Umgewöhnungsprobleme – die Fortsetzung


Zum ersten Beitrag zum Thema Umgewöhnung, muss ich noch etwas ergänzen.
Mir sind nämlich zwei weitere Sachen eingefallen, die ich dringend verbessern möchte bzw. muss.

Beim Betreten der Wohnung eines Patienten lasse ich meist den Kollegen noch gerne voraus gehen. Ich bin es eben in Notfallsituationen eher gewohnt, die Helferrolle zu übernehmen und mich erst einmal zurück zu halten. Hier gilt jedoch auf jeden Fall, vorn weg zu gehen und im ersten Moment sicher aufzutreten. Dies ist einfach für den weiteren Verlauf des Einsatzes enorm wichtig.
Aktuell versuche ich echt in jeder Situation mir dies bewusst zu machen.

Dazu wurde mir eine weiterer Einsatz klar, bei dem ich an der Führung gescheitert bin:

Ich war als Begleiterin auf dem KTW unterwegs, zusammen mit einer jungen Rettungssanitäterin. Wir mussten notfallmäßig auf den RTW umsteigen und sind zu einem recht unklaren Notfalleinsatz gefahren. Dort haben wir eine bewusstlose Patientin mit sehr schlechter Sättigung vorgefunden. Daraufhin wurde sofort der Notarzt nachalarmiert. Wir arbeiteten als Team sehr harmonisch zusammen, doch ich hatte zunächst immer die Führung, da ich eben als Begleiterin eingesetzt war.

Hier waren wir beide ohne Rettungsassistent unterwegs und eben auf uns alleine gestellt.

Es ging darum eine Fremdanamnese zu erheben und gleichzeitig die Patientin zu versorgen. Im Zweierteam versorgten wir die Patientin, stellten Vitalparameter fest, gaben hoch dosiert Sauerstoff. Auch schrieb ich ein EKG. Die Fremdanamnese wurde ebenfalls im Team gemacht, wobei ich hier mehr fragte.

Die Kollegin bereite eine Infusion vor, während ich noch das EKG analysierte. Danach reichte sie mir das Stauband und einen Zugang. In diesen Moment war ich kurz irritiert, doch mir wurde in Sekundenbruchteilen klar, dass ich die Verantwortung hatte und die Patientin natürlich jetzt einen Zugang brauchte.

So staute ich am Arm und suchte nach einer Vene. Dies stellte sich als fast aussichtslos dar, wobei ich es einmal probieren wollte. Leider traf ich am Handrücken keine Vene, wobei auch anderweitig keine sichtbar gewesen ist. Ich entschied mich also dazu, mit dem Zugang auf den Notarzt zu warten.

Dieser traf nach wenigen Minuten auch ein. Es kam einer unserer besten Notärzte, ein sehr netter Oberarzt der Anästhesie. Ich machte eine kurze Übergabe an ihn. Danach versuchte auch er einen Zugang zu legen. Dies war nicht einmal für ihn leicht und so brauchte er drei Versuche.

Nun war ich auch wieder in der Helferrolle, da der Notarzt die Führung übernommen hatte. Er entschied sich dazu die Patienten möglichst zügig in den RTW und die Klinik zu bringen. Dies war aufgrund der unklaren Bewusstlosigkeit und der schlechten Atmung mit katastrophaler Sauerstoffsättigung dringend notwendig. Der Notarzt wollte jedoch außer der Sauerstoffgabe zunächst keine weiteren Maßnahmen machen.

Auf dem Weg in den RTW hörte die alte Dame leider vollständig mit dem Atmen auf und wir stellten eine Aspiration fest. Mein erster Gedanke war: Reanimation im RTW. Die Patientin hatte jedoch noch einen Puls.

Es galt nun sehr zügig und strukturiert im Fahrzeug zu arbeiten. Der Notarzt wollte intubieren und absaugen. Auch musste das Equipment verstaut und das Monitoring wieder komplett gemacht werden. Hier kam es kurzfristig echt zum Chaos. Jeder von uns Helfern wollte die Intubation vorbereiten. Zudem brauchte der NA dringend Hilfe beim Absaugen. Normalerweise wäre es meine Aufgabe als Begleiterin gewesen, die Aufgaben klar zu verteilen. Ich tat dies jedoch in diesem Moment überhaupt nicht und stand irgendwie neben mir. Der NA merkte dies und ordnete an, dass ich mich um die Absaugung kümmern sollte. Dies tat ich auch. Die Kollegin bereitete die Intubation vor. Der Fahrer des NEF kümmerte sich um das Monitoring, stellte das Beatmungsgerät auf Weisung des Notarztes ein und assistierte ebenfalls.
Erst nach der erfolgreichen Intubation konnte ich wieder etwas strukturierter Denken. Ich erinnerte mich noch an den bisher vergessenen Filter und weitere Kleinigkeiten.

Zum Glück stabilisierte sich die Patientin nun etwas. Der Transport sollte nun mit Sondersignal in die nahe gelegene Klinik stattfinden. Der Notarzt fuhr natürlich hinten im RTW mit und beobachtete die Frau engmaschig. Auch wollte er noch ein Medikament aufgezogen haben. Es verlief nun wieder alles in geordneten Bahnen.

Im Schockraum konnten wir die Patientin schließlich an das Klinikteam übergeben.

Danach gab es noch eine kurze Nachbesprechung des Einsatzes. Eigentlich lief es bis zum Transport in den RTW ganz gut. Doch niemand wusste, was unsere Patientin wirklich für eine Erkrankung hatte. Zudem war im RTW eben die Rollenverteilung nicht geklärt.

Auf jeden Fall wird mir dieser Einsatz in Erinnerung bleiben und eine Lehre sein. Das nächste Mal hoffe ich, das ich die Führungsrolle besser ausfüllen kann.

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Ein Kommentar

  1. Nobody is perfect, oder wie war daß? 😉

    Man muss sich eben zwischendurch immer mal sammeln und im Kopf alles durchgehen, dann klappt es bestimmt, mehr Struktur in die „Führungsarbeit“ zu bringen.
    Und das Reflektieren von eher misslungenen Einsätzen trägt auch positiv dazu bei
    Gruß

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