Das eigene Leid als Patient


Heute musste ich mal selbst erleben wie es ist Patient zu sein.

Mir wurde in der Arbeit am Schreibtisch langsam schwindelig, dazu sind leichte Ausfallerscheinungen wie Sehstörungen, Flimmern, Kribbeln in der rechten Hand und in der rechten Gesichtshälfte sowie Sensibilitätsstörungen gekommen. Ich war auf Toilette, konnte alles bewegen, Zunge zeigen, lächeln , doch mir war nicht wohl. Nach einigen Minuten kamen Kopfschmerzen, ich nahm eine Paracetamol-Tablette und versuchte weiterzuarbeiten. Doch dies gelang nicht, die Ausfallerscheinungen wurden schlimmer. Ich hatte langsam auch das Gefühl dem Kollaps nahe zu sein. Nun ging ich sehr schwindelig zu den Kolleginnen ins Zimmer.

Diesen schilderte ich mein Problem.Es war mir fast peinlich sie zu belästigen, gerade weil sie sich sonst auf mich als Ersthelderin verlassen. Nach einer kurzen Beratung und der Erkenntnis, dass ich irgendwo zwischen Ratlosigheit und dringend Hilfe bin, musste eine Lösung her. Die Kollegin wollte mich auch nicht mit dem Taxi zum Arzt schicken. Somit wurde die Rettungskette in Gang gebracht. Der Notruf gewählt und abgesetzt, dabei konnte ich den Notarzt gerade noch verhindern, denn ich wollte möglichst wenig Aufsehen.

Während dem Warten umsorgten mich die Kollegen. Ein anderer Kollege hat meine Termine übernommen. Meine Sachen wurden zusammen gesucht. Wie es eben so kommt, ist der Rettungsdienst zunächst an die falsche Adresse gefahren, da wir nur eine Zweigstelle sind. Irgendwann kamen dann zwei liebe und gut bekannte Kollegen vom KTW zur Erstversorgung.

Der frisch gebackene Rettungsassistentenpraktikant und die FSJlerin haben mich gut versorgt. Auch sie waren wegen den Ausfallerscheinungen sehr besorgt um mich. Die Vitalwerte waren soweit in Ordnung, die Gefühlsstörungen etwas besser. Ich bekam noch Sauerstoff und wurde mit dem Tragestuhl zum KTW gebracht. Dort konnte ich mich hinlegen bis sehr bald der RTW aus dem Nachbarbereich eintraf.

Die mir unbekannten Kollegen bekamen eine Übergabe und brachten mich in de RTW. Dort wurde nochmal eine Anamnese gemacht, wobei die Besatzung nicht wusste, was sie für eine Lagemeldung geben sollte, es wurde einfach ein Kollaps draus gemacht und ging unter Kontrolle der Vitalwerte ohne weitere Maßnahmen ins Klinikum der Maximalversorgung.

Die Fahrt als Patientin auf der Trage war komisch. Auch an der Notaufnahme wurde ich bereits von Notaufnahmepersonal und Rettungsdienstkollegen begrüßt. Alle waren besorgt um mich.

Ich kam in ein Untersuchungszimmer und es wurde gleich alle gemacht: Puls, Blutdruck, Temperatur, 12-Kanal-EKG, Zugang mit Blutabnahme und Neurologe verständigt. Dieser ordnete zunächst eine Infusion mit Paracetamol an.

Danach musste ich warten und warten. Der Arzt brauchte länger. Doch das Pflegepersonal war sehr lieb und machte Druck. Ich war ja auch nicht ganz unbekannt. Kollegen des Rettungsdienstes schauten ebenfalls besorgt vorbei.

Der Neurologe erschien schließlich. Ich schilderte die Symptomen, wobei gerade jetzt die Taubheitsgefühle in den Fingern vorbei waren, nur die Kopfschmerzen waren noch da. Es konnten ansonsten keine neurologischen Defizite festgestellt werden. In Abstimmung mit dem Arzt wurde entschieden, dass zunächst auf ein CT wegen der Strahlenbelastung verzichtet und ein MRT sowie eine Sonografie gemacht werden sollte. Dafür musste ich aber stationär aufgenommen werden, aber alles sollte zeitnah laufen. Als Verdachtsdiagnose lief erst einmal Migräne mit Aura.

Also ging es ins Bett und damit auf die Station. Hier bekam ich noch eine Novalgin-Infusion und endlicv etwas zu Essen. Das Bett wurde zunächst in ein Zimmer eingeschoben, da alles voll war. Danach hies es warten. Meine Familie war bereits von den Arbeitskollegen informiert und hat mir noch das vergessene Handy gebracht.
Den ganzen Nachmittag verbrachte ich mit Warten, dazwischen liefen die Untersuchungen MRT und Sonografie.

Die Kopfschmerzen waren mittlerweile weg, die Ausfallerscheinungen schon länger vorbei. Ich war immer noch besorgt. Auch wurde ich noch einmal vom Chefarzt untersucht. Irgendwann waren auch die Ergebnisse soweit da, dass mir gesagt werden konnte, dass erst einmal nichts schlimmes ist, evtl. sollte noch eine Kleinigkeit abgeklärt werden.
Es könnte sich um Migräne mit Aura handeln, ansonsten lassen sich die Dinge nicht erklären. Auf jeden Fall wollte ich nicht über Nacht bleiben und so bin ich jetzt wiedef fit zuhause. Als stationärer Krankenhauspatient eigne ich mich nämlich nicht, ich bin einfach zu ungeduldig und möchte mich selbst versorgen, helfe wahrscheinlich eher noch anderen Patienten.

Jetzt bin ich endlich wieder zuhause, bin fit und hoffe morgen wieder ganz normal zu arbeiten.

An der Klinik habe ich übrigens noch den Spätschicht-RTW getroffen. Ein sehr lieber Kollege hat mich noch umarmt, ein bisschen geplaudert und mich auf ganz viel Ruhe verwiesen.

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5 Kommentare

  1. Dann höre auf den ganz lieben Kollegen und gönne dir mal etwas Ruhe. Am nächsten Morgen wieder auf der Arbeit aufzutauchen zählt allerdings nicht als ganz viel Ruhe 🙂 Gute Besserung bzw. auf dass es verschwunden bleibt!

    1. Danke! Ich arbeite tatsächlich heute wieder. Habe mir aber gestern Abend Ruhe gegönnt und werde dies am Wochenende sowie nächste Woche richtig fortsetzten.
      Anscheinend ist es aber familär bedingt und ein richtiger Grund nicht ersichtlich.
      Aber die Ruhe ist dennoch wohl angebracht!

  2. Migräne mit Aura?! Herzlich willkommen im Club. Nicht.
    Wetterumschwünge sind bei mir beliebte Auslöser, ob ruhig oder gestresst. Meine Aura beschränkt sich auf Sehstörungen, keine Missempfindungen etc. Diese Stunde kann ich nur aussitzen, selbst der Neurologe kannte kein Mittel gegen die Aura. Und bloss nicht Auto fahren damit. Das Ganze gehört (bei mir) wohl zu den beginnenden Alterszipperlein, erstmaliges Auftreten mit ca. 25. Ruhe ist jedoch nicht alles, du hast dich vielleicht schon (weiter) eingelesen. Da geht es um Nahrungsmittel, Lichtblitze etc. Ich für mich habe leider noch keine eindeutigen Auslöser identifizieren können (ausser Wetterumschwünge, die ich aber kaum vermeiden kann). Der Neurologe schlug BetaBlocker vor. Lehne ich bisher ab. Und das Gehirn wollte er mir auch nicht amputieren. :-/

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