Wenns einfach gut läuft oder einfach ein gelungener Einsatz


Es ist kurz vor 6 Uhr morgens und ich habe mal wieder Dienst auf dem RTW, eigentlich ist es jedoch einfach sehr früh am Tag.
Ich bin trotzdem recht gut gelaunt, die Kollegen der Nachtschicht sitzen in der Küche, mein Tagschicht-Kollege ist noch nicht da. Wir plaudern ein bisschen über die Nacht und schicken schließlich einen Rettungsassistenten nach Hause, denn ich bin ja zur Ablösung da. Mein „Tagschicht Assistent“ kommt wohl etwas später, doch nun stört uns bereits der Melder.

Ein junger RA und ich sind somit die gemischte Besatzung, die es jetzt erwischt. Eigentlich echt doof, aber was will man machen. Es geht zum Notfall in einem Hochhaus, gemeldet sind Herzbeschwerden. Auf der Anfahrt überlegen wir noch, was uns wohl erwartet.
Wir sind uns irgendwie einig, dass es eher nichts gescheites sein kann, der Kollege ist langsam auch etwas müde. Ich begleite und er fährt mit Blaulicht zur Einsatzstelle.

Dort suchen wir mit EKG, Beatmungsgerät und Notfallkoffer die betreffende Wohnung. Es empfängt uns die Ehefrau und bringt uns zu dem ca. 65-jährigen Patienten ins Schlafzimmer. Dieser liegt wach und ansprechbar im Bett. Er ist leicht kaltschweißig und wirkt insgesamt nicht fit.

Ich bin jetzt auf einmal echt hellwach und konzentriert, trotz der frühen Uhrzeit. Dies ist bei mir leider nicht immer der Fall, doch heute bin ich anscheinend sehr fit und motiviert für kurz nach 6 Uhr.

Der Patient klagt über Schmerzen und Stechen im Brustkorb. Er hat bereits einige Vorerkrankungen, u.a. mehrere Herzinfarkte mit Stentanlagen sowie KHK und Hypertonie. Der Patient ist nun sehr früh aufgewacht und klagte bei der Ehefrau über die Beschwerden, er hat bereits selbstständig ein Nitrospray genommen. Es besteht auch ein insulinpflichtiger Diabetes.

Mein Kollege lässt mich beim Patienten vollständig alleine arbeiten. Er hält sich zurück und arbeitet nur zu. Wir fahren zwar selten miteinander, doch er weiß, dass ich bald fertige Rettungsassistentin bin und möchte mich auch gerne selbst machen und entscheiden lassen.

Ich mache somit eine vollständige Anamnese. Dazu wird gleichzeitig ein komplettes Monitoring mit Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und 12-Kanal-EKG angelegt.

Der Blutdruck wird dabei sehr lange vom Gerät gemessen. Es ist ein Wert um die 210/110 mmHG abzulesen. Auch das EKG ist nicht eindeutig. Es sind keine ST-Hebungen sichtbar, aber es gibt andere Auffälligkeiten, wobei wir nicht wissen, ob diese bereits länger vorbestehend sind.

Aufgrund des Patientenzustands und der Werte entscheiden wir uns gemeinsam zur Nachalarmierung eines Notarztes. Mein Kollege telefoniert kurz mit der Leitstelle. Dem Patienten erkläre ich dies. Er möchte auch lieber auf Sicherheit gehen.

Teil 2 folgt …

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2 Kommentare

  1. Wird bei euch beim Stichwort Herzschmerzen/Thorakaler Schmerz/ACS nicht direkt ein Notarzt mitgeschickt? Bei uns in RLP ist das ja quasi Standard.

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