Chef

Tür 20: Erste Schicht Rettungsassistent


Die erste Schicht als Rettungsassistent ist immer etwas besonderes. Es heißt, dass man für die Patienten auf dem Rettungswagen die volle Verantwortung übernimmt. Man ist der „Chef“  auf dem RTW. Bei Notfällen ist man der erste Ansprechpartner für Patienten und Angehörige, zudem bei Notarzteinsätzen der Assistent des Notarztes.

Ich habe die Ausbildung in den letzten Jahren absolviert und bin erst seit kurzem Rettungsassistentin. Nach einigen Schichten zusammen mit einem weiteren RA auf dem RTW war nun die Schonzeit vorbei und ich wurde als alleinige Rettungsassistentin auf dem RTW eingesetzt. Ich wusste dies bereits einige Tage vorher, da mich unser Dienstplanersteller anrief und informierte. Er wird mich nun eben bei Bedarf öfters so einsetzen.

Natürlich war ich nervös, doch schließlich habe ich auch die Ausbildung absolviert und bin ansonsten auch schon öfters als Verantwortliche auf dem RTW gefahren. Doch nun ist es eben anders, eine ganze Schicht und ganz offiziell die Chefin.

Ich habe versucht einfach alles wie immer zu machen, ruhig zu bleiben und selbstbewusst aufzutreten. Eingesetzt worden bin ich dabei mit einer Rettungssanitäterin, die ebenfalls viel Wissen mitbringt.

Zu Beginn der Schicht geb es erst einmal etwas Aufregung, denn unser RTW war noch im Einsatz und wir haben die Leitstelle bei der telefonischen Anmeldung so verstanden, dass wir auf dem Ersatzfahrzeug ausrücken sollten. Beim Melden über Funk hieß es dann aber, dass sie uns nur auf diesen RTW gebucht haben und es keinen konkreten Einsatz gibt. Nach dieser Aufregung war dann erst einmal Ruhe und wir konnten von der Frühschicht eine normale Übergabe bekommen, danach auch noch unseren RTW in Ruhe checken.

Alarmiert wurden wir schließlich zu einer Gebietsabsicherung an einem Stellplatz. Dort konnten wir nur abwarten und mithören, wie viele andere Fahrzeuge zu Einsätzen alarmiert wurden, während wir zum Nichtstun verdammt waren. Meine Kollegin und ich wollten gerne etwas Arbeiten, doch die Leitstelle hatte eben andere Pläne.

Auf der Rückfahrt sollten auch wir endlich einmal einen Notfalleinsatz  übernehmen. Es ging nun mit Sonderrechten durch den sehr dichten Feierabendverkehr zu einem gemeldeten Kollaps in einen größeren Betrieb am Rande der Stadt. Ich ging im Gedanken verschiedene Szenarien und den Ablauf durch.

Am Einsatzort angekommen, mussten wir erst einmal quer übers Betriebsgelände um dem Patienten zu finden. Dort kam er uns dann gestützt durch Kollegen entgegen gelaufen.

Er war wohl kollabiert, dies bereits zum wiederholten Male in kurzen Zeit. Es wurde jedoch ärztlich nichts festgestellt, zudem hat er viel Stress und ernährt sich nicht ausreichend. Meine Kollegin und ich machten eine vollständige Anamnese und stellten alle Vitalwerte fest. Alles lag im Normalbereich, das EKG war unauffällig. Unser Patient wollte auf keinen Fall mit in die Klinik und unterschrieb uns daher eine Transportverweigerung. Somit war der erste Notfalleinsatz bereits wieder beendet und ich machte nur noch die Dokumentation fertig.

Es ging nun wieder auf die Wache. Dort war erst einmal Zeit für einen Kaffee und etwas Plaudern mit den Kollegen. Diese hatten bereits festgestellt, dass ich heute meine erste richtige Schicht als Rettungsassistentin hatte. Es wurde einiges erzählt und gelacht.

Unterbrochen wurden wir dann von einem weiteren Notfalleinsatz. Es ging nur ein paar Straßen weiter zum gemeldeten Apoplex. Vor Ort wurden wir bereits von den beiden Töchtern der Patientin erwartet. Diese teilten uns gleich ihre Besorgung mit, die Dame selbst erwartete uns entspannt in ihrem Sessel. Sie hatte keine sichtbaren neurologischen Ausfälle, allerdings ein paar körperliche Probleme. Sie war einfach an diesem Tag etwas schwächer, hatte einen hohen Blutzucker und Rücken- sowie Kopfschmerzen. Zudem war der Blutdruck leich erhöht. Doch insgesamt konnten wir einen Schlaganfall ausschließen. Zur Abklärung ging es dennoch in die Klinik. Dort machte ich der Internistin eine kurze Übergabe mit all den Beschwerden, diese war über die vielen Beschwerden erst einmal verwundert und auch etwas genervt.

Danach ging es für uns gleich weiter zu einer Verlegung. Von der Psychiatrischen Klinik in die Urologie, da sich der Patient den Katheter gezogen hatte und nun stärkere Blutungen hatte. Dies verlief alles ohne Probleme. Unser Patient war bereits vorversorgt und stark dement.

Anschließend ging es kurz auf die Rettungswache. Ich habe gehofft, dass wir vielleicht noch einen Notfall- oder gar Notarzteinsatz fahren dürfen. Doch zum Abschluss der Schicht sollten wir noch eine Verlegung in die Psychiatrie fahren, dies erledigte sich jedoch schnell, da unser RTW beim Ausrücken einen Defekt hatte und wir damit nur noch in die Werkstatt fuhren. Dabei war aber mit unseren Leitungsdienst auch einiges zu klären

Somit kamen wir genau zum Schichtwechsel wieder zurück zur Wache und schon war die erste Schicht als verantwortliche Rettungsassistentin vorbei. Ich machte den Kollegen noch eine Übergabe und machte mich mit vielen Gedanken auf den Nachhauseweg.

Morgen werde ich übrigens wieder als Verantwortliche RA auf dem RTW sitzen, dann zusammen mit einem Jahrespraktikanten zum Rettungsassistenten. Mal sehen, was wir so für Einsätze fahren und wie es läuft. Ich bin auf jeden Fall noch etwas nervöser, doch alle auf meiner Wache machen mir Mut und so wird es schon werden.

Die Rettungsassistentenprüfung Teil II praktisch (1)


Nach ein paar Tagen ohne Prüfung stand nach der schriftlichen Prüfung und einigen unruhigen Nächten nun endlich die praktische Prüfung an.  Ich war echt nervös, als ich mich am frühen Morgen auf die Autofahrt machte.

In der Schule warteten bereits meine beiden Teamkollegen, sodass wir uns als Team anmelden konnten. Vorschriftsgemäß hatten wir alle unsere Dienstkleidung an und registrierten uns jetzt in der Verwaltung. Dort zogen wir drei alle unsere Fälle, sodass jeder dreimal sein eigenes Glück bemühen musste. Die Karten sollten wir später kurz vor der jeweiligen Prüfung zu sehen bekommen.

Nun hieß es noch einmal warten auf die erste der insgesamt neun !!! Prüfungssituationen an diesem harten Tag. Jeder von uns drei Teammitgliedern hatte drei praktische Prüfungsteile zu absolvieren. Zum einen das Fallbeispiel mit einem ganz normalen Einsatz, zudem das Assistenz-Fallbeispiel, in dem es um die Assistenz des Notarztes sowie viel um Teamführung und Kommunikation geht und natürlich eine Reanimation.

Den genauen Ablauf unseres Tages regelte ein sehr gut ausgetüftelter Plan, bei dem alle Räume und Uhrzeiten mit den jeweiligen Teamchef verzeichnet waren. Unser Tag sollte insgesamt neun Stunden dauern, wobei es zwischen den einzelnen Prüfungsteilen kürzere oder auch mal längere Pausen gab.

Nervös waren wir natürlich alle an diesem Tag, doch als Team hielten wir zusammen. Beruhigten uns gegenseitig. Dazu kam ganz viel Motivation und fachliche Unterstützung. Unser Motto hieß dabei: „Gemeinsam rocken wir die Prüfung!“ Dieser Spruch begleitete uns den gesamten Tag.

Unsere erste Prüfung sollte ein Fallbeispiel sein. Ich war dabei als Helfer eingeteilt. Wir fanden uns vor dem Prüfungsraum ein, checkten dort unsere Ausrüstung und bekamen die Einsatzmeldung mitgeteilt: Neurologisches Defizit eines älteren Herren im häuslichen Bereich. Danach konnten wir uns noch kurz beraten und gingen noch einmal die Untersuchung und Versorgung beim Schlaganfall durch. Nun sollte es los gehen: mein Kollege als Teamchef und wir zwei Helfer betraten den Prüfungsraum. (mehr …)