Übung macht den Meister oder doch eher zurück zum Realeinsatz – Teil II


Im fiktiven Krankenhaus bzw. am Sportplatz angekommen wurden wir aber bereits erwartet. Ein Helfer aus dem Betreuungsdienst schrie nach uns. Es gebe einen Ernstfall. Somit hieß dies für uns, sofort die Mimen aus dem RTW schmeißen befördern und zur echten Einsatzstelle fahren. Ich ging voraus, mein Kollege fuhr hinterher.

Auf dem Sportplatz lag ein ca. 30-jähriger Mann. Er sah nicht wirklich gesund und fit aus. Allerdings war er ansprechbar, doch verstand er kein einziges Wort Deutsch. Ich bekam vom anwesenden Betreuungsdienst (eher zu viele Helfer) eine kurze Übergabe. Dem Mann gehe es wohl schon seit Übungsbeginn nicht gut, doch da er sich nicht richtig äußern konnte, was genau los ist, weiß niemand wirklich genaueres. Nun treffen zum Glück auch einige Übersetzer und mein Kollege mit Notfallkoffer und EKG ein. Unser Patient ist ein Flüchtling aus Pakistan und spricht nur eine Landessprache. Es übersetzen nun gleich 4 Personen, bis am Ende irgendetwas auf Deutsch herauskommt. Naja es war sehr abenteuerlich, da jeder der Übersetzer in eine andere Sprache übersetzte. Ich bekam so heraus, dass der Patient kolikartige Schmerzen links im Unterbauch angibt, evtl. eine Nierenkolik. Zudem nehme er wohl Medikamente, diese seien aber nun leer und der Hausarzt im Urlaub. Im ortsnahen Krankenhaus ist er wohl auch bekannt. Aktuell seien die Schmerzen erträglich und irgendwie auch sonst alles ein bisschen besser, aber es geht ihm einfach nicht gut. Mein Kollege misst noch Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung, alles im Normbereich.

Nun klären wir über die Übungsleitung ab, ob der Patient durch uns ins Krankenhaus transportiert werden soll. Von der Leitstelle bekommen wir als RTW die Freigabe zum Transport. So geht es mit dem ausländischen Patienten ohne Komplikationen ins Krankenhaus. Ich schreibe auf dem Weg dorthin auch meine Dokumentation und bekomme weitere Daten von ihm.
Kurz müssen wir noch mit einem anderen Kollegen über die Nachforderung eines Notarztes diskutieren, doch dies erledigt sich bald, schließlich bin ich die Rettungsassistentin auf dem RTW und nicht er.

Im Krankenhaus übergeben wir unseren Patienten. Er ist dort bereits bekannt und auch die Übersetzer treffen kurz nach uns dort ein. Mein Kollege und ich machen unseren RTW wieder einsatzklar und können uns noch kurz mit den Kollegen des Regelrettungsdienstes am Krankenhaus unterhalten.

Danach geht es zurück zur Übung. Diese ist mittlerweile jedoch beendet und so kommen wir genau rechtzeitig zur Übungsbesprechung. Hier wird der Ernstfall jedoch nicht wirklich angesprochen, auch sonst fällt die Besprechung recht kurz aus. Ich gebe jedoch bei den Übungsbeobachtern auch noch meine eigene Meinung zum echten Patienten ab. Er konnte sich über 1 Stunde hinweg nicht richtig äußern, da er das „Safewort“ nicht sprechen konnte (kein Wort Deutsch und vor allem auch die Bedeutung dieses Notfallwortes nicht verstanden). Dies war natürlich extrem schlecht und damit kann man nur unzufrieden sein. Leider hat sich unser Patient aber auch sonst wenig geäußert und somit wurde der Ernstfall erst recht spät erkannt.

Insgesamt habe ich bei dieser Übung seit langem einmal wieder sehr viel gearbeitet, bin wirklich ins Schwitzen gekommen, war die ganze Zeit gefordert. Ansonsten lief die Übung bis auf die Komponente Betreuungsdienst und die Übungsdarsteller (haben leider alle viel zu viel übertrieben beim Mimen) ganz gut. Solche Übungen sind eben auch da, um Defizite festzustellen und manche Dinge weiterzuentwickeln.

Übrigens war die Übung weit vor den letzten Terroranschlägen (besonders das Attentat in Berlin). Dieses hat jedoch einmal wieder gezeigt, dass solche Großübungen wichtig sind, da eben wirklich schnell Großschadenslagen eintreten können. Ich selbst kann mich so auch ein bisschen in die Lage der ersteintreffenden Einsatzkräfte in Berlin hineinversetzen. Es ist echt schwierig nach der richtigen Einsatztaktik vorzugehen, wenn an jeder Ecke jemand schreit oder bewusstlos liegt. Dafür ist aber nun in meinen Bundesland ein Einsatztaktikschema entwickelt worden, doch dieses ist bisher noch nicht wirklich geschult. Auf jeden Fall ist dies ein wichtiges Thema und man sollte es als Einsatzkraft nicht allzu weit wegschieben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s