Nachts um Halb Fünf …


Ein typischer Einsatz nachts um Halb Fünf – der „Ottonormalbürger“ denkt hier vielleicht an etwas schlimmes wie einen Herzinfarkt oder ähnliches.
Doch lest selbst.

Es ist Samstag Nacht oder besser bereits eher Sonntag früh und mein Kollege und ich werden von unseren Melder durch lautes Piepsen aus dem Schlaf gerissen.
Wir besetzen den RTW und bekommen von der Leitstelle die Meldung starke Rücken- und Kopfschmerzen in einem Außenort.
Es geht nun dorthin, auf der Fahrt rätseln wir schon, was es sein könnte.

An der Einsatzstelle erwartet uns bereits ein Angehöriger. Er bringt uns zu dem Patienten, der auf dem Sofa sitzt. Ich frage den ca. 80-jährigen, was denn los ist. Unser Patient äußert Schmerzen in der LWS und auch in der Hüfte und dazu leichte Kopfschmerzen. Auf weitere Nachfrage bekomme ich auch heraus, dass die Schmerzen seit 3 Wochen bestehen und jetzt ist es mal wieder schlimm. Aber gut ich bleibe ruhig, auch wenn ich mich schon frage, was denn nun um halb fünf morgens anders ist als sonst – eine befriedigende Antwort gibt es nicht.

Auf dem Tisch sehe ich auch noch eine Großpackung Ibuprofen 800 liegen und frage, ob diese bereits eingenommen wurden. Die Antwort lässt mich dann verstummen. Die Tabletten wurden vom Hausarzt bei den bekannten Schmerzen verschrieben, doch unser Patient ist da mit Schmerzmitteln skeptisch und daher hat er diese natürlich nicht eingenommen.

Na gut, wir nehmen den älteren Herren mit ins Krankenhaus, alles andere würde nur noch mehr Diskussionen verursachen, er möchte schließlich jetzt um halb fünf morgens Hilfe. Das Laufen bis zum RTW geht auch.

Die Fahrt ins Krankenhaus verläuft unproblematisch, die Vitalwerte sind
unauffällig. Ich erfahre auch noch von bekannter Arthrose und dass die Hausärztin nie etwas wirklich untersucht bzw. abgeklärt hat, woher die Schmerzen im Rücken und der Hüfte herkommen.
Im Krankenhaus übergeben wir den Patienten dem Pflegepersonal und dem diensthabenden Chirurgen.
Die sind auch davon begeistert, dass man die Beschwerden seit drei Wochen nun in der Notaufnahme abklären lässt.
Vor allem gibt’s in der Notaufnahme nur Ibuprofen 600, zuhause wären genügend Ibuprofen 800 vorrätig gewesen – darüber lachen wir noch kurz mit den ebenfalls leicht müden Pflegern.

Leider hat unser Patient mitsamt der ganzen Familie überhaupt nicht verstanden, dass man solche Beschwerden nicht unbedingt zwingend Samstag Nacht abklären lassen muss, Schmerzmittel sind ja böse.
Genauso wenig fahren wir auch sinnvollerweise zur Nackenverspannung oder dem Hämorrhoidenleiden (ohne Blutung).
Immer mehr Menschen rufen uns aber genau für solche Beschwerden an und der Leitstelle bleibt aufgrund der Schilderung auch nicht viel anderes übrig als einen Rettungswagen hinzuschicken.

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3 Kommentare

  1. Solche Leute kann ich nicht verstehen.
    Ich hatte vor 2 Wochen höllisch Schulter schmerzen und konnte nicht schlafen. Aber den Notruf hätte ich niemals gerufen weil in den Krankenhaus hier gibt eh keine vernünftige Untersuchungen. Läuft eher so hier haben sie Schmerzmittel (vorzugsweise die gegen die man Allergisch ist, bei Aufnahme erwähnt) und tschüss, gehen sie zu ihrem Arzt.
    Bin so schon mit Bänderriss ohne Behandlung wieder heim geschickt worden.
    Da leide ich lieber daheim und warte auf den Regulären Arzt Termin ist Nerven schonender.

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