Blaulicht

Mal so zwischendurch: Andere Sichtweise und Humor als Einsatzkraft


Vor kurzem bin ich beruflich auf einer Fortbildung gewesen. Dabei ging es um Rede und Vortrag. Die Teilnehmer waren sehr bunt gemischt. Angefangen vom ehemaligen Hoteldirektor mit Rettungsdienst- und Feuerwehrerfahrung über Polizisten bis hin zu technischen Angestellten und einem Förster war alles dabei, eines hatten wir jedoch gemeinsam, eigentlich arbeiteten wir nun alle überwiegend auch in einem Büro und wollten uns im Bereich Vortrag fortbilden, da dies auch zu unseren Beruf dazugehört.

Zu Beginn kannten wir uns noch nicht, doch spätestens nach der ersten Pause war klar, dass die Einsatzkräfte  (hätte nicht damit gerechnet, dass wir so viele davon sind) sich sehr gut verstehen würden. Jeder hat viele gleiche Erlebnisse im Kopf und auch bei den Kurzvorträgen und Übungen kommt dies immer wieder zum Tragen.

Eines wurde jedoch schnell klar: die Polizisten, der Kollege mit Einsatzleitererfahrung bei der Feuerwehr und Rettungssanitäter (eigentlich ehemaliger Hoteldirektor und jetzt gehobenes Management in einer Projektgruppe) und meine Wenigkeit kamen öfters zusammen und hatten eine gleiche Wellenlänge, was die Gespräche angeht.

Als Außenstehender versteht man hier manchmal vieles nicht, besonders der Humor ist manchmal ein anderer. Einsatzkräfte verarbeiten oft schreckliche Dinge anders, bauen sich somit eine Barriere. Irgendwie muss man eben schlimme Dinge verarbeiten können und zugleich wieder positiv denken.

So kam es auch, dass wir uns abends beim gemütlichen Essen auf einmal über eher makabere Dinge unterhielten. Wie auch immer sind wir über verschiedene andere Themen auch zu Türöffnungen gekommen.

Diese Notfalltüröffnungen gehören nun einmal zum Alltag von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst dazu und werden gefühlt immer mehr.

Hier ging das Thema auch ganz schnell zu Leichen oder anderen stark vermüllten Wohnung mit Menschen in einem sehr schlechten Allgemeinzustand (immer wenn man schon an der Wohnungstüre am liebsten wieder umkehren würde). hier gab es echt einige sehr spezielle Geschichten von jedem (will ich hier lieber nicht so erzählen: ich sage nur, wenn der Mieter ein Stockwerk untendrunter die Polizei wegen durch die Decke tropfender Flüssigkeiten ruft).

Wir als  „Einsatzkräfte“ konnten uns hier ganz normal unterhalten, es machte uns nichts aus und es wurden Geschichten ausgetauscht. Doch es waren ja auch noch andere Fortbildungsteilnehmer anwesend, die dieses Thema nicht verstehen konnten. (mehr …)

Türchen Nr. 6: wie verhält man sich als Autofahrer wenn der Notarzt mit Blaulicht hinter einem fährt


Es ist für fast jeden Autofahrer oder auch anderen Verkehrteilnehmner zunächst eine Stressitutation, wenn er Martinshorn und Blaulicht sieht bzw. hört.  Doch es ist sehr wichtig, auf diese Situation richtig zu reagieren, um den Einsatzkräften möglichst schnell und unkompliziert freie Fahrt zu verschaffen.

Leider erlebt man als Fahrerin von Einsatzfahrzeugen immer wieder sehr gefährliche Reaktionen, die einfach unberechenbar sind. So wird für mich die Anfahrt sehr oft zumreinen Stopp-an-Go: Gasgeben, Bremsen, Gas geben, Vollbremsung usw. Dies ist für uns Retter nicht einfach und so sind wir froh um jeden Verkehrsteilnehmer, der mit Vernunft und Ruhe reagiert und uns Platz macht (ohne sich selbst zu gefährden).

Hier nun ein einige ganz einfach Tipps bzw. Verhaltensregeln:

  • Keine Panik bei Blaulicht und Martinshorn – bewahren sie Ruhe! (mehr …)

Einsatz bei der Hochwasserkatastrophe: Die Anfahrt


Aus meinen Kreisverband wurde für das Betreuungskontigent zweier Regierungsbezirke eine Verpflegungseinheit gebraucht. Dazu zählt normalerweise ein Versorgungs-LKW mit Feldküche und ein Mannschaftstransportwagen, also Kleinbus. Da aber im Katastrophengebiet bereits einige Feldküchen standen, brauchten wir die Feldküche nicht mitzunehmen. Dazu wurde der Kommandowagen als Führungsfahrzeug des Kontigents ebenfalls von unseren Kreisverband gestellt.

Am ganz frühen Morgen ging es los. Alle Helfer unseres Landkreises für das Betreuungskontigent trafen sich am Kreisverband bzw. der Rettungswache. Dort wurde erst einmal unser Gepäck in die Fahrzeuge verstaut. Es ist auch für drei Tage sehr viel, was man so einpackt, hauptsächlich Einsatzkleidung, Schlafsachen (Schlafsack, Kissen, usw.) und ein paar persönliche Utensilien. Danach hat uns noch ein Mitglied  der Kreisbereitschaftsleitung ein paar weitere Infos mitgeteilt und verabschiedet.

Ich bin als Fahrzeugführerin des Mannschaftswagens eingesetzt, d.h. ich habe zwar keine Führungsverantwortung im Einsatz, doch ich bin für das Personal in meinen Fahrzeug zunächst verantwortlich und muss mich während der Anfahrt um alle notwendigen Dinge kümmern. Dies ist für mich neu und ganz schön spannend, aber lösbar.

Von dort aus ging es nun zügig auf die Autobahn zum Treffpunkt für das gesamte Kontigent. Dies sollte an einen zentralen Punkt bei einer Autobahnmeisterei sein. (mehr …)

Türchen Nr. 6


Fahren mit Blaulicht Erfahrungen

Leider kann man Blaulichtfahrten nicht vorne weg üben, sondern es gibt für jeden irgendwann einmal das erste mal, wenn man mit Sondersignal, also Blaulicht und Martinshorn, durch die Gegend fährt. Vor der Freigabe für Blaulichtfahrten muss man aber eine theretische Einweisung machen, die jährliche wiederholt werden muss. Dabei geht es hauptsächlich um gesetzliche Grundlagen.

Für mich war meine erste eigene Blaulichtfahrt im Rahmen einer Schicht auf dem Krankenwagen, wo dies recht selten vorkommt. Berichtet habe ich hier darüber.

Erfahrung gewinnt man nur mit der Häufigkeit von Sonderrechtsfahrten und mit Kollegen, die einen gerade zu Beginn den ein oder anderen guten Ratschlag geben. Am wichtigsten ist dabei immer noch das sichere Ankommen, dahinter steht die Schnelligkeit. Man muss diesen Mittelweg aus Sicherheit und Schnelligkeit für sich selbst erst herausfinden. Manche Kollegen empfinden dies wieder anders, denn der eine meint, man wäre sehr langsam unterwegs, dem anderen ist man schon zu schnell. Besonders an Kreuzungen ist das Anhalten und Schauen dabei sehr wichtig.

Ich persönlich finde Blaullichtfahrten zwar spannend und reizvoll, doch immer wieder anstrengend, denn man muss unheimlich aufpassen, viel mehr als bei einer normalen Fahrt. Viele Verkehrsteilnehmer nehmen das Sondersignal sehr spät war oder reagieren kopflos darauf und machen die unheimlichsten Dinge, womit man jedoch als Fahrer eines Fahrzeuges mit Blaulicht immer rechnen muss. So fährt man auch gerne einmal Mintuten lang mit Sondersignal hinter einem Fahrzeug her, ohne dass man den Weg frei gemacht bekommt. An Ampeln trauen sich einige Fahrer nicht ein paar Meter bei Rot in die Kreuzung zu fahren, um Platz zu schaffen oder andere Autofahrer, die beschleunigen, wenn sie ein Fahrzeug mit Sonderrechten hinter sich sehen, was teilweise sehr gefährlich werden kann.

Perfektionismus – die Fortsetzung


Vor einiger Zeit habe ich über meinen eigenen Anspruch und die Realität, wie ich meine im Rettungsdienst geleistete Arbeit empfinde berichtet. Hier ist der Artikel noch einmal zum Nachlesen:  https://blaulichtengel.wordpress.com/2012/03/10/perfektionismus/
Mittlerweile ist eine ganze Menge Zeit vergangen und ich möchte ein bisschen was dazu schreiben, wie ich das Thema nun beurteile.

Nachdem ich nun ziemlich genau seit 2 Jahren im Rettungsdienst unterwegs bin, fühle ich mich nun schon etwas sicherer als zum Zeitpunkt des ersten Beitrags. Ich bin und bleibe einfach ruhiger, versuche Dinge strukturierter anzugehen, denn ich weiß, dass ich in Ruhe alles besser mache. Vielleicht hatte ich auch einfach einen Hänger, in dem ich alles ziemlich negativ beurteilt habe.

Ich denke, ich bekomme die allermeisten Einsätze nun zufriedenstellender hin, d.h. ich fange an, mehr selbstständig zu Tun. Natürlich läuft es nicht jedesmal super, manchmal habe ich noch kleine Hänger, doch es wird eben besser und man muss mir nicht jeden Handgriff vorschreiben. Es sind eben Dinge für die man erst ein Gefühl entwickeln muss, gerade eben deshalb, weil es jeder Rettungsassistent anders wünscht und man sich darauf auch erst einmal einstellen muss. Ich versuche gerade einfach selbstständig den Einsatzablauf bei jeden Patienten im Kopf durchzugehen und frage mich dabei immer, was würde ich jetzt tun, wenn ich keinen Rettungsassistenten dabei hätte.

Auch das Fahren mit dem Rettungswagen ansich funktioniert immer besser. So bin ich viel sicherer beim Einparken oder Rangieren und kann eben die Ausmaße recht gut einschätzen. Bei Sondersignalfahrten bin ich ebenfalls entspannter und merke, dass ich mich nicht mehr so stark in das Lenkrad verkrampfe, aber natürlich ist es immer noch sehr anstrengend mit Blaulich und Martinshorn zu fahren, denn muss man noch viel vorsichtiger sein, da man nie weiß, wie die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren. Besonders gefreut habe ich mich neulich, als einer meiner Begleiter zu mir meinte, dass ich besser einparke als viele andere Ehrenamtliche, die schon sehr lange Fahren.

Im Krankentransport fühle ich mich als Begleiterin auch schon recht sicher, die organisatorischen Dinge wie der ganze Schreibkram funktionieren und der Kontakt mit den Patienten während der Fahrt macht mir mehr Spaß als immer nur Fahren zu müssen. Auch wenn ich recht selten KTW fahre, so will ich doch nicht auf die Schichten, in denen ich begleiten darf, verzichten.

Einige meiner Kollegen haben mir ebenfalls bestätigt, dass es einfach Zeit braucht, bis man eben für alles Routine und Gelassenheit entwickelt. Es können viele Dinge eben nicht von heute auf morgen super laufen. So ist es für mich als Ehrenamtliche auch schwieriger, da ich eben nur ca. 3-4 Schichten im Monat fahre und nicht täglich im Rettungsdienst unterwegs bin. Die in der Theorie gelernten Dinge müssen einfach verinnerlicht werden und daran arbeite ich.

Weiterhin hoffe ich also, dass ich immer selbstständiger einen Einsatz fahren werde, noch mehr Routine bekomme und irgendwann vielleicht einmal der „perfekten“ Rettungssanitäterin nahe komme.
Kleine Anmerkung: Natürlich kann nie immer alles optimal laufen, das sollte klar sein.

Rückblick: Das erste mal als Fahrerin mit Sondersignal


Ziemlich am Ende einer meiner ersten KTW-Schichten als Fahrerin hörten wir auf der Rückfahrt zur Wache eine Alarmierung über einen Verkehrsunfall PKW gegen Radfahrer, der jedoch nicht direkt auf unserer Fahrtstrecke lag, also nichts, damit wir zu einer Erstversorgung fahren sollten. Mein Begleiter ist dabei ein junger Rettungsassistent, mit dem ich mich schon immer gut verstehe, so will er auch, dass ich möglichst viel Erfahrung sammeln kann. Doch am Ende dieser 12 Stunden Schicht sind wir beide schon recht müde und hören etwas Radio.

Auf einmal spricht uns die Leitstelle an, sie hätten einen Notfalleinsatz für uns, also fuhr ich langsam am Straßenrand der Straße, und mein Kollege notierte die Daten. Es sollte doch tatsächlich zu diesem Verkehrsunfall gehen. Ich war schon etwas aufgeregt, denn dies bedeutete jetzt, dass ich Blaulicht und Martinshorn einschaltete und mit den Sondersignalen zum Einsatzort fahren würde. Also beide knöpfe betätigt und los ging die Fahrt. Mein Begleiter wusste ebenfalls, dass dies meine erste „eigene“ Fahrt mit Sondersignal war und unterstütze mich beim Schauen und Aufpassen auf den Verkehr.

Zügig kamen wir Richtung Einsatzort, doch in der Ortschaft mussten wir noch kurz den Einsatzort suchen, was aber recht schnell ging, da der Notarzt und ein Rettungswagen bereits vor Ort waren.

Wir nahmen deshalb nichts von unseren Auto mit, da der Rettungswagen viel mehr Equipment dabei hatte wie wir als Krankenwagen. Doch auf der Straße, wo es mittlerweile regnete war niemand, sondern wir wurden in ein Haus gebeten, direkt ins Wohnzimmer, wo wir bereits einen Menschentraubel vorfanden. Hier waren 2 Helfer vor Ort, 2 Mann Rettungswagenbesatzung, Notarzt und sein Fahrer sowie 2 Ersthelfer und nun auch noch wir zu finden. Dabei musste man erst einmal die 2 Patienten „suchen“.  So viele Menschen in diesem kleinen Wohnzimmer und dazu noch die medizinischen Dinge und die Trage, das war ein wenig zu viel.

Doch was war passiert? Ein Verkehrsunfall im Wohnzimmer wohl eher nicht! Nein, die Ersthelfer beobachteten den Unfall auf der Straße und da es zu regnen began, nahm man eben die Patienten mit in die „gute Stube“ um auf den Rettungsdienst zu warten.

Nachdem wir uns mit der Rettungswagenbesatzung und vorallem dem Notarzt abgesprochen hatten, war nun auch klar, was passiert war und welchen Patienten wir wohin mitnehmen sollten. Dabei konnte unser Patient noch laufen, er hatte augenscheinlich nur einen Schock und eine Verletzung am Arm. So brachten wir ihn zu unseren Krankenwagen und nach Messung der Vitalparameter, also Puls und Blutdruck, ging es rasch in die Klinik, wo auch der Rettungswagen mit Notarzt hinfuhr. Dort bekamen wir nach der Übergabe an die Klinik auch den Transportschein vom Notarzt unterschrieben, sodass meine erste Blaulichtfahrt als Fahrerin auch gleich ein Notarzteinsatz war.

Ich denke gerne an diesem Einsatz zurück, denn es war nicht nur meine erste eigene Sondersignalfahrt, sondern auch der „Verkehrsunfall im Wohnzimmer“ mit so vielen Menschen war etwas ganz Besonderes. Auch fährt man mit dem KTW nicht so oft einen Notarzteinsatz, doch mit diesem Kollegen immer wieder gerne, doch das ist eine andere Geschichte.