Osterei


Zusammen mit einem sehr erfahrenen Kollegen und mittlerweile auch Notfallsanitäter bin ich an Ostern Nachts auf dem RTW unterwegs.
Bislang war die Schicht eher ruhig, doch wir haben recht viel Routineaufgaben erledigt und waren somit gut beschäftigt.
Mein Kollege lässt mich begleiten um Erfahrung zu sammeln.

Nach Mitternacht werden wir zu einer Ambulanzfahrt alarmiert. Es soll zu einem Patienten gehen, der wohl irgendwas am Ellbogen hat und bislang nicht zu einem Arzt gehen konnte. Die Leitstelle meint, dass wir uns dies mal ansehen sollen.
Auf der Anfahrt sind sich mein Kollege und ich bereits einig, dass der Patient ohne Papiere um diese Zeit wohl eine Kostenübernahme für den Transport unterschreiben müsste.

An der Einsatzstelle angekommen, öffnet uns nach dem Klingeln die Ehefrau des Patienten die Türe und begleitet uns in die Wohnung ins Wohnzimmer. Dort sitzt der ca. 30-jährige Patient auf dem Sofa. Er ist sichtlich entspannt und auch froh, dass sich jetzt endlich jemand um sein Problem kümmert. Er erzählt auf Nachfrage, dass er am linken Ellbogen seit ca. 2 Wochen eine sehr große Blase gehabt habe und diese sei nun innerhalb kürzester Zeit verschwunden und er mache sich daher Sorgen. Ich bin erst einmal sprachlos, weiß nicht, was ich sagen soll. Ich schaue mir den Arm an, keine Auffälligkeiten, keine neuen Bewegungseinschränkungen, nichts sichtbar.

Ich erfahre weiter, dass der Arm bereits mehrfach gebrochen war und wohl auch eine Gelenkabsplitterung vorhanden sein könnte. Zum Arzt ist man nicht gegangen, da dieser den Patienten ja hätte krank schreiben können und das wolle er nicht.  Man hat sich wohl auch eher weniger Gedanken um das „Ei am Arm“ gemacht, doch jetzt wo es weg ist, macht man sich Sorgen. Es kann ja nicht einfach verschwinden.

Ich frage mich immer noch, was wir hier überhaupt wollen. Ich will auch gar keine Erklärungen geben, sondern eigentlich nur noch hier raus. Die Situation ist eindeutig jetzt und hier kein Notfall und aktuell überhaupt nichts für einen Arzt.

Mein Kollege ist die Situation jetzt auch zu doof, er „erklärt“ mit kurzen Sätzen, dass es sich wohl um einen Schleimbeutel mit Flüssigkeit gehandelt haben könnte und dieser jetzt eben wieder an Ort und Stelle ist. Er sagt auch noch etwas vom Lymphatischen System, doch dies versteht unser Patient und seine Ehefrau sicher nicht.

Danach verabschieden wir uns und unser Patient ist wohl über unsere Erklärung auch zufrieden und beruhigt.

Draußen im RTW fehlen uns echt die Worte, denn dies war schon echt ein großes „Ei“, was uns die Leitstelle hier an Ostern beschert hat. Mein Kollege fragt sich noch, ob es in der Wohnung vielleicht eine versteckte Kamera gab: Ich meine nur, dass wir als Erklärung auch den Osterhasen hätten angeben können, denn er hat bestimmt das „Ei“ am Arm geklaut, da er noch Ostereier gebraucht hat.
Leider gibt es immer mehr solche hoch dringenden Einsätze mit sehr „intelligenten“ Menschen.

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