Unkomplizierte Hilfe in der Notaufnahme


Normalerweise sucht man sich im Rettungsdienst die Patienten, sprich die Arbeit nicht selbst. Doch manchmal bekommt man eben zufällig von Menschen mit, die gerade dringend Hilfe benötigen.

So war es auch in einer Nachtschicht. Mein Kollege und ich waren auf dem RTW unterwegs, es war bereits weit nach Mitternacht. Wir standen an der Notaufnahme und hatten dort gerade einen Patienten an das Personal der Notaufnahme übergeben und nun unser Fahrzeug wieder einsatzklar gemacht. Mein Kollege stand noch draußen und rauchte, während ich bereits im RTW saß und noch das Fahrtenbuch schrieb.

Im Hintergrund hörte ich nun plötzlich Stimmen und Trubel. Auf einmal war auch mein Kollege nicht mehr beim Rauchen. Ich sah nur noch einen Privat-PKW wegfahren. Den erfahrenen Rettungsassistent sah ich noch im Augenwinkel mit einer älteren Dame Dame in die Notaufnahme gehen.

Ich ging nun neugierigerweise hinterher. Mein Kollege setzte die Dame auf eine Liege. Sie war sichtlich aufgeühlt und klagte über Brustschmerzen sowie Atembeschwerden. Auch sei bereits eine Herzerkrankung bekannt.

Das Pflegepersonal war in dieser Nacht einmal wieder sehr beschäftigt. Hier ein Betrunkener, dort ein Schockraumpatient, noch schnell ein Gips da und dann ein weiterer überwachungspflichtiger Patient, alles gleichzeitig. Und nun kam auch noch die ältere Dame mit ihren zunehmenden Herzbeschwerden.

Hier machte sich nun das gute Verhältnis zwischen Rettungsdienst und Notaufnahmepersonal bemerkbar.

Mein Kollege bat sich an, dass wir uns um die Patientin kümmern würden.

So ging es auch weiter: zunächst wurde ein Bett für die Dame geholt, die Patientin etwas beruhigt, ins Bett gelegt und in ein freies Zimmer mit Überwachungsmöglichkeit gebracht. Dort kümmerte ich mich um ein erstes Monitoring und eine kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter. Mein Kollege legte der Dame derweilen einen Zugang und nahm Blut für das Labor ab.

Auch um den aufgeregten Angehörigen kümmerten wir uns kurz und schickten ihn in den Wartebereich.

Somit war die Dame binnen wenigen Minuten erst einmal halbwegs versorgt. Danach kam eine Schwester dazu und konnte sich nun um alles weitere kümmern. Sie dankte uns und wir zogen wieder ab.

Diese unproblematische und patientenfreundliche Aufnahme und Erstversorgung kommt in diesem Krankenhaus durchaus einmal vor. Man hilft sich einfach gegenseitig. Natürlich sollte das keinen Normalzustand darstellen, doch es gibt einfach Situationen, in denen den Patienten und Pflegekräften etwas geholfen werden kann.

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3 Kommentare

  1. Und wie hat die Leitstelle auf eure Nichtverfügbarkeit reagiert? Denn im Prinzip habt ihr ja außerplanmäßig die Aufgaben der Notaufnahme wahrgenommen und seid für euren Einsatzbereich nicht mehr verfügbar.

    Das soll keine Kritik an euch sein – bei uns hätte es nur wahrscheinlich Fragen hinterher gegeben.
    Ein weiterer Aspekt: durch diese wahrscheinlich nicht angeordnete Hilfe werden ja auch Lücken in der personellen Besetzung kaschiert, gerade wenn diese Lage wie Du sie beschreibst, häufiger vorkommt.

  2. Wenn der Melder geht, dann muss die Arbeit liegen bleiben. Ich wurde schon oft ‚vom Krankenhaus‘ weg alarmiert.
    Dann muss eben die Krankenpflegerin weitermachen.

  3. Die Leitstelle wurde hier kurz über die längere Anwesenheit in der Notaufnahme informiert. Ist dem Disponenten aber recht egal, denn wenn eine Folgeeinsatz kommt, dann werden wir immer dort weg alarmiert.
    Leider gehen die Melder im Krankenhaus nicht immer zuverläsig, deshalb wird manchmal dann auch noch angerufen.
    Dann heißt es natürlich ausrücken und die Notaufnahme dem Pflegepersonal überlassen.
    Verfügbar sind wir für die Leitstelle also eigentlich schon sobald wir den Status 8 am Krankenhaus gedrückt haben.

    Natürlich ist die Personalplanung in dieser Notaufnahme sehr dünn, doch es wird nicht besser, denn die Krankenhäuser sparen wo sie können und das Personal muss hierunter oftmals leiden.
    Nur weil wir kurz einer Patientin helfen oder eben nicht, wird sich an diesem System leider nichts ändern.
    Ansonsten hätte sich die Dame eben alleine in die Notaufnahme schleppen müssen, dort an der Aufnahme das Problem schildern, danach Warten müssen und wäre vielleicht dort auch noch kollapiert.

    Solch eine unkomplizierte Hilfe geht aber wirklich nur, wenn man sich gegenseitig aufeinander verlassen kann und es hinterher nicht noch Diskussionen über Handlungsabläufe gibt.

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