Adventskalender Nr. 18


Dieser Einsatz ist wirklich gerade erst passiert und ich daher noch ganz frisch für euch.

Ich fahre in letzter Zeit sehr oft verantwortlich auf dem RTW. So sollte es auch in meiner geliebten Spätschicht einmal wieder sein, dieses mal zusammen mit einem befreundeten jungen Rettungssanitäter und einem Azubi zum Notfallsanitäter im 2. Lehrjahr.  Anstatt einer ruhigen Schichtübergabe gibt es eine Schlüssel- und Melderübergabe auf dem Gang vor den Umkleiden, denn es wartet bereits der erste Einsatz des Tages auf uns. Gemeldet ist ein Notfalleinsatz Intoxikation am Bahnhof.

Die Anfahrt durch den regen Verkehr verläuft ohne Probleme. An der Einsatzstelle werden wir in der Bundespolizeistation bereits erwartet. Wir werden in den Schleusenraum gebracht, wo unsere ca. 35-jährige Patientin in Seitenlage liegt. Die Dame ist überhaupt nicht erweckbar, war kurz zuvor wohl noch sehr aggressiv, es liegt wohl ein Mischintox vor.  Bei dieser Situation lasse ich mir direkt einen Notarzt dazu bestellen.  Die Dame atmet ausreichend und liegt seitlich recht stabil. Wir versuchen die weiteren Vitalwerte festzustellen, was aufgrund der teils unkontrollierten Bewegungen unserer Patientin nicht einfach ist.

Von der Bundespolizei und dem anwesenden Lebensgefährten bekommen wir einige Infos. Die Dame hat auf jeden Fall zu viel Alkohol konsumiert, dies riecht man auch, zudem ist wohl ein Drogenmissbrauch sehr wahrscheinlich. Dies zeigt sich auch durch die wechselnden Bewusstseinszustände und die teils aggressive Haltung der Dame.

Der Azubi bereitet auf Weisung einen Zugang vor und darf diesen unter meiner Aufsicht auch legen, ich halte derweil die unkontrollierten Arme der Dame fest, der Rettungssanitäter assistiert uns. Wir nehmen auch direkt Blut ab, der Blutzucker wird gemessen. Die Werte sind alle im Normalbereich, der Blutzucker leicht erniedrigt.

Nun trifft auch der Notarzt ein und die Dame ist mittlerweile wieder halbwegs wach, eine halbwegs normale Kommunikation ist jedoch nicht möglich. Ich mache dem Notarzt eine Übergabe. Jetzt wird die Dame jedoch zunehmend aggressiv, wir müssen sie festhalten, zudem beleidigt die Dame uns. Mit vereinten Kräften können wir sie auf unsere Trage umlagern und dort wird sie von der Bundespolizei fixiert. Der Notarzt meint, dass für ihn eigentlich nichts weiter zu tun ist, da die Dame ja nun wieder wach ist, er möchte auch nicht begleiten.

Wir bringen die Patientin in den RTW. Die Vitalwerte sind weiterhin stabil, die Patientin weiterhin bewusstseinsgetrübt bis tief komatös. Der Transport erfolgt mit Begleitung eines Bundespolizisten, zunächst komplikationslos, an der Klinikeinfahrt erbricht die Dame jedoch unkontrolliert.

Wir laden die Dame schnellstmöglich aus und übergeben sie in der Klinik der diensthabenden Internistin und dem Pflegepersonal. Mittlerweile ist die Dame auch wieder sehr friedlich, da tief bewusstlos. Ich schreibe noch meine Dokumentation, da der Notarzt nichts geschrieben hat. Zudem äußern wir auch in der Klinik, dass es der Notarzt eben nicht für nötig gehalten hat, den Transport zu begleiten, obwohl die Patientin wohl intensivpflichtig ist.

Wir besprechen den Einsatz auch noch kurz untereinander. Hier stellen wir fest, dass alles ruhig und strukturiert abgelaufen ist, es wurde sich größtenteils an das ABCDE-Schema gehalten. Wir mussten jedoch jederzeit auf den Selbstschutz achten, hier war aber jeder des Teams aufmerksam. Der Notarzt ist generell sehr speziell und hätte meiner Meinung auch den Transport begleiten müssen, ich dokumentiere dies, doch ich kann ihn dazu nicht zwingen. Ich bin nach diesem raschen und etwas stressigen Einstieg auf jeden Fall erst einmal wach für weitere Einsätze in den nächsten 7 Stunden.

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