Übung macht den Meister oder doch eher zurück zum Realeinsatz


Ich war vor einiger Zeit wieder einmal an einer großen Katastrophenschutz-Übung bei meiner Hilfsorganisation beteiligt.
Dabei war meine Rolle zunächst sehr wechselhaft, erst sollte ich eine Führungsaufgabe bei der Betreuung unverletzter Betroffener übenehmen, dann normaler Helfer in dieser Einheit sein und bei der Einteilung erlebte ich eine Überraschung, denn ich wurde auf dem ersteintreffenden RTW eingesetzt. Somit war mir klar, dass ich bei der Übung viel Schwitzen würde, gleichzeitig freute ich mich aber auch ein bisschen auf die Herausforderung. Zusammen mit zwei Rettungsssanitätern und einem „gespielten“ Notarzt waren wir auf dem Fahrzeug (übrigens der einzige an dieser Übung teilnehmende RTW, ansonsten nur Notfall-KTW).
Wir wussten nur, dass es eine Großschadenslage werden würde, was genau, war uns auch bei Einsatzübernahme mit der Leitstelle völlig unklar. Auf der Anfahrt machten wir uns einen ersten „Schlachtplan“: nämlich erst einmal kurze Lageerkundung, danach nur Sichtung und lebensrettende Maßnahmen.

An der Einsatzstelle fanden wir einen Reisebus vor, welcher vollbesetzt war und zudem wohl schwer verunglückt. Auf Nachfrage bekamen wir von den Übungsbeobachtern mitgeteilt, dass der Bus ungebremst frontal gegen eine Mauer gefahren ist. Die Feuerwehr wäre wohl ebenfalls alarmiert. Der Notarzt machte sich zusammen mit uns einen ersten Überblick, ca. 40 Verletzte, teils schwer. Es erfolgte durch mich eine erste Lagemeldung an die Übungsleitstelle.

Nun wollten alle etwas von uns. Auch weitere Einheiten trafen ein, ich machte dabei dem Einsatzleiter Rettungsdienst eine Übergabe und konnte die Verantwortung somit übergeben, zu mindestens aus organisatorischer Sicht. Doch es gab jetzt für uns die ganzen Verletzten zu sichten und letztendlich auch irgendwann mit zu versorgen.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Groß Nachdenken war nicht (mehr) möglich. Alle Mimen wollten beim ersten Betreten des Busses etwas von uns Helfern. Als Erstmaßnahmen waren einfache lebensrettende Dinge zu tun. So wurden alle Bewusstlosen in stabiler Seitenlage auf dem Boden des Busses gelagert, zudem Atmung überprüft, spritzende Blutungen gestillt und versucht irgendwie den Überblick zu wahren. Auf traumaspezifische Dinge wie Stifneck und keine Drehung 8also nur achsengerecht) konnte zunächst fast gar nicht geachtet werden, es war einfach zu voll und zu eng und unsere Ressourcen sehr begrenzt.

Dazu fand eine erste Sichtung durch den Notarzt statt. Dies wurde von mir und einem Rettungssanitäter unterstützt, wobei eigentlich irgendwann nur noch wir als nichtärztliches Personal gesichtet haben. Der weitere Kollege kümmerte sich mit um die Patienten, es war echt ein heilloses Durcheinander. Insgesamt sichteten wir so zu dritt 46 Businsassen, alle verletzt, davon ca. 6 schwerst, 15 schwer verletzt. Viele Mimen haben es dabei wohl mit dem Spielen ihrer Verletzungen übertrieben, es hatten eigentlich fast alle ein Schädelhirntrauma. Denoch verlief die Sichtung ganz gut, denn zeitlich waren wir wohl echt schnell. Dabei ergriffen wir wirklich medizinisch erst einmal nur lebensrettende Maßnahmen.

Unser „Notarzt“ kümmerte sich im Hintergrund auch bereits um logistische Dinge. Es wurde mit den weiteren Einheiten geklärt, wer wann wie aus dem Bus kommt. Insgesamt alles sehr eng und schwierig. Dabei versuchten wir uns natürlich trotzdem immer wieder um die schwer Verletzten zu kümmern. Ich schwitzte im Bus mit der vollen Schutzausrüstung einfach nur noch (mit Helm und dicker Jacke bei über 20 Grad auch kein Wunder), doch es ging ja weiter.

Nachdem nun ausreichend weitere Einheiten zum Versorgen und Transportieren eingetroffen waren, wurde auch unser RTW zum Transport von Patienten benötigt, da ansonsten einfach nicht genug Fahrzeuge vorhanden gewesen wären. Wir sollten als erstes einen jungen Mann mit schweren Thoraxtrauma (wahrscheinlich Pneumothorax und Rippenserienfraktur) sowie Beckentrauma (starke Schmerzen im Becken/ Hüfte) transportieren. Er lag bereits auf der verletzten Seite auf dem Boden, denn nur bekam er halbwegs ausreichend Luft. Zusammen mit der mittlerweile eingetroffenen Feuerwehr konnte unser Patient aus dem Bus getragen werden und auf unsere Trage gelegt werden.

Die Feuerwehr war übrigens gerade bereits sehr aktiv am Bus. Es wurde eine weitere Rettungsöffnung über ein großes Fenster geschaffen, zudem der Bus insgesamt stabilisiert und störende Teile beim Ein- und Ausstieg mittels Rettungssatz weggeschnitten und entfernt. Dies bekam ich alles nur am Rande mit. Zudem unterstützen aber auch Feuerwehrleute bei der Patientenbetreuung und Rettung. Im Bus selbst war ich als ersteintreffende Rettungsassistentin immer noch für viele der Ansprechpartner. Dies ging aber immer ganz gut, denn es gab ja genügend Aufgaben zu verteilen und Maßnahmen mit der Feuerwehr abzusprechen.

Ich war gerade recht froh, zusammen mit dem Fahrer des RTW, aus dem Bus heraus zu dürfen, um unseren Patienten transportieren zu können. Unser Patient musste jetzt von mir noch registriert werden (Verletzenanhängekarte und Suchdienstkarte müssen ausgefüllt werden). Danach noch mit dem Abschnittsleiter das Transportziel abklären und auf Transportfreigabe warten, alles ging sehr zügig. Wir tansportierten unseren schwerst verletzten Patienten also in das Übungskrankenhaus (an einem Sportplatz gelegen).
Eigentlich hätte er natürlich richtig versorgt gehört, sprich großlumiger venösen Zugang, Schmerzmittel, Sauerstoff und vieles mehr. Aufgrund des Zeitmangels der Übung verzichtete ich hierauf. Ich habe mit unserem „Opfer“ gesprochen, dass dies normalerweise jetzt alles im RTW geschehen würde und er fand es gut, alles erklärt zu bekommen. Zudem habe ich dies auf der Verletztenanhängekarte vermerkt. (Ziel einer solchen Großübung ist es bei uns auch nicht jeden Patienten maximal zu versorgen, sondern die Gesamtlage abzuarbeiten).
Am Zielort angekommen wurde der Patient ausgeladen und es geschah bei der Übergabe an das Krankenhaus eine „Wunderheilung“.

Danach konnten wir unseren RTW wieder einsatzklar machen und uns wieder über Funk melden. Es ging wieder zur Einsatzstelle, dieses mal in den Bereitstellungraum Rettungsmittelhalteplatz. Dort wurden wir vom dortigen Abschnittsleiter beauftragt, uns mit der Trage direkt an der Einsatzstelle zu melden. Hier sollten wir natürlich weitere Patienten transportieren. Von unserem „Notarzt“ bekamen wir dieses mal zwei schwer Verletzte mit stumpfen Bauchtrauma zugewiesen, da hier ebenfalls ein zügiger Transport erforderlich ist. Ein Herr wurde aus dem Bus getragen und auf unserer Trage gelagert, die weitere Patienten musste mit Unterstützung ein paar Meter zum RTW laufen (sicher nicht ideal, aber der schnelle Transport stand hier einfach im Vordergrund). Auch bei diesen Patienten war die Dokumentation zu erledigen und ebenfalls Transportziel und Freigabe abzuwarten. Dies klärte mein Fahrer, während ich mich um die „Patienten“ kümmerte. Auch hier erklärte ich den Ablauf und die eigentliche Versorgung mit nochmaligen Bodycheck, insbesondere Abdomen, Schmerzmittelgabe sowie großlumigen Zugang.
Danach erfolgte wieder der Transport in unser fiktives Krankenhaus…

Teil 2 folgt

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