der Einsatzstelle selbst sehen wir Bremsspuren und ein Wohnmobil, zudem eine Polizeistreife, etwas später sehen wir auch das Motorrad seitlich liegen. Augenscheinlich sehen wir aber keine Personen, wir parken unseren RTW seitlich vor dem Wohnmobil.

Nun steigt aus dem Wohnmobil bereits ein Polizist aus. Mein Kollege und ich gehen nun mit unseren Equipment auch zum.Wohnmobil. Dort finden wir alle Beteiligten. Die Besitzer des Wohnmobils haben nämlich nicht nur den Unfall mit dem Motorrad abgesichert, sie haben auch den Motorradfahrer, seinen Begleiter sowie der Polizei zur Unfallaufnahme Unterschlupf gewährt. Mit uns als RTW-Besatzung wird es nun aber zu eng. Der gestürzte Motorradfahrer gibt keinerlei Schmerzen oder Beschwerden an, wir gehen mit ihn in den RTW. 

Dort mache ich einen Bodycheck und frage nach dem Unfall Hergang, mein Kollege misst die Vitalwerte. Der Motorradfahrer ist bei ca. 140 km/h auf regennasser Fahrbahn ins Schliddern gekommen und danach gestürzt und in den Seitenstraßen gerutscht, das Motorrad ziemlich deformiert. Allein aufgrund des Unfallhergang ein möglicher Polytrauma Patient.  Der Motorradfahrer ist zunächst augenscheinlich unverletzt, doch man kann bei diesen Unfallmechanismus innere Verletzungen nie ausschließen. Einzig der Blutdruck ist erhöht, aber dies kann  aufgrund der Aufregung durchaus sein. 

Vorsichtshalber bekommt der ca. 40-jährige Mann aus Norddeutschland einen Stifneck angelegt, wir lassen ihn über die Leitstelle im Kreiskrankenhaus anmelden (unproblematisch erst Krankenhaus, was Traumata angeht). Danach geht es unter Monitoring ins Krankenhaus. Der Transport verläuft ohne Probleme,  in der Notaufnahme können wir unseren Patienten an den diensthabenden Chirurgen und das Pflegepersonal übergeben. 

Wenige Stunden später sehen wir den Patienten noch einmal. Er darf das Krankenhaus wieder verlassen, ist wirklich unverletzt geblieben und hat sehr viel Glück gehabt.

Insgesamt war der Unfall auch ungewöhnlich, da wir alle Beteiligten im.Wohnmobil vorgefunden haben. Den Fahrer des Wohnmobils haben wir übrigens für sein umsichtiges Handeln auch noch gedankt.

Tür Nr. 7: Alles irre


Vor wenigen Wochen bin ich samstags tagsüber wieder auf dem RTW unterwegs. Ich darf mal wieder begleiten und mein Kollege ist ein erfahrener Rettungsassistent, der meist recht ruhig ist.

Am Morgen sind wir bereits fleißig unterwegs, doch es geht weiter so. Wir dürfen um 9 Uhr bereits zum dritten Notfall fahren. Gemeldet ist ein Sonstiger Notfall – hilflose Person in der Wohnung – Polizei bereits vor Ort. Als mein Kollege die Adresse liest, ahnt er bereits, um wen es sich handeln könnte, denn bei dieser Dame war der Kollege in der letzten Woche bereits mehrfach.

Auf Anfahrt ist wohl auch noch eine weitere Polizeistreife, denn diese fährt vor uns mit Blaulicht in die gleiche Richtung. An der Einsatzstelle warten bereits Kollegen der Polizei auf uns. Die Dame würde nun wohl total durchdrehen, anfangs habe sie nur geschrien, dann sei sie auf den Nachbarn losgegangen und nun werfe sie jegliche Einrichtungsgegenstände aus der Wohnung im 1. Obergeschoss.

Hinter der Polizei betreten wir das Haus. Die Wohnungstür ist verschlossen, die Polizei schreit laut, doch es wird nicht aufgemacht, innen sind russische Schimpfworte zu hören. Als die Polizisten die Wohnungstür gewaltsam öffnen möchten, macht die Dame dann doch auf, sie wird von der Polizei im Wohnzimmer fixiert. Die Dame ist sehr aufgebracht und kann auch durch die Polizisten zunächst nur wenig beruhigt werden, uns als Rettungsdienst nimmt sie erst gar nicht richtig wahr. (mehr …)

Adventskalender Nr. 6: Teddybären Reanimation


Heute gibt es einmal ein Erlebnis aus der Leitstelle zu erzählen.
Ich bin wie immer dort die Stimme des Notrufs. Es ist heute eine etwas andere Schicht, denn ich bin kurzfristig zur Verstärkung alarmiert worden, da das Einsatzaufkommen sehr hoch ist und es technische Probleme in der Leitstelle geben könnte (draußen sind es übrigens weit mehr als 30 Grad und es werden schwere Unwetter erwartet). Bis jetzt ist es allerdings recht ruhig und alles läuft normal ab.

Ich gehe in einen Notruf über die 112. Es meldet sich eine ältere Dame und teilt mir mit, dass ihr Mann neben ihr auf dem Sofa sitzt und sich nicht mehr rührt. Ich frage nach dem Bewusstsein und der Atmung, beides wohl nicht vorhanden. Des weiteren kläre ich noch die Adressdaten ab und lege das Schlagwort Bewusstlos/ Leblos fest. Danach wird der Einsatz zum Kollegen weiter geschickt, der die Alarmierung von RTW und Notarzt vornimmt.

Ich springe nun in den Algorithmus der Telefon-Reanimation. Diese führen wir in der Leitstelle seit nunmehr bereits 2 Jahren durch und konnten damit bereits einige Menschenleben retten. Dazu haben wir ein festes Schema bzw. eine Präsentation, welches durch Tastenclick aufgerufen und durchgeführt werden kann. Ich gehe dieses jetzt mit der Dame durch. (mehr …)

Tür Nr. 5


Manchmal werden wir nachts um 1 Uhr (oder auch gern 3 Uhr, weil da kann man gerade nicht schlafen) durch den Melder geweckt.

So auch in der Nachtschicht vor einigen Wochen, es sollte zu einem Sturz mit Rückenschmerzen gehen. Mein Kollege ist gefahren und ich habe begleitet, wir waren beide recht entspannt und es ging in eine recht gute Wohngegend mitten in der Stadt.

Am Einsatzort angekommen, schnappten wir uns Koffer und EKG, damit ging es die 3 Stockwerke hoch (natürlich wohnen die gestürzten Personen immer ganz oben). Dort wurden wir von der Ehefrau des Patienten empfangen. Sie brachte uns zum Patienten. Dieser saß in der Küche und gab Schmerzen beim Atmen an. Auf Nachfrage, was den passiert sei, wurde uns ganz ruhig erklärt, dass der Mann in der Arbeit vor 3 Tagen von einer Leiter gefallen sei, dies war ein böser Arbeitsunfall und er ist danach mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gekommen. Es sei alles abgeklärt worden und wohl nur diverse Prellungen festgestellt worden, ansonsten war alles unauffällig, nur eben die Schmerzen. Jetzt sind die Schmerzen auch da und die Schmerztabletten wolle der Herr nicht nehmen, denn Schmerzmittel sind ja bekanntlich schlecht. Er möchte zur Sicherheit lieber ins Krankenhaus und dort vielleicht eine Spritze gegen die Schmerzen im Brustkorb und auch im Rücken haben.

Jetzt muss ich mich sehr fassen, mein Kollege dreht sich bereits weg, denn sonst explodiert er. Aber da wir eine Transportpflicht haben und dieser Unfall auch noch ein Arbeitsunfall war, so müssen wir den Patienten wohl ins Krankenhaus fahren.

Auch auf Nachfrage wird uns erklärt, dass man lieber den Rettungsdienst gerufen habe, da man ungern selbst fahren wollte, weil der Mann ja die Schmerzen habe und da sei es besser den Rettungsdienst zu rufen, weil er dann überwacht werden würde.
Auf diesen Satz hin, fällt mir echt nichts mehr ein.

Wir fahren den Patienten als besseres Taxi in die Klinik und übergeben ihn dem Pflegepersonal. Dieses ist besonders über die Aussage mit den Schmerztabletten seien schlecht, man wolle lieber eine Spritze haben, echt begeistert.

 

Adventskalender Nr. 4: Kindernotfall


Am Ende einer Schicht mit einer sehr netten und fachlich kompetenten Kollegin geht es für uns von der Klinik aus noch einmal zu einem Einsatz. Gemeldet ist ein Kindernotfall mit Z.n. Sturz, jetzt Übelkeit, Erbrechen, Kind apathisch. Wir fahren mit Sonderrechten einmal quer durch die Stadt.

Auf der Anfahrt sind wir noch recht entspannt. Meine Kollegin fährt und ich darf begleiten, es ist bereits der 8. Einsatz in dieser Schicht. Wir denken, dass es sich beim Kind wohl einfach um eine Gehirnerschütterung handeln wird.

Am Einsatzort warten bereits mehrere Einweiser auf uns. Alle sind sehr hektisch und aufgebracht. Wir folgen ihnen. In der Wohnung kommt uns die Mutter mit ihrer Tochter auf dem Arm liegend entgegen. Das Kind liegt sehr regungslos auf dem Arm, ist fast 4 Jahre alt und hat die Augen offen. Es schreit nicht und macht auch sonst wenig, es liegt einfach nur da. Auf Nachfrage bei der Mutter erfahren, wir, dass die kleine Maus wohl vom erhöhten Bett gefallen ist, sie war zunächst noch wach und unauffällig, dann hat sie erbrochen und jetzt sei sie nur noch so schläfrig. (mehr …)