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Traumaversorgung rockt


Im Rahmen meiner Rettungsassistentenausbildung hatte ich das Glück auch an einem ITLS-Kurs teilnehmen zu dürfen.  Dort haben wir eine richtig gute Traumaversorgung gelernt.

Im wahren Rettungsdienstleben ist es aber bisher wirklich so gewesen, dass ich eigentlich nie etwas fahre, was so richtig nach Trauma aussieht.  Doch irgendwie ziehe ich in der letzten Zeit bereits chirurgische Einsätze an. Die Versorgung gefällt mir hierbei meist auch echt gut und ich finde es teilweise einfach abwechslungsreicher und auch arbeitsintensiver einen chirurgischen Patienten  zu versorgen, als einen internistischen Notfall „abzuarbeiten“, aber dies ist Geschmackssache.

Vor einigen Tagen sollte sich nun auch eine Alarmierung finden, die so richtig nach Traumaversorgung klingt. Ich bin zusammen mit einem erfahrenenen Rettungsassistenten auf dem RTW unterwegs, wobei bereits den ganzen Tag gut zu tun gewesen ist. Wir stehen mit den Kollegen der anderen Schicht und auch der Notärztin an der Klinik und haben ausnahmsweise etwas Pause. Die Notärztin ist eine echt nette und gute Kollegin, welche jedoch nur noch selten fährt, genauso wie ihr Fahrer. Die Stimmung ist locker und gelassen.

Doch dies sollte sich bald durch die Alarmierung ändern, denn unser RTW-Melder ging wieder. Die Notärtzin dachte zunächst, dass sie keinen Alarm hat, doch einige Sekunden später meldete sich auch ihr Piepser. Die Meldung lautete Sturz aus großer Höhe (ca. 5 m), Notarzteinsatz. Mehr erfuhren wir auch durch die Leitstelle nicht.

Es sollte jedoch in eine weit außerhalb gelegene Ortschaft gehen, welche ca. 20 Minuten Fahrzeit entfernt liegt und eigentlich durch eine Außenwache abgedeckt wird. Mein Kollege fuhr also mit Sonderrechten am Klinikum los. Es ging durch den zähen Nachmittagsverkehr und weiter auf der Bundesstraße.

Auf der Anfahrt machte ich mir bereits einige Gedanken, was denn wirklich vorliegen könnte und wie die Verletzungen aussehen könnten. Ich war am Anfang noch recht entspannt. Mit dem Kollegen scherzte ich noch, dass es mit mir keine Traumaversorgung bei schweren Unfällen gibt, da ich echt sehr wenig Erfahrung hierbei sammeln durfte. Auch meinte er, dass er falls erforderlich sofort einen Rettungshubschrauber bestellen würde. Hier konnte ich ebenfalls abriegeln, denn primär hatte ich im Rettungsdienst in meiner Heimat noch nie einen Hubschraubereinsatz erlebt.

Auf der weiteren Anfahrt wurde die Stimmung angespannter, die Autofahrer machten auch sehr wenig und spät Platz. Zudem half ich dem Kollegen bereits Handschuhe anzuziehen. Auch ich zog gleich 2 Paar Handschuhe an. Wir fuhren nun zusammen mit dem Notarztfahrzeug in die Ortschaft hinein.

Dort erwarteten uns bereits einige Einweiser, die uns zu der sehr verwinkelten Einsatzstelle führten. Es ging zu einer Scheune. Mein Kollege fuhr den RTW direkt davor und wir sahen durch das offene Tor bereits einen Mann darin liegen. (mehr …)

So macht Arbeiten auf dem RTW Spaß – Teil 2


Nach unserem ersten Einsatz des Tages im Altenheim mit der gastrointestinalen Blutung konnte der Tag eigentlich nur besser werden. Ich war mit meiner Leistung einfach nicht zufrieden.

Jonas, mein Rettungsassistent, ermutigte mich jedoch weiterzumachen. Immerhin hatte ich heute einen netten „Lehrmeister“ auf dem RTW, war ein kurzer Gedanke von mir.

Doch lange konnte ich eh nicht mehr zweifeln. Denn auf der Rückfahrt zur Wache wurden wir bereits wieder von der Leitstelle über Funk angesprochen. Es sollte gleich zum nächsten Einsatz gehen. Gemeldet war diesmal eine bewusstlose Person in einem Treppenhaus, also wieder ein Notarzteinsatz. Dieser würde jedoch einige Zeit benötigen, da gerade keiner frei war.

Mit Sondersignal ging es wieder durch die Stadt. Auf der Anfahrt gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf, doch alle waren sehr schnell wieder verschwunden.

Am Einsatzort angekommen, wartete bereits ein Nachbar unten auf uns. Mit all unseren Equipment, also EKG, Beatmung, Notfallkoffer und Absaugung, ging es nun ins zweite Obergeschoss. Dort lag auf dem Absatz zwischen Wohnung und Treppenhaus eine ältere Dame. Ich habe sie angesprochen und gerüttelt, sie zeigte keine Reaktion. Auch auf Schmerzreiz reagierte die ausländische Frau nicht. Sie war bewusstlos. Ich kontrollierte die Atmung, diese war ausreichend und erschien normal zu sein, auch der Puls ist am Handgelenk gut tastbar und unauffällig. Jonas versucht nun mithilfe des EKG den Blutdruck zu messen, was zunächst nicht möglich ist. er macht ein vollständiges Monitoring. Die Werte sind zunächst recht unauffällig, bis auf den nicht messbaren Blutdruck.

Währenddessen mache ich einen schnellen Bodycheck, welcher keine Verletzungen ergibt. Der anwesende Sohn kann uns leider keinerlei Fremdanamnese geben, er weiß über seine Mutter wenig, nur dass sie eben bewusstlos geworden ist und danach auf dem Boden gesunken sei. (mehr …)

Die Rettungsassistentenprüfung Teil II praktisch (2)


Nach drei von neun Prüfungsteilen war nun also ich wieder an der Reihe mit dem Fallbeispiel. Meine Nervosität war nun wieder einmal sehr groß, wobei ich eigentlich auch Vertrauen in mich hatte. Meine Teamkollegen unterstützen mich dabei nach unserem Motto: Gemeinsam rocken wir die Prüfung!

Vor dem Prüfungsraum checkten wir die Ausrüstung und bekamen von der Mimin die Einsatzmeldung: häusliches Umfeld, weiblich, Mitte 30, akuter Schmerzzustand als Notarzteinsatz.

Nach dieser Meldung war ich auch nicht wesentlich schlauer, denn wo die Schmerzen sind, wussten wir nicht. Naja man konnte jetzt rätseln und wir versuchten uns auf Akutes Abdomen oder aber etwas mit dem Herz zu einigen. Dabei ging ich kurz noch einmal die Medikamente durch und besprach mit meinem Team wegen der Aufgabenverteilung.

Danach wurden wir auch schon von einem Prüfer empfangen. Es folgte der übliche Teil mit Einsatzstelle sicher, ein Patient, Schutzausrüstung und als Notarzteinsatz, bevor das Szenario richtig beginnen konnte.  Wir haben eine Dame mittleren Alters (in Wirklichkeit eine sehr junge schlanke Mimin) zusammengekrümmt im Bett auf der Seite liegend vorgefunden.

Ich stellte mich vor und versuchte die Patientin dazu zu bringen, sich auf den Rücken zu legen, sie antwortete mir mit Schmerzen, aber immerhin hatte ich schon einmal eine wache, ansprechbare Patientin. Danach folgte die Beurteilung nach dem ABCDE-Schema. Die Atemwege waren frei, die Atmung etwas beschleunigt. ich ordnete Sauerstoffgabe an. Der Kreislauf war auch in Ordnung, der Puls beschleunigt, also leicht tachykard, ansonsten regelmäßig und kräftig. Die Rekap-Zeit war in Ordnung. Auch der Blutdruck war leicht erhöht. Dies konnte ich alles auf die Schmerzen zurückführen.  Bei D wurde der Blutzucker gemessen, welcher im Normbereich lag. Ansonsten erschien die Patientin neurologisch unauffällig, sodass ich auf eine nähere Untersuchung verzichtete. (Die Werte wurden mir alle gesagt, nachdem wir sie normal gemessen hatten).

Ich machte mich nun an die Berfragung der Patientin nach dem SAMPLER-SCHEMA und untersuchte sie genauer.

Diese gab starke Bauchschmerzen an, welche eher in die Leiste und nach hinten gerichtet waren. Somit hörte ich nun auf den Bauch, es waren normale Darmgeräusche. Danach palpierte ich das Abdomen, welche beim Abtasten weich war. Die Schmerzen waren auf der Seite deutllich größer, besonders beim Abklopfen, somit ein Flankenschmerz im Unterbauch. Die Mimin gab auch an, dass die Schmerzen seit ein paar Stunden bestehen würden und insgesamt immer stärker werden. Kolliken gab sie nicht an. Die Schmerzen seien nun unaushaltbar stark, wir brauchtne also einen Notarzt zur Schmerzbekämpfung, doch dieser war ja bereits mit alarmiert.  Als Allergie war nur eine Nussallergie bekannt, an Medikamenten nur die Pille, Vorerkrankungen ebenfalls keine relevanten.  Ich fragte auch nach einer möglichen Schwangerschaft, da es sich ja um Unterbauchschmerzen handelte, diese konnte nicht vollständig ausgeschlossen werden (die Mimin antwortete hier nur sehr zögerlich, war wahrscheinlich auch so gewollt). Dazu fragte ich auch noch den letzten Stuhlgang (ganz normal) und der letzten Mahlzeit (Frühstück, nur ein bisschen was). (mehr …)

Die Rettungsassistentenprüfung Teil II praktisch (1)


Nach ein paar Tagen ohne Prüfung stand nach der schriftlichen Prüfung und einigen unruhigen Nächten nun endlich die praktische Prüfung an.  Ich war echt nervös, als ich mich am frühen Morgen auf die Autofahrt machte.

In der Schule warteten bereits meine beiden Teamkollegen, sodass wir uns als Team anmelden konnten. Vorschriftsgemäß hatten wir alle unsere Dienstkleidung an und registrierten uns jetzt in der Verwaltung. Dort zogen wir drei alle unsere Fälle, sodass jeder dreimal sein eigenes Glück bemühen musste. Die Karten sollten wir später kurz vor der jeweiligen Prüfung zu sehen bekommen.

Nun hieß es noch einmal warten auf die erste der insgesamt neun !!! Prüfungssituationen an diesem harten Tag. Jeder von uns drei Teammitgliedern hatte drei praktische Prüfungsteile zu absolvieren. Zum einen das Fallbeispiel mit einem ganz normalen Einsatz, zudem das Assistenz-Fallbeispiel, in dem es um die Assistenz des Notarztes sowie viel um Teamführung und Kommunikation geht und natürlich eine Reanimation.

Den genauen Ablauf unseres Tages regelte ein sehr gut ausgetüftelter Plan, bei dem alle Räume und Uhrzeiten mit den jeweiligen Teamchef verzeichnet waren. Unser Tag sollte insgesamt neun Stunden dauern, wobei es zwischen den einzelnen Prüfungsteilen kürzere oder auch mal längere Pausen gab.

Nervös waren wir natürlich alle an diesem Tag, doch als Team hielten wir zusammen. Beruhigten uns gegenseitig. Dazu kam ganz viel Motivation und fachliche Unterstützung. Unser Motto hieß dabei: „Gemeinsam rocken wir die Prüfung!“ Dieser Spruch begleitete uns den gesamten Tag.

Unsere erste Prüfung sollte ein Fallbeispiel sein. Ich war dabei als Helfer eingeteilt. Wir fanden uns vor dem Prüfungsraum ein, checkten dort unsere Ausrüstung und bekamen die Einsatzmeldung mitgeteilt: Neurologisches Defizit eines älteren Herren im häuslichen Bereich. Danach konnten wir uns noch kurz beraten und gingen noch einmal die Untersuchung und Versorgung beim Schlaganfall durch. Nun sollte es los gehen: mein Kollege als Teamchef und wir zwei Helfer betraten den Prüfungsraum. (mehr …)

Unberechenbarer Autofahrer und eine teamorientierte Versorgung


Ich war wieder einmal als Begleiterin zusammen mit einem Bundesfreiwilligendienstler auf dem Krankenwagen unterwegs, beziehungsweise saßen wir gerade in der Wache und warteten, was der Tag nach mehreren Krankentransporten noch so bringen sollte. Der gemütliche Plausch mit den Kollegen der Rettungswagenbesatzung solllte jedoch schon bald ein Ende haben, als deren Melder gingen. Doch Sekunden später folgte auch unser Melder, d.h. es sollte wahrscheinlich zusammen zu einem Einsatz gehen.

Unten im Fahrzeug angekommen nahmen wir die Einsatzmeldung auf: Notarzteinsatz, Person von PKW angefahren. Dabei sollten wir den RTW unterstützen, bzw. war auch noch unklar wieviele Verletze es gab. Auch ein weiterer Rettungwagen aus einer benachbarten Wache wurde alarmiert.

So ging es sehr zügig hinter dem RTW mit Sonderrechten durch den doch recht lebhaften Straßenverkehr zur Einsatzstelle. Dort angekommen war die Besatzung bereits am Versorgen der Patientin, die hinter Büschen lag, nach kurzer Bewusstlosigkeit jedoch wieder ansprechbar und orientiert war. Sie hatte augenscheinlich eine Fraktur des rechten Beines mit Beteiligung des Knies und eine Kopflatzwunde. Daneben stand das Auto, welches sie angefahren hatte. Der Fahrer des Autos war auf meine Nachfrage hin vollkommen unverletzt, jedoch erschien er mir ziemlich verwirrt. Er war auf den ersten Blick auf jedenfall über 80 Jahre alt und machte sich nicht wirklich Sorgen um die Frau, sondern eher um sein Auto, welches nun auf einer Menge Ästen stand, welche er umgefahren hatte. Er brauchte jedenfalls keine Betreuung durch den Rettungsdienst, da bei ihm kein Schock ersichtlich gewesen ist.

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