Adventskalender Nr. 6: Teddybären Reanimation


Heute gibt es einmal ein Erlebnis aus der Leitstelle zu erzählen.
Ich bin wie immer dort die Stimme des Notrufs. Es ist heute eine etwas andere Schicht, denn ich bin kurzfristig zur Verstärkung alarmiert worden, da das Einsatzaufkommen sehr hoch ist und es technische Probleme in der Leitstelle geben könnte (draußen sind es übrigens weit mehr als 30 Grad und es werden schwere Unwetter erwartet). Bis jetzt ist es allerdings recht ruhig und alles läuft normal ab.

Ich gehe in einen Notruf über die 112. Es meldet sich eine ältere Dame und teilt mir mit, dass ihr Mann neben ihr auf dem Sofa sitzt und sich nicht mehr rührt. Ich frage nach dem Bewusstsein und der Atmung, beides wohl nicht vorhanden. Des weiteren kläre ich noch die Adressdaten ab und lege das Schlagwort Bewusstlos/ Leblos fest. Danach wird der Einsatz zum Kollegen weiter geschickt, der die Alarmierung von RTW und Notarzt vornimmt.

Ich springe nun in den Algorithmus der Telefon-Reanimation. Diese führen wir in der Leitstelle seit nunmehr bereits 2 Jahren durch und konnten damit bereits einige Menschenleben retten. Dazu haben wir ein festes Schema bzw. eine Präsentation, welches durch Tastenclick aufgerufen und durchgeführt werden kann. Ich gehe dieses jetzt mit der Dame durch. Die Mitteilerin wirkt zwar ängstlich, doch sie macht insgesamt gut mit. Die Mitteilerin kann das Telefon zwar nicht auf laut stellen, doch sie folgt meinen Anweisungen dennoch ganz gut. Ich bringe sie dazu ihren Mann auf den Fußboden zu legen (anscheinend schafft sie dies auch alleine soweit ganz gut), danach überprüfen wir gemeinsam die Atmung des Patienten. Er atmet nicht und alles läuft auf eine Reanimation hin, ich leite sie zum Drücken an, doch ob dies so funktioniert, weiß ich nicht, denn ich kann immer nur schildern und sie danach erst umsetzen. Anscheinend drückt sie aber wohl wirklich auf den Brustkorb ihres Mannes.

Irgendwann trifft der Rettungsdienst ein und ich beende das Gespräch. Insgesamt lief die Reanimation bis dahin halbwegs gut ab und ich mache anschließend noch die Dokumentation der Telefon-Reanimation.

Einige Minuten später ruft die Nummer wieder an und ich gehe in die Leitung. Dieses Mal meldet sich die Rettungsdienstbesatzung mit einer Lage: sie teilen mir mit, dass die Dame gerade die Teddybären reanimiert!!! Ich muss noch einmal nachfragen, die Besatzung meint, die Dame kniet am Boden und versucht drei Teddys wiederzubeleben, sie drückt auf Ihnen herum.
Ich erfahre weiterhin, dass der Ehemann der Mitteilerin wohl bereits vor 3 Jahren verstorben ist und sie heute einfach recht verwirrt sei und daher die Teddybären für ihren Ehemann hält. Sie hat sich echt große Sorgen gemacht und daher den Notruf gewählt.

Ich bin erst einmal sprachlos, denn ich habe die Damen wirklich zur Teddybären-Reanimation gebracht. Meine Kollegen können erst einmal nur herzhaft lachen und ich darf mir einige Sprüche anhören. Im Nachhinein macht dies natürlich die große Runde. Auch unser Leitstellenchef hört sich diesen Notruf noch einmal an. Man konnte es nicht erahnen, dass es sich nicht um eine bewusstlose Person handelt.

Man hat hier einfach gemerkt, dass wir in der Leitstelle auf die Angaben des Mitteilers angewiesen sind und es eben noch keinen Bildnotruf gibt. Somit habe ich hier nichts falsch gemacht, doch eine ganz besonderer Notruf war die Teddybären-Reanimation im Nachhinein schon.

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