Tür 21: Manchmal helfen Ratschläge vom Rettungsdienst eben besser


Es ist Samstag Nachmittag und mein Kollege, ein erfahrener Rettungsassistent und ich als Fahrerin werden zu einer sehr nahe gelegenen betreuten Wohnanlage alarmiert. Dort soll eine Dame mit Kollaps auf uns warten.

An der Einsatzstelle im Betreuten Wohnen empfangen uns der Sohn und die Schwiegertochter der Patientin. Diese bringen uns zu der Wohnung, wo die über 90-jährige Dame auf dem Sofa sitzt. Die Dame ist ansprechbar, reagiert allerdings teils verzögert und ist nicht vollkommen orientiert. Sie gibt selbst erst auf mehrmaliges Nachfragen an, dass es ihr wohl schwindelig ist und sie einfach ihre Ruhe haben will, eigentlich kann die Dame vor Schwäche kaum gerade auf dem Sofa sitzen. Von den Angehörigen erfahren wir von diversen Vorerkrankungen, besonders einer Herzschwäche sowie der aktuellen Schwäche und Verwirrtheit. Mein Kollege checkt die Neurologie durch, die Dame hat allerdings hier keine Ausfallerscheinungen, außer der Verwirrtheit. Ich stelle währenddessen die Vitalwerte fest, zudem wird ein EKG geschrieben. Insgesamt zeigt sich eine Arrhythmie, die restlichen Werte sind auch recht niedrig. Insgesamt ist die Dame aber auch deutlich ausgetrocknet.

Die Patientin möchte allerdings auf keinen Fall ins Krankenhaus und auch sonst nur ihre Ruhe. Von den Angehörigen erfahren wir zudem dass, die Dame wohl immer viel zu wenig trinkt und dies aktuell wohl noch schlimmer ist. Sie ist total uneinsichtig. Aufgrund der Situation können wir sie aber nicht zuhause lassen, mein Kollege bestellt über die Leitstelle einen Notarzt nach.

In der Zwischenzeit klären wir die Dame auch über die Folgen ihrer Uneinsichtigkeit aus. Sie wirkt echt total hilflos und verwirrt. Wir reden auf sie ein und die Angehörigen bringen etwas zum Trinken. Auf unseren Hinweis, dass es ihr mit viel Trinken besser gehen würde, trinkt die Dame sofort das ganze Glas leer und verlangt sogar nach mehr Wasser bzw. Saft. Vorher wollte sie überhaupt nichts trinken.

Danach trifft die Notärztin ein. Sie bekommt von meinem Kollegen eine Übergabe gemacht, danach untersucht sie die Patientin selbst noch einmal. Sie stellt ebenfalls die Exsikkose und die Arrhythmie fest. Die Notärztin meint ebenfalls, dass die alte Dame mit ins Krankenhaus muss. Nun versteht die Dame die Situation wohl etwas besser und ohne Widerwillen willigt sie den Transport ins Krankenhaus ein. Die Notärztin legt der Patientin noch einen Zugang und sie bekommt großzügig Flüssigkeit.

Nun geht es ohne Komplikationen ins Krankenhaus, wo wir die Patientin dem Pflegepersonal übergeben können.

Es war echt ein Einsatz der mir in Erinnerung geblieben ist, weil die Dame ihre Meinung immer auf Ratschlag von „Fremden“ geändert hat. Die eigene Familie konnte Reden wie sie wollte, doch als der Rettungsdienst bzw. Notarzt da war, wurden auf einmal alle Ratschläge befolgt und siehe da, es ging der Patientin im Krankenhaus bereits wesentlich besser als bei unseren Eintreffen.

 

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