Genervt von der Bürokratie


Manchmal nimmt die Arbeit im Rettungsdienst kein Ende. Man fährt die ganze Schicht durch. So kommen in der langen 12 Stunden Schicht auch schon einmal 12 Einsätze vor. Somit ist man fast durchgängig auf dem Fahrzeug unterwegs.

Als Fahrer ist man eben dann viel unterwegs, doch auch der Begleiter kann sich nicht ausruhen und muss nicht nur den Patieten versorgen. Insgesamt gibt es sehr viel Organisatorisches zu erledigen, allen voran der „Schreibkram“.

Wenn man so mal 6 Einsätze und mehr hintereinander durchfährt und von der Übergabe im Krankenhaus weggepiepst bzw. alarmiert wird, so wird ein sauberer und ordentlicher Abschluss der Bürokratie mit Einsatzprotokoll, Transportschein, Abrechnung für die Krankenkasse und Fahrtenbuch sowie weiteres teilweise nicht möglich.

So war es auch in einer Schicht mit einem jungen Rettungsassistenten und Ausbilder. Er lies mich begleiten und somit war ich auch für den organisatorischen Teil verantwortlich. Wir sind nach dem Mittagessen einen Einsatz nach dem anderen gefahren. Insgesamt alles bunt gemischt und oftmals mit Notarzt, meist ein anderer, da eben sehr viel los gewesen ist.

Irgendwann kommt man mit den ganzen organisatorischen Dingen nicht mehr hinterher.
Die Patienten merken davon zunächst erst einmal nichts.

Die Versorgung der Patienten ist gut, auch Angehörige werden einbezogen und die verschiedenen Notärzte zufrieden gestellt. Es kommen dabei sogar sehr gute Gespräche zusammen. Insgesamt macht mir die Schicht viel Spaß, da die Arbeit einfach gut läuft.

Nach einigen weiteren Einsätzen und somit auch dem Schichtende fehlen mir jedoch jetzt noch wichtige Sachen. Ich bin zwar dazu gekommen, die Transportscheine korrekt auszufüllen und auch das Fahrtenbuch ist immer auf dem aktuellen Stand. Die Abrechnungen für die Krankenkasse müssten auch passen. Doch kontrollieren konnte ich meine ganzen Unterlagen überhaupt nicht. Ich hoffe, dass mir jedoch nichts fehlt.

Als letzten Einsatz haben wir einen ausländischen Patienten gefahren, der keine Auslandsversicherung besitzt.  Somit muss ich viel Schreiben. Der Patient spricht nur Englisch und Polnisch. Es muss mit dem Krankenhaus abgeklärt werden, ob er so versorgt werden kann und ich muss Ausweis und Krankenkarte kopieren, dazu eine Kostenübernahmeerklärung unterschreiben lassen und dies auch noch alles in ordentlicher Form in unser Tablett für die Krankenkasse eingeben. Alles dauert recht lange.

Dazu kommt nun, dass uns die Leitstelle wohl nochmals alarmiert hat. Wir haben dies aber als Bestazung im Klinikum nicht mitbekommen und es wurde auch ein anderer RTW frei. Wir müssen denoch für diese fehlerhafte Alarmierung noch eine Fehlfahrt schreiben.

Mittlerweile ist es bereits weit nach Dienstschluss. Mein Kollege merkt auch langsam, dass ich nicht mehr hinterherkomme. Er unterstützt mich und macht unseren Rettungswagen wieder einsatzklar. Wir fahren zur Wache und er füllt dort auch noch alles auf.

Währenddessen verziehe ich mich an dem Schreibtisch und versuche erst einmal meinen Einsatz mit dem Ausländer fertig zu machen und die Daten auf den PC übertragen. Danach gebe ich noch die Fehlfahrt ein und schreibe dazu das sinnlose Protokoll, welches jedoch verlangt wird. Nun kann ich endlich meine ganzen Einsätze des Tages noch einmal am PC kontrollieren. Ich stelle erleichtert fest, dass alle Protokolle, Transportscheine und weitere Unterlagen stimmen und korrigiere kleinere Fehler am PC.

Mein Kollege ist am RTW auch mit allen fertig und schaut noch, ob er mir helfen kann. Leider bin ich einfach nur noch genervt, doch immerhin passt nach einer ganzen Überstunde nun auch die ganze Dokumentation. Der Rettungsassistent und ich schreiben nun für die Nachtschicht, welche auf einen anderen Fahrzeug unterwegs ist, noch eine Übergabenachricht und legen alle Dinge für sie bereit.

Danach ist endlich Feierabend und ich bin wirklich gestresst vom ganzen „Schreibkram“. Manchmal nimmt dies einfach überhand und man muss sich sehr darauf konzentrieren.

Bald gibt es bei uns ein neues Dokumentationssystem. Dieses wird die bisherigen Einsatzprotokolle und Daten für die Krankenkassenabrechnung zusammenführen und ich hoffe, dass es somit vielleicht wenigstens ein bisschen besser wird. Ich werde auf jeden Fall davon berichten.

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2 Kommentare

  1. Ich bin gerade sehr froh dass der ganze Papierkram in Österreich viel unkomplizierter ist… Wir haben pro Einsatz einen Zettel zum ausfüllen und das wars. Mitten in der Nacht ist mir manchmal aber auch der zu viel. 😀

  2. Wenn ich das so lese, bin ich froh, dass bei uns im Krankentransport bei weitem nicht so viel „Papierkrieg“ anfällt. Ist es bei euch tatsächlich so, dass ihr schon wieder alarmiert werden könnt, obwohl ihr euch noch nicht wieder einsatzbereit gemeldet habt?

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