Das Abschlussgespräch auf dem Weg zur Rettungsassistentin


Der Tag des Abschlussgesprächs ist gekommen. Ich bin am Morgen auf der Wache und melde mich erst einmal bei meinem Rettungsdienstleiter. Es ist noch ein bisschen Zeit, ich bin früh dran und ziemlich nervös.

Deshalb gehe ich erst einmal auf die Rettungswache und versuche mich mit den Kollegen etwas abzulenken. Alle sind sich sicher, dass das Gespräch für mich gut laufen wird und wünschen mir noch viel Erfolg.

Mitgebracht habe ich auch noch einen Kuchen fürs Abschlussgespräch. Dies ist bei uns mittlerweile so üblich und da will ich natürlich keine Ausnahme machen.

Irgendwann trifft auch der zuständige Notarzt ein und ich kann ihn kurz auf der Wache begrüßen. Danach treffen sich langsam alle, also der zuständige Notarzt, der Rettungsdienstleiter mit seinem Stellvertreter sowie mein zuständiger Lehrrettungsassistent, im Büro der Rettungsdienstleitung. Ich nehme auch Platz. Dabei bin ich doch sichtlich nervös.

Zunächst kommt ein kurzes Gespräch über die neuen Reanimationsleitlinien auf, es geht hier eher um Details zwischen dem Verantwortlichen für Reanimation / Frühdefibrillation und dem Notarzt. Ich mische mich auch ein bisschen ein. Insgesamt wird dieses Thema jedoch wieder beendet.

Danach beginnt das offizielle Abschlussgespräch. Ich bin bereit für alles weitere. Zudem stellt mein LRA fest, dass mein Berichtsheft vollständig und inhaltlich gut geführt ist, auch alle Bewertungen. Die Anwesenden stellen mir nun nach und nach Fragen. Es wird vereinbart, dass jeder eigentlich nur einen Komplex an Themen bzw. Fragen stellen soll.

Mein Lehrrettungsassistent beginnt mit einem Fallbeispiel: chirurgisch, Treppensturz ohne Notarzt, es ist wohl ein älterer Herr einige Stufen gestürzt und hat starke Schmerzen im Oberschenkelhals.

Ich gehe dieses Fallbeispiel also komplett theoretisch durch. Besonderen Wert wird dabei auf das Vorgehen (mit Bodycheck und Untersuchung des Beines samt Betreuung) und eben die Nachforderung des Notarztes gelegt. Dabei kommt das Thema Notkompetenz ins Spiel. Ich würde auch bereits einen Zugang legen, Schmerzmittel dürfen bei uns im Bereich nicht ohne Notarzt verabreicht werden.

Nun mischt sich auch der Notarzt ein und das Thema geht komplett auf die Notkompetenz. Ich erläutere dabei das Vorgehen, die Notwendigkeit und auch nach den verschiedenen Maßnahmen, welche damit erfasst werden. Auch nach den gesetzlichen Regelungen werde ich gefragt. Auf dieses Thema war ich vorbereitet und es läuft sehr gut. Auch fragt der Notarzt noch nach meiner persönlichen Meinung zu den freigegebenen Maßnahmen.

Danach sind die beiden Rettungsdienstleiter mit Fragen an der Reihe. Es geht hierbei weniger um die Medizinische Seite, eher um das außen herum. Somit werde ich nach Verweigerung, Polizeilicher Einweisung und Zwangsmaßnahmen befragt. Dazu kommt das Thema Hygiene mit MRSA und den Umgang damit. Auch die Dokumentation im Rettungsdienst mit allen möglichen Dingen kommt zum Gespräch.
Ich bin froh, als dieser Komplex beendet wurde, denn man kann hierbei echt gemeine Fragen stellen.

Zum Schluss kommen die Fragen des Notarztes. Er stellt wieder ein Fallbeispiel zur Diskussion. Gemeldet ist wohl ein Schlaganfall. Der Ehemann ist komisch, reagiert nur verzögert/bedingt und nicht adäquat. Die Ehefrau ist daher besorgt und hat den Rettungsdienst gerufen.  Es geht hier um eine vollständige Anamnese. Ich versuche dies nach dem ABCDE-Schema aufzubauen. Der Mann hat auf Nachfrage keine Atembeschwerden, keine Kreislaufbeschwerden und auch die Kraft bzw. Seitenschwäche ist nicht das Problem. Danach folgt die Kontrolle des Blutzuckers.
Genau darauf wollte der Notarzt hinaus. Der Mann hat einen Blutzucker von 37 mg/dl und ist somit im Unterzucker. Es wird noch kurz besprochen wie die Hypoglykämie behandelt wird, also sprich Notarztnachforderung, Zugang legen und Glukose i.v. verabreichen.

Danach möchte der Notarzt noch den Komplex Schmerzbekämpfung fragen. Zunächst fragt er nach Schmerzmitteln. Hier erläutere ich die vorhandenen Medikamente auf dem RTW. Zum Glück geht es hierbei nur um Kategorien und Einteilung. Er will keine genaue Wirkmechanismus hören. Auch die Dosierung bliebt außen vor.
Anschließend geht es noch die nicht medikamentöse Schmerzbekämpfung. Hier sind also Lagerung, Kühlung, Schienung und auch Betreuung gefragt. Ich finde es gut, dass auch hiernach gefragt wird (gerade auch vom Notarzt).

Und schon ist das Prüfungsgespräch vorbei. Zwischendrin sind wir leider durch wichtige Anrufer und auch mal durch eine hereinplatzende Rettungsdienstbesatzung gestört worden, doch ich empfand dies nicht allzu schlimm, teils eher lustig.

Alle sind sich einige, dass sie mir das Ergebnis direkt verkünden können und sich nicht noch einmal beraten müssen. Ich habe bestanden und bekomme nun die Glückwünsche von allen. Danach wird mir auch gleich das Zeugnis über das bestandenes Praktikum mit dem Abschlussgespräch ausgehändigt. Jetzt strahle ich wieder und bin echt erleichtert. Dies merkt man mir auch an.

Der Notarzt fragt nun noch, wie es weitergeht und was ich eigentlich hauptberuflich arbeite. Mit ihm hatte ich im Rettungsdienst bisher nämlich eher weniger Kontakt.
Auch der Rettungsdienstleiter freut sich, dass ich nun fertig bin und er mich auch bald als Assistentin einsetzen darf.

Nach dem Gespräch setze ich mich noch etwas auf die Wache und kann mich freuen, leider sind alle Kollegen ausgerückt. Doch auch bald werde ich überrascht werden …

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6 Kommentare

  1. Riesen-Glückwunsch! Ich lese hier schon eine Weile heimlich mit und bin schwer beeindruckt – also sowohl von deiner Arbeit, deiner erfolgreichen Ausbildung und von Blog selbst 🙂

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