Kalendertürchen Nr. 20


Irgendwie werde ich in den letzten Schichten immer wieder als Ärztin bezeichnet. Ich weiß nicht, woran dies liegt, aber anscheinend mache ich einen sicheren Eindruck und habe mittlerweile auch gelernt, dass ich als Verantwortliche auf dem Rettungswagen viele Dinge delegieren kann. Damit bleibt auch mehr Zeit zum Denken und man kann in Ruhe eine Anamnese erheben.

So auch wieder in meiner letzten Nachtschicht. Ich bin als Verantwortliche auf dem RTW unterwegs zusammen mit einem RS als Fahrer und einer engagierten Freundin als Dritte (Sanitäterin aktuell in Ausbildung zur RDH).

Beim ersten Notfall kommen wir zum gemeldeten Sturz, der Patient sitzt jedoch bereits wieder im Sessel. Ich kann eine Anamnese und einen Bodycheck machen und die Messung der Vitalwerte delegieren, um den Transport kümmern sich meine zwei Kollegen von selbst. Die Tochter und der Patient sind der Meinung, dass ich als Ärztin echt super bin. Ich erkläre, dass ich nur Rettungsassistentin bin und wir auch oftmals ohne Arzt zurecht kommen, die Angehörige lobt uns.

Beim nächsten Sturz das gleiche Bild,

die Patientin wird von mir untersucht, der Kollege kümmert sich mit der Praktikantin um den Rest, ich werde wieder als Ärztin bezeichnet. Auch hier kann ich anmerken, dass wir alle Rettungsfachpersonal sind und es auch keinen Arzt bedarf. Dort war nämlich vor kurzem erst ein Einsatz mit Rettungshubschrauber und somit waren alle etwas aufgeregter, wer denn dieses mal alles kommen würde.

Beim dritten Einsatz der Nacht handelt es sich um einen erkrankten Patienten, der einen fieberhaften Infekt hat und er sich große Sorgen macht. Er ist Typ-1-Diabetiker und war auch bereits wegen Herzbeschwerden ohne Befund in der Klinik. Ich mache auch hier eine Anamnese und wir schreiben zur Sicherheit ein 12-Kanal-EKG. Zum dritten Mal in einer Nacht werde ich danach gefragt, ob ich Ärztin bin. Auch hier kann ich die Situation aufklären und wir transportieren den Patienten in die Klinik.

Beim vierten Einsatz der Nacht bin ich dieses mal aber nicht nach der Ärztin in mir gefragt worden ;-).

Man muss dazu sagen, dass wir große Aufnäher mit Rettungsdienst an allen Kleidungsstücken tragen. Ich mich auch meist damit vorstelle, dass ich vom Rettungsdienst bin, doch dies überhören die Leute ganz schnell. Jeder der wohl ein bisschen Ahnung von Medizin hat bzw. eben der Teamchef ist, wird gern als Arzt bezeichnet. Dies schmeichelt mir ja eigentlich, doch auf der anderen Seite bin ich Rettungsfachpersonal und bin oft froh, dass ich nicht zu jedem Notfall einen Notarzt benötige und somit stelle ich das Missverständnis immer freundlich richtig.

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