Dritte

Eine RTW-Schicht in der Fremde (2)


So nach der erholsamen Zeit ging es bald schon wieder mit der Arbeit auf dem RTW in der Fremde:

Im Behandlungszelt lag eine junge Patientin aus dem Ausland. Sie hatte zweimal einen Ball direkt an den Kiefer bekommen. Neben Schmerzen konnte die 13-Jährige auch den Mund nicht wirklich weit öffnen. Sie traute sich aber auch nicht, da es eben weh tat. Schwierig war die Situation mit der Betreuerin, denn diese hatte wenig Einsicht, dass man dies jetzt ärztlich abklären lassen müsse und nicht Stunden oder gar einen Tag Warten sollte. Nach einigen Diskussionen konnte Marc die anstrengende Dame überzeugen und so wurde wieder einmal der Transport abgeklärt.

Auch hier kam die Transporterlaubnis der Leitstelle. Wie beim letzten Transport wurde das Mädchen auf die Trage umgelagert und in den RTW gebracht. Ich wurde wieder als Begleiterin hinten im Rettungswagen eingesetzt. Auch die Betreuerin fuhr mit ins Krankenhaus. Dieses Mal ging es einmal quer durch die ganze Uni-Stadt, denn wir würden ins Uni-Klinikum mit der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie fahren. Die normale Kinderklinik ist hierfür nicht geeignet.

Der Transport verlief ohne Zwischenfälle. Das Mädchen hatte eindeutig Schmerzen. Die Betreuerin war sehr sturr und redete zunächst gar nicht. Nachdem ich versucht habe, der Patientin ein wenig die Angst zu nehmen, kam auch endlich von der Betreuerin etwas Zuspruch und Aufmunterung.

In der Uniklinik ging alles sehr schnell. Wir meldeten uns an und danach ging es in einen speziellen Raum zum Umlagern von Patienten. Dies sollte dort alles sehr zügig gehen. Meine Kollegen klärten mich danach erst auf, dass das Personal eine schnelle Übergabe wünscht, da man nie weiß, ob bereits der nächste Patient kommt. Zudem sind die Bereiche dort sehr streng getrennt und der Rettungsdienst kommt gar nicht zu den Behandlungsräumen der Notaufnahme. Ich musste mich daran erst gewöhnen. Doch somit hatte ich nun die nächste Klinik in der großen Stadt kennen gelernt.

Auf der Rückfahrt sollte ich noch zwei weitere Krankenhäuser der Stadt kennen lernen. Der weitere Krankenwagen beim Sanitätsdienst hatte nämlich bei einem weiteren Einsatz das Tragetuch in einer Klinik liegen lassen und danach suchten wir nun. Außerdem war es für die Fahrerin des RTW eine weitere kleine Übung von einem Ort zum anderen zu gelangen, ganz ohne Navi und Co. Man muss nämlich dazu sagen, dass es auch für Sie neu war einen RTW zu fahren, denn ihr fehlte bislang die Ortskundeprüfung, die in der Unistadt und dem Umland erforderlich ist. Daher wurde sie von Marc eben als Fahrerin eingesetzt und er kontrollierte sie immer. Somit hatte er weiterhin die Gesamtverantwortung, zum einen für mich als Begleiterin und zum anderen für die frisch gebackene Rettungssanitäterin als Fahrerin.

Das Tragetuch fanden wir zwar in den Kliniken nirgends, doch immerhin kannte ich jetzt bereits alle Kliniken der Unistadt. Jetzt sollte es pünktlich zum Abendessen wieder zurück zum Sanitätsdienst gehen. Dort gab es nun für alle Sanitäter leckere Sachen vom Grill mit Salat. Die Bratwürste und Steaks schmeckten echt allen sehr gut. Auch der reguläre Notarzt war mit seinem Fahrer gekommen. Überhaupt war er viel bei uns, denn es war beim San-Dienst einfach unterhaltsam. Beim Essen erfuhren wir auch, dass die beiden Mädels jeweils einen mehrfachen Bänderriss erlitten hatten und wieder aus dem Krankenhaus zurück waren, sie teilten also nun das Schicksal des Laufens mit einer Aircast-Schiene für die nächsten Wochen.

Doch schon bald sollte wieder ein größerer Notfall auf uns warten.  Es kamen ein paar Spielerinnen zum Sanitätsdienst gerannt. Sie meinten, dass eine Spielerin gestürzt sei und nun nicht mehr aufstehen kann. Es machte sich sofort eine Gruppe des Sanitätsdienstes mit 4 Personen, Notfallrucksack und Rolltrage auf dem Weg zu einem nahe gelegen Spielfeld. Dort lag eine Jugendliche am Boden und hatte augenscheinlich Schmerzen. Die Sanitäter entschlossen sich dennoch sie umzulagern und sie zum Behandlungszelt zu bringen. Dort könnte man sie eben viel besser versorgen. Das Umlagern ging mit drei kräftigen Männern anscheinend sehr gut.

Beim Behandlungszelt angekommen war allen Sanitätern klar, dass her etwas schlimmeres vorliegt. So wurde sofort der anwesende Notarzt hinzugezogen. (mehr …)

Eine RTW-Schicht in der Fremde (1)


Bei dem großen Sanitätsdienst, von dem ich hier berichtet habe, wurde ich überraschenderweise einen Tag auf dem Rettungswagen der Bereitschaft eingesetzt. Dieser RTW wird von der dortigen Unterstützungsgruppe Rettungsdienst besetzt.

Während des Turnierwochenendes sollte er immer einsatzbereit bei dem Sanitätsdienst stehen bzw. für evtl. Einsätze dort zur Vefügung stehen.

Am langen Samstag wurde ich ausgesucht und auf den RTW als Unterstützung gesetzt. Dies hat sich so ergeben, da die dortigen Kräfte entweder selbst alle regulären Dienst auf einer Rettungswache hatten oder anderweitig gebunden waren. So hat der Bereitschaftsleiter mich als „Dritte“ auf den RTW gesetzt. ich dachte somit zunächst, dass ich eben nur zur Unterstützung da bin und eigentlich eher als zusätzliche Kraft gesehen werde, da sie sehr gerne zu dritt ausrücken. Wir waren also mit einer sehr frisch ausgebildeten Rettungssanitäterin als Fahrerin, einem sehr erfahrenen und im Leitstellengebiet sehr bekannten Rettungsassistenten (der auch als Einsatzleiter im dortigen Gebiet aktiv ist), nennen wir ihn Marc, und meiner Wenigkeit besetzt.

Am Morgen schaute ich mir den RTW erst einmal grob an. Die Geräte waren mir alle bekannt und ich hatte auf meiner Heimatwache Einweisungen darin. Ansonsten waren die Fächer und der Notfallrucksack total neu und fremd für mich. Alle Sachen lagen an total anderen Stellen. Aber da ich der Meinung war, dass ich nur zur Unterstützung mitfahre, habe ich mir alles nur sehr grob angesehen, wie sich im Nachhinein herausstellt, war dies eher ein Fehler.

Der Sanitätsdienst lief am Morgen eigentlich noch recht ruhig ab. Doch bald fand sich ein sehr junger Betreuer ein, dem es bereits seit gestern Abend nicht gut ging. Er hatte Übelkeit und Erbrechen, dazu kamen nun immer stärker werdende Oberbauchschmerzen. Dazu kam auch ein sehr schwacher Kreislauf aufgrund der Dehydration. Zusammen mit seinen Eltern wurde entschieden, dass er zur Abklärung ins Krankenhaus gefahren werden sollte.

Unser Chef auf dem RTW klärte mit der Leitstelle über Telefon den Transport ab und so bekamen wir das OK, dass wir den jungen Patienten, ca. 15 Jahre alt, selbst fahren dürfen. Somit hatten wir bereits am Morgen den ersten Transport. Die Kollegin holte die Trage aus dem RTW und der Patient stieg nun auf unsere Trage um. Beim Transport entschloss sich der Rettungsassistent Marc, dass er fahren würde und lies uns zwei Rettungssanitäterinnen hinten mit dem Jugendlichen alleine. Bei einem Krankentransport wie diesen auch völlig in Ordnung. Ich lernte nun die Kinderklinik in der ca. 15 km entfernten Unistadt kennen. Dort war alles neu für mich, wir übergaben unseren Patienten an das freundliche Klinikpersonal.

Nachdem wir die Trage wieder hergerichtet hatte, ging es wieder zurück zum Sanitätsdienst. Bisher war ich echt eher als Praktikantin auf dem RTW zu sehen.  (mehr …)

Externe Wirbelsäule oder auch Praktikanten


Meine eigene Zeit als Rettungsdienst-Praktikantin bzw. eben „Dritte“, wie man so schön sagt, ist mittlerweile schon wieder einige Zeit (ca. 2 Jahre) her, doch ich denke immer noch gerne an manche Schichten bzw. Erlebnisse zurück. Von einigen Mitarbeitern bei uns auf der Wache werden sie auch gerne externe Wirbelsäule genannt, da Praktikanten eben auch gerne Dinge tragen dürfen und so die Arbeit erleichtern.

In den letzten zwei Jahren als Fahrerin bzw. Begleiterin habe ich auch einige Praktikanten erlebt, wenn auch eher seltener. Viele Praktikanten, die eine Ausbildung oder Schulpraktikum machen sind eher unter der Woche da und ich eher am Wochenende. Bei uns auf der Wache, wir sind eine Lehrretttungswache mit vielen Praktikantin, gibt es von Schulpraktikanten über ehrenamtliche Helfer mit Sanitätsausbildung, angehenden Rettungssanitäter und -assistenten bis zum Jahrespraktikanten für den RA (diese rechne ich aber in ihren Anerkennungsjahr nicht mehr als richtige Praktikanten, denn sie werden ja fest als regeluläres Besatzungsmitglied eingesetzt).

Einige Dinge fallen einem dabei schon auf, besonders gibt es große Unterschiede. Diese Unterschiede liegen jedoch meist nicht an ihrer Qualifikation, sondern eher am Menschlichen, selten auch am Fachlichen.

In meiner letzten Schicht auf dem Rettungswagen hatte ich auch einmal wieder eine Praktikantin dabei. (mehr …)

Türchen Nr. 13


erste Reanimation

Auch hierüber habe ich bereits einmal berichtet. Der Artikel ist hier nachzulesen. Doch da der Suchbegriff immer wieder kommt und dies ein wichtiges Erleben für mich war, möchte ich noch einmal ein bisschen was dazu schreiben.

Bei meiner ersten Reanimation war ich als drittes Besatzungsmitglied auf dem Rettungswagen unterwegs und habe nicht direkt am Patienten gearbeitet. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich noch recht inaktiv dabei gewesen bin, denn so konnte ich die Dinge für mich erst einmal verarbeiten. Klar übt man die Maßnahmen vorher zigmal, doch das erste Mal mit dem Rettungswagen bei einer Reanimation dabei zu sein, war damals für mich als Dritte noch etwas viel. Ich half zwar mit, doch war ich nicht in die eigentliche Wiederbelebung integriert, was daran lag, dass die Platzverhältnisse sehr eng waren und der Patient stark übergewichtig war.

Die nächste Reanimation habe ich ebenfalls als drittes Besatzungsmitglied auf dem Rettungswagen erlebt und alles lief viel besser. Ich übernahm das „Koffermanagement“, d.h. ich bereitete Infsuion, Zugang, Medikamente und Intubation vor. Zum Drücken kam ich auch bei dieser Reanimation nicht, denn die Frau hatte recht schnell einen Sinusrhythmus.

Bei meiner ersten Schicht als Fahrerin des Rettungswagen und somit zweites Besatzungsmitglied gab es ebenfalls eine Reanimation. Diesmal war ich natürlich festes Teammitglied mit dem Rettungsassistenten und wir haben echt gut zusammen gearbeitet. Es lief einfach das Schema ab, welches man unzählige mal geübt hat. So übernahm ich zunächst die Herzdruckmassage und später wechselten wir uns auch ab. So kam ich auch dazu einen Venenzugang zu legen.

Mittlerweile ist meine erste Reanimation fast 2 1/2 Jahre her und ich erinnere mich immer noch gut daran. Nach dieser Situation gab es eine sehr gute Nachbesprechung mit Team auf dem Rettungswagen, was mich dazu ermutigt hat, weiterzumachen, obwohl ich während der Rea dachte, dass ich nichts kann. Eine Verabeitung solcher Einsätze, die man zum ersten Mal erlebt, ist sehr wichtig.