Türchen Nr. 11: Rettung einmal anders


Es ist Sommer und ich bin mit einem sehr routinierten Kollegen auf dem RTW unterwegs. Ich darf als RA-Praktikantin heute begleiten, mir fehlen nur noch wenige Stunden bis zum endgültigen Abschluss. Ich bin auch sehr gerne mit dem Kollegen, nennen wir ihn Mario unterwegs, denn er weiß wirklich immer was zu tun ist und hilft einen immer, ohne dass man sich dumm vorkommt.

Wir werden von der Klinik weg alarmiert. Es geht zum Notfalleinsatz zum Sturz vom Pferd. Mein Kollege fährt den RTW mit Sondersignal einmal quer durch die Stadt und schließlich auch bis zu einem Feldweg, die Leitstelle lotst uns dann weiter in den Wald hinein.

Mitten im Wald an einem Walkingweg finden wir schließlich ein Pferd am Boden liegend vor. Daneben kniet die junge Reiterin. Ich steige aus und gehe zu dem Mädel. Es ist total aufgelöst und weint leicht. Nach der Begrüßung frage ich nach dem Hergang und nach Verletzungen. Sie gibt an, dass das Pferd wohl weggerutscht sei und nun nicht mehr aufkomme, sie sei auch seitlich vom Pferd gefallen, aber das schlimme ist ja das Pferd. Auf den ersten Blick ist die Reiterin eher unverletzt, doch ich gehe erst einmal mit ihr in den RTW.

Während dessen kümmert sich mein Kollege erst einmal um das Pferd. Es ist recht schwach und alt. Mario stellt auch hier fest, dass es wohl evtl. am Hinterlauf verletzt sein könnte, zudem eben wirklich schwach.

Im RTW kann ich nun die Patienten erst einmal etwas beruhigen, sie hyperventiliert. Ansonsten ergibt der Bodycheck keinerlei Verletzungen. Auch vom Unfallmechanismus her, hat sie Glück im Unglück gehabt, da sie eher vom Pferd seitlich heruntergerutscht als richtig gestürzt ist. Das 13-jährige Mädchen ist immer noch sehr aufgebracht, ich verspreche ihr nach dem Pferd zu sehen und sie versucht sich etwas zu beruhigen.

Zusammen mit dem Kollegen ist für uns klar, dass wir die Feuerwehr zur Tierrettung benötigen. Mein Kollege meint auch, dass das Pferd wohl eine schnelle Rettung benötigt, da es mit dem Kopf bergab liegt und bereits immer schwächer wird.  Über unser Diensthandy lassen wir in der Leitstelle die Feuerwehr alarmieren, zudem einen Tierarzt für das Pferd organisieren.

Danach kümmere ich mich im RTW wieder im das Mädchen, während dessen mein Mario weiterhin um das Pferd bemüht ist.  Die junge Patientin ist echt verzweifelt, das Pferd gehört nicht ihr selbst und es ist schon etwas älter. Sie kann auch aktuell den Namen des Besitzers nicht nennen. Ich versuche sie weiterhin etwas zu beruhigen und die Hyperventilation zu dämpfen. Dies gelingt auch so halbwegs, doch sie möchte unbedingt wieder zum Pferd. Dies ist aber eine sehr schlechte Idee, da sie nichts machen kann und nur zusehen muss, wie es dem Pferd schlechter geht.

Schließlich trifft die Feuerwehr ein, es wird diskutiert, wie man dem Pferd am besten helfen kann. Ich gehe mit dem Mädchen wieder in den RTW, da wir echt nur im Weg herum stehen und sie sich immer mehr aufregt.

Mein Kollege koordiniert den Einsatz etwas, da die Feuerwehr recht planlos wirkt. Eins ist klar, dem Pferd muss dringend wieder auf die Beine geholfen werden. Es trifft nun auch zufällig ein benachbarter Pferdewirt ein. Dieser hilft ebenfalls mit. Die Feuerwehr versucht nun das Pferd mit Hilfe von Schläuchen wieder auf die Beine zu bringen.

Ich kann im RTW nur zusehen und weiterhin das Mädchen beruhigen. Ich versuche sie etwas abzulenken und erfahren so sehr viel von ihr und auch von der Krankengeschichte des Pferdes. Es hat nämlich eine Art Arthrose und sollte wohl auch nicht mehr wirklich im Gelände geritten werden. Die junge Reiterin hat wohl den Waldweg unterschätzt und so kam es zu dem Sturz.

Insgesamt läuft die Tierrettung sehr chaotisch ab, doch nach einiger Zeit, gelingt das schon fast unmöglich geglaubte: das Pferd wird aufgerichtet und kann laufen. Unsere Patientin ist sehr erleichtert, auf einmal alles vergessen. Mir fallen auch tausend Steine ab und auch Mario ist glücklich.

Ein Pferd rettet man schließlich nicht jeden Tag und so war dieser Einsatz schon etwas besonderes. Am Ende geht es dem Pferd gut und es wird vom benachbarten Pferdewirt nach Hause gebracht, auch unsere junge Reiterin kann hier mitkommen, da sie nicht verletzt ist.

Ich kann auf der Rückfahrt mein Protokoll schreiben (wobei ich hier fast mehr über das Tier als über unsere junge Patientin schreiben könnte) und mein Kollege merkt nur ganz entspannt an, dass so ein Pferd ja auch nicht viel anders als ein Mensch sei und er daher auch immer auf die Vitalfunktionen geachtet habe.

Advertisements

5 Kommentare

    1. Ja, dieser Einsatz wird mir lange in Erinnerung bleiben. Auf diesen Kollegen kann man sich aber auch echt verlassen und man fühlt sich bei allem sicher.
      Das Pferd war sozusagen auch „unser Patient“ und daher waren wir über den guten Verlauf sehr erleichtert.

  1. Das Ende erleichtert mich. Ich hatte vergessen, dass ich die Geschichte um den blutigsten Einsatz in einem 2. anderen Tab geöffnet habe und mich die ganze Zeit gefragt, was bei der Rettung mit dem armen Pferd passieren wird, dass es so blutig werden wird … .

    1. Oh, das ist böse aber auch lustig. Zum Glück ist es mit dem Pferd soweit gutgegangen.
      Aber es freut mich, wenn du gleich mehrere Artikel gleichzeitig liest 😉
      Liebe Grüße Blaulichtengel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s