Ein Einsatzbericht aus verschiedenen Sichtweisen


In meiner letzten Rettungsdienstschicht hatte ich eine eigentlich recht ruhige Schicht. Über einen Einsatz hieraus möchte ich jedoch berichten und zwar aus zwei verschiedenen Sichtweisen. Ich möchte den Einsatz einmal vollkommen (zumindestens soweit möglich) objektiv beschreiben, so wie er stattgefunden hat.
Der zweite Bericht dazu soll mit vielen subjektiven Eindrücken und Gedanken meinerseits stattfinden.

Mit diesem Artikel möchte ich etwas ausprobieren, mal sehen, ob mir dies gelingt und ich bin auch sehr über euere Meinungen hierzu gespannt.

Hier kommt also zunächst der objektive Einsatzbericht:

Ich, eine recht frischgebackene Rettungsassistentin, bin also zusammen mit einem Rettungsassistenten mit ca. 6 Jahren Berufserfahrung auf dem RTW in der Spätschicht unterwegs. Wir haben eine Praktikantin dabei, diese fährt heute zum 2. Mal auf dem RTW mit, sie kommt aus dem Ehrenamt, ist Fachsanitäterin und hat bereits ein paar Schichten auf dem KTW verbracht, beruflich arbeitet sie im Sozialbereich.

Mein Kollege übergibt mir bei der Übergabe den Schlüsselbund und somit steht fest, dass er den RTW fahren wird und ich begleiten werde. Danach checken wir den RTW. Die Praktikantin prüft hier den Koffer auf Vollsträndigkeit, um ihn besser kennen zu lernen. Ich überprüfe den Rest der medizinischen Dinge.

Danach werden wir zu einem Notarzteinsatz alarmiert. Die Meldung lautet Sonstiger Notfall: Blutdruck und Puls niedrig. Diese Meldung ist für uns nicht sehr aufschlussreich. Es geht mit Sonderrechten einmal quer durch die Stadt in einen Außenort. Der Notarzt mit seinem Fahrer kommt fast zeitgleich hinter uns an.
Mit der nun insgesamt 5-köpfigen Rettungsdienstmannschaft werden wir am Hauseingang von den Angehörigen erwartet. Eine Dame bringt uns zu dem Patienten. Wir haben Notfallkoffer und EKG-Einheit dabei. Die Angehörigen erklären, dass der Patient wohl eine zunehmende Verschlechterung von Blutdruck und Puls hat.

Ich betrete als erstes das Wohnzimmer des Hauses. Dort sehe ich einen ca. 80-jährigen Herren auf dem Sofa sitzen, er ist wach und ansprechbar. Der Notarzt beginnt mit der Gesprächsführung, besonders mit der Fremdanamnese. Die Angehörigen schildern verschiedene Blutdruck- und Pulsmessungen mit sinkenden Werten und meinen, dass der Vater wohl Hallzunationen hätte, zudem hat er wohl Doppelbilder gesehen. Der Patient selbst teilt mit, dass es ihm gut gehe und er keinerlei Schmerzen oder Schwindel habe. Er ist selbst orientiert, spricht allerdings sehr wenig. Währenddessen messe ich den Blutdruck des Patienten, dieser liegt mit 110/70 mmHG im Normalbereich, der Puls ist unregelmäßig bei ca. 56 bpm, die Sättigung zeigt 99 %.

Der Notarzt informiert sich noch nach den Vorerkrankungen und Medikation des Patienten. Dazu legen die Angehörigen einen Entlassungsbrief aus dem Krankenhaus vor. Dabei erfahren wir, dass der Patient eine absolute Arrhythmie hat und Marcumar einnimmt. Er war erst beim Hausarzt zur Kontrolle. Der Notarzt möchte ein Überwachungs-EKG erst im RTW anlegen.

Der Notarzt delegiert das Legen eines venösen Zugangs an mich. Ich suche nach einer geeigneten Vene. Die Praktikantin bekommt von meinen Kollegen gesagt, dass sie eine Infusion vorbereiten und mir beim Zugang legen assistieren soll. Während sie noch sucht, entschließe ich mich dazu, mir die Dinge zum Zugang legen selbst bereit zu legen. Ich hole den Stauchschlauch und staue sowie desinfiziere. Danach hat die Praktikantin die rose Nadel bereit gelegt und hält sie mir hin. Ich lege den Zugang, danach soll noch Blut abgenommen werden. Die Praktikantin sucht nach dem Abnahmeset, zusammen mit ihr nehme ich noch Blut ab, danach hält der NEF-Fahrer die Infusion, ich verklebe den Zugang, die Infusion wird angeschlossen und läuft. Der NEF-Fahrer holt nun den Transportstuhl und bereitet diesen vor. Die Praktikantin soll noch den Blutzucker messen, der Notarzt merkt, dass sie dies nicht kann, der Rettungsassistent übernimmt dies.

Die Angehörigen sind weiterhin sehr besorgt, der Notarzt versucht zu beruhigen. Nun können wir gemeinsam den Patienten vom Sofa auf unseren Transportstuhl umlagern. Er ist sehr wackelig auf den Beinen. Danach geht es mit ihm über einige Treppen nach unten zum RTW. Die Praktikantin muss hierbei zusehen, da sie noch keine Einweisung in den Raupenstuhl hat. Der NEF-Fahrer ist hinten am Stuhl und ich halte ihn vorne fest, wir rollen die zahlreichen Treppen hinab.

Unten läd der Notarzt gerade die Trage aus, es nieselt leicht. Danach lagern wir den Patienten gemeinsam auf die Trage um und laden ihn in den RTW ein. Im RTW wird das Monitoring mit einem Überwachungs-EKG durch mich vervollständigt, auch die weiteren Vitalparameter werden überwacht. Die Praktikantin sieht hierbei nur zu. Der Notarzt delegiert auch das Schreiben des Protokolls auf mich. Er klappt mir noch einen Stuhl aus, stellt sich erst noch richtig bei der Praktikantin vor (die beiden kannten sich noch gar nicht). Ich setze mich also neben den Patienten und schreibe mein Protokoll. Die Praktikantin sitzt hinter dem Patienten. Der Notarzt entschließt sich dazu vorne auf dem Beifahrersitz mitzufahren, da der Patient stabil ist.

Der Fahrer gibt die Lagemeldung über Funk an die Leitstelle. Nun fahren wir Richtung Klinik. Bereits nach eienr Minute wird der Notarzt zu einem Folgeeinsatz abgezogen, er steigt zu seinem Fahrer um.

Die Fahrt in die Klinik verläuft komplikationslos. Ich frage den Patienten einige medizinische und persönliche Dinge, er ist hierbei vollkommen klar und orientiert. Er weiß auch nicht, warum er wieder in das Krankenhaus soll. Daneben schreibe ich das Protokoll zu Ende und drucke es aus.

An der Klinik laden wir den Patienten aus. Die Praktikantin darf hier den Hauptpart unter Anleitung übernehmen. Es geht in die Notaufnahme. Dort lagern wir den Patienten in ein Bett um. Ich übergebe ihn an die Pflegekräfte und mache dem Internisten eine Übergabe. Zum Schluss lasse ich den Patienten an der Anmeldung noch aufnehmen.

Wir füllen gemeinsam noch den Koffer auf, die Praktikantin desinfiziert die Trage und bereitet sie wieder vor. Nun kommt auch bereits der weitere RTW mit unseren Notarzt, ich kann ihn noch seine Zweitschrift des Protokolls übergeben und bekomme die fehlende Unterschrift auf dem Transportschein.

Danach ist der Einsatz für uns mit der Rückfahrt zur Wache beendet.

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4 Kommentare

  1. „Er weiß auch nicht, warum er wieder in das Krankenhaus soll.“
    Das frage ich mich allerdings auch. *am Kopf kratzt*
    Bin auf deinen subjektiven Bericht gespannt. 🙂

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