Rettungsdienst

„Und Sie sind…“


Inspiriert von Hermine möchte ich auch einmal mitteilen, was die Leute so über mich als Rettungsdienstlerin denken.

Das Thema Außensicht im Rettungsdienst kann man ewig diskutieren. Leider ist die Bevölkerung über die Ausbildung und Ausstattung sowie Fahrzeuge sehr schlecht informiert.

Ich selbst musste mir hier schon verschiedene Sprüche anhören. So richtig geärgert habe ich mich noch nicht, aber man muss die Leute eben dann immer aufklären.

Hier einmal ein paar Sprüche:

„Sie sind also die Arzthelferin und begleiten den Arzt immer zu seinen Notdiensteinsätzen“
Spruch, als ich gerade beim Patienten Blutdruck gemessen haben und mein älterer Kollege eine Anamnese machte.

„Sie machen hier also ein freiwilliges Praktikum für ihr Medizinstudium“
Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, als ich sagte, dass ich die Arbeit am Wochenende freiwillig mache.

„Zwei Frauen auf dem Fahrzeug, wer fährt denn da? und vor allem wer trägt den Patienten?
Sie haben doch gar keine Kraft!“
Am Hauseingang bei der Begrüßung durch einen älteren Herren und seines Sohnes, deren Angehörige ins Krankenhaus sollte. Beide konnten oder wollten übrigens auch nicht einmal die Füße der Patientin tragen. 

„Sie sind doch noch Schüler, sie können doch unseren Opa gar nicht die Treppe herunter tragen.“
Als Besatzung mit einem jungen Kollegen unterwegs, dieses mal war ich als Frau noch halbwegs raus, aber dafür ging es um unser Alter, beide Anfang 20.

„Was Sie fahren den Rettungswagen? und das alles als Frau?“
Verwunderte Angehörige als ich auf dem Fahrersitz des RTW hochgeklettert eingestiegen bin.

„Ihr Kollege darf fahren und sie müssen begleiten. Das Fahren lernt man wohl erst später“
Hier musste ich erst einmal selbst lachen, denn ich war als Rettungsassistentin zusammen mit einem erfahrenen Rettungssanitäter unterwegs und somit auch höher qualifiziert, aber für viele Menschen ist Rettungsdienst anscheinend hauptsächtlich Fahren mit Blaulicht.

„Hallo, Frau Doktor, schön, dass Sie endlich da sind und mir helfen können.“
Als ich diesen Spruch das erste mal hörte, war ich irgendwie echt sehr ermutigt, denn anscheinend hat hier jemand viel Vertrauen in mich. Ich habe den Patienten natürlich aufgeklärt und darauf hingewiesen, dass wir Rettungsfachpersonal sind.

„Sie sind also die Ärztin und das ist ihr Fahrer“
Auch dieser Spruch kam von einer Angehörigen als ich die Anamnese erhoben habe und mein Kollege nebendran stand, da erst einmal nicht viel zu tun gewesen ist.

„Warum kommt denn kein Arzt, ohne Arzt lasse ich mich nicht behandeln.“
Versuch der Aufklärung, dass wir „nur“ Rettungsfachpersonal sind und erst einmal kein Arzt bzw. Notarzt dazu kommen wird. Nach langer Diskussion durften wir die Patientin auch untersuchen. Letztendlich sind wir auch ohne Arzt zurecht gekommen und konnten eine Untersuchung und Anamnese inkl. Transport durchführen. Im Krankenhaus war dann auf einmal auch alles ganz gut.

„Sie fahren also mit ihren Mann Rettungsdienst, damit Sie sich auch einmal öfters sehen.“
Diese Feststellung verwunderte mich wohl echt am meisten. Ich habe mich einfach mit dem Kollegen gut verstanden. Doch es gab nie einen Hinweis, dass wir ein Paar sind. Ich hätte hier gerne den Patienten noch einmal gefragt, wie er auf diese Idee gekommen ist, doch ich habe das Missverständnis einfach so aufgeklärt (kurze Fahrtstrecke).

So das waren erst einmal.ein paar Sprüche zum Thema Stellung im Rettungsdienst. Es gibt hier immer wieder neue Verwunderung, doch man muss die Menschen eben echt informieren und aufklären.

Über die Bezeichnung als „Sani“ rege ich mich eh nicht auf. Bei der Bevölkerung ist eben das Berufsbild vom Rettungsfachpersonal mit den Unterschiedlichen Berufen immer noch nicht in den Köpfen angekommen.

 

Freitagsfüller


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1. Ich lese zur Zeit viel zu wenig Fachartikel und Bücher.

2.  Für mich irgendwie schon ein wichtiges Thema: Resteverwertung

3. Am Montag gehe ich regelmäßig Thrombozytenspenden.

4.  Ein richtig langer Urlaub in Skandinavien wäre gerade mein Traum.

5.  Im übrigen habe ich gestern einen ewig andauernden Streit beendet.

6. Die gute Zusammenarbeit zwischen Hauptamt und Ehrenamt (besonders im Rettungsdienst) ist besonders für mich.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den Feierabend (nach Feuerwehrversammlung und Arbeit), morgen habe ich geplant, eine lange RTW-Schicht zu fahren und Sonntag möchte ich mich erholen und Zeit mit der Familie verbringen!

Überblick Adventskalender


Wie in den vergangenen Jahren auch, hoffe ich, dass euch mein Adventskalender etwas gefallen hat. In diesem Jahr gab es eben einmal verschiedene Geschichten aus meinem Rettungsdienstleben. Es war auch für mich schön, einige Geschichten aus meinem Gedächtnis zu holen, was man so alles erlebt hat.
Gerade die letzten Türchen vor Weihnachten waren aber dann doch sehr aktuell und haben mich die letzten Tage bewegt.

Hier nun noch einmal der Überblick mit entsprechender Beschreibung:

Tür 1: Teamarbeit

Tür 2: Teamarbeit – Ausbildung ist wichtig

Tür 3:  upps, dieser Beitrag wurde aus diversen Gründen (noch) nicht veröffentlicht, es kommt aber ein Nachholtürchen

Tür 4: Kindernotfall

Tür 5: Sinnlos oder Rückenschmerzen in der Nacht

Tür 6: Teddybären Reanimation

Tür 7: Alles Irre

Tür 8: Verkehrsunfall im Wohnmobil ?

Tür 9: Kommunikation als Grundlage

Tür 10: Notfall Verlegung

Tür 11: Rettung einmal anders (tierisch)

Tür 12: Heute wirds blutig

Tür 13: Tödlicher Männerschnupfen

Tür 14: Empathie

Tür 15: Premiere auf der Außenwache

Tür 16: Optimale Versorgung: Sturz aus innerer Ursache

Tür 17: Entspannt auf der nächsten Außenwache

Tür 18: Intoxikation – einmal Polizei und Eigenschutz

Tür 19: Seltsame Situation oder auch Aufpasser sein

Tür 20: Blaulichtengel als Ärztin ?

Tür 21: Manchmal helfen Ratschläger vom Rettungsdienst eben besser

Tür 22: Versorgungsproblem oder Notfälle in unserer Zeit

Tür 23:  Das Positive bleibt

Tür 24: Weihnachten bei Blaulichtengel

Adventskalender Nr. 4: Kindernotfall


Am Ende einer Schicht mit einer sehr netten und fachlich kompetenten Kollegin geht es für uns von der Klinik aus noch einmal zu einem Einsatz. Gemeldet ist ein Kindernotfall mit Z.n. Sturz, jetzt Übelkeit, Erbrechen, Kind apathisch. Wir fahren mit Sonderrechten einmal quer durch die Stadt.

Auf der Anfahrt sind wir noch recht entspannt. Meine Kollegin fährt und ich darf begleiten, es ist bereits der 8. Einsatz in dieser Schicht. Wir denken, dass es sich beim Kind wohl einfach um eine Gehirnerschütterung handeln wird.

Am Einsatzort warten bereits mehrere Einweiser auf uns. Alle sind sehr hektisch und aufgebracht. Wir folgen ihnen. In der Wohnung kommt uns die Mutter mit ihrer Tochter auf dem Arm liegend entgegen. Das Kind liegt sehr regungslos auf dem Arm, ist fast 4 Jahre alt und hat die Augen offen. Es schreit nicht und macht auch sonst wenig, es liegt einfach nur da. Auf Nachfrage bei der Mutter erfahren, wir, dass die kleine Maus wohl vom erhöhten Bett gefallen ist, sie war zunächst noch wach und unauffällig, dann hat sie erbrochen und jetzt sei sie nur noch so schläfrig. (mehr …)

Adventskalender 


Nachdem es in den letzten Jahren immer einen Adventskalender mit Suchbegriffen zu diesem Blog gegeben hat, dachte ich mir, dass es in diesem Jahr Zeit für etwas Neues ist.

Es wird also wieder einen Kalender mit täglichen Türchen bis Weihnachten geben.

Dieses Jahr mit täglich wechselnden Kurzberichten aus meinem Rettungsdienstleben.

Ihr dürft also gespannt sein von welchen Einsätzen und Erlebnissen ich berichten werde.

Die ganzen Berichte sind wie immer wirklich so passiert.  Sie liegen teilweise aber schon etwas zurück und so gibt es eben auch unterschiedliche Sichtweisen zu den Einsätzen.
Ich habe mich einfach kurz an ein paar Situation aus meinen bisherigen Rettungsdienstleben erinnert. Das sind nicht immer super Erlebnisse, teils auch Dinge, die ich heute echt anders lösen würde.
Auch ist alles dabei, von Einsätzen als Dritter über KTW-Fahrten bis zur verantwortlichen Rettungsassistentin auf dem RTW.

Für mich ist dies selbst eine Art Erinnerung oder Zusammenstellung von Einsätzen.

Ab 01.12. gibt es also jeden Tag ein kurzes Erlebnis aus dem Rettungsdienstleben!

Viel Spaß dabei!

Einsatzbericht: Kind Atemnot


Einsatzmeldung: Notarzteinsatz: Kind erkrankt, V.a. Pseudokrupp

Vorgefundene Situation am Einsatzort:
An der Haustüre empfängt uns der Opa des erkrankten Kindes und bringt uns ins Wohnzimmer des Hauses. Der Notarzt ist bereits seit einigen Minuten vor Ort. Im Wohnzimmer sitzt die Oma des ca. 3-jährigen Mädchen mit dem Kind auf dem Schoss auf dem Sofa. Das Mädchen ist wach und ansprechbar, jedoch deutlich erregt und leicht weinend. Bereits von weiten ist der bellende Husten mit Dyspnoe hörbar.

Verdachtsdiagnose/ Arbeitsdiagnose: Pseudokrupp

Vitalparameter/ Monitoring:
RR : —
Puls: 90 bpm
EKG: —
SpO²: 100 %
AF: 25/ min
BZ: —

Beschreibung des Einsatzablaufs mit zeitlichem Verlauf:

Nachdem wir von dem Opa der kleinen Patientin in das ebenerdig gelegene Wohnzimmer des Hauses gebracht werden, finden wir dort auf dem Sofa sitzend die Oma mit dem dreijährigen Mädchen sitzen. Die kleine Patientin hat einen sehr deutlichen anfallartigen, bellenden, trockenen Husten mit inspiratorischer Stridor. Zudem ist das Mädchen sehr erregt und weint leicht. Die Oma versucht das Kind zu beruhigen.

Der Notarzt hat bereits eine erste Anamnese und Untersuchung bei der Patientin durchgeführt und macht uns eine kurze Übergabe. Das Mädchen hat wohl seit einer halben Stunde den Kruppanfall mit starken bellenden Husten, davor war wohl ein leichter Infekt bekannt. (mehr …)