So macht Arbeiten auf dem RTW Spaß – Teil 4


Es ging wieder zurück Richtung Wache. Bereits auf dem Weg sprach uns die Leitstelle an. Es sollte gleich zum nächsten Einsatz gehen. Und welch Wunder, es war wieder ein Notarzteinsatz, heute also bereits der fünfte. Dieses Mal wurde uns eine Analgesie als Notarztindikation gemeldet. Ein Patient sollte starke Rückenschmerzen haben. Es ging einmal quer durch die Stadt in ein ländliches Wohngebiet. Mein Kollege Jonas und ich mussten das Haus etwas suchen, bevor wir bereits einen Herren winken sahen.

Wir folgten also mit Notfallkoffer und EKG-Einheit dem Einweiser. Dieser brachte uns über eine enge Treppe hinauf ins erste Obergeschoss zum Patienten. Es war ein junger Mann, der im Wohnzimmer auf dem Boden lag. Ich übernahm wieder die Führung im Einsatz, Jonas unterhielt sich eher mit den weiteren anwesenden Personen. Der Patient gab an, dass er auf einmal starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich hatte und sich daraufhin auf dem Boden gelegt hatte. Er war nicht gestürzt, hatte keine Vorerkrankungen und war eigentlich ein Hobby-Fußballer. Ich untersuchte seinen Rücken, doch aktuell waren die Schmerzen beim Liegen mit angezogenen Beinen eigentlich nicht vorhanden und eine Verletzung war nicht ersichtlich. Der junge Mann hatte jedoch viel Angst, die Beine auszustrecken oder sich weiter zu bewegen. Die gemessenen Vitalwerte waren unauffällig. Die Rückenprobleme hatte er jedoch bereits seit einiger Zeit und war auch schon damit in ärztlicher Behandlung.

Nun traf der Notarzt mit seiner Fahrerin und der Praktikantin ein. Jonas und ich machten eine Übergabe. Der Notarzt fragte den Patienten nun noch einmal genauer und untersuchte ausführlich. So konnten nun auch die Beine angehoben und ausgestreckt werden. Allerdings sollte bzw. konnte unser Patient nicht schmerzfrei aufstehen und so stellte sich die Frage, wie wir ihn zum RTW bringen sollten. Die Treppe erwies sich hier als Problem. Der Notarzt und das gesamte Team einigte sich auf die Möglichkeit mit Vakuummatratze und leichtes hinunter rutschen bzw. ziehen über die Treppe. Somit wurde nun alles vorbereitet und der Patient mit viel Überredungskunft davon überzeugt, dass dies am besten für ihn sei. Der ca. 25-jährige Mann wurde nun schonend in die Vakuummatratze gebettet und diese abgesaugt. Weitere Maßnahmen wollte der Notarzt erst im RTW machen.

Es ging nun mit dem gesamten 5-köpfigen Rettungsteam und dem gut verpackten Patienten in der Vakuummatratze die enge Treppe hinunter. Ich war hierbei am Fußende und hatte sozusagen die Steuerung. Das Hinunter Rutschen bzw. Ziehen funktionierte einwandfrei bis auf den sehr ängstlichen Patienten. Diesen konnten wir jedoch soweit beruhigen. Unten angekommen wurde er mit der Vakuummatratze auf die Trage gelagert und damit ging es in den RTW. Dort legte der Notarzt noch einen Zugang (ich hatte spekuliert, dass ich vielleicht dürfte, doch leider war dies nicht der Fall, die Venen waren jedenfalls super). Der Patient bekam gegen die Schmerzen Novalgin und Tramal sowie auch etwas gegen Übelkeit. Danach ging es in die Klinik. Der Notarzt begleitete vorne auf dem Beifahrersitz und die neue RA-Praktikantin und ich betreuten hinten den Patienten. Dies machte der Notarzt absichtlich, da der Patient recht schwierig war und er meinte, dass ich dies besser lösen könne als er. Somit redete ich eben die ganze Fahrt beruhigend auf den jungen Herren ein.

An der Klinik befreiten wir unseren Patienten von der Vakuummatratze, diese war ja nur zum Transport da gewesen und übergaben ihn an das Klinikpersonal zur weiteren Behandlung. ich machte noch meinen Papier-Kram. Nach einer kurzen Unterhaltung mit dem Notarzt über den Einsatz und die Empfindlichkeit des Patienten ging es zurück zur Wache.

Mittlerweile war es schon Abend und mein Bauch meldete sich. Ich hatte auch Zeit etwas zu essen. Daneben füllten Jonas und ich den RTW wieder auf. Auch für eine Unterhaltung mit den Kollegen blieb nun Zeit.

Ungefähr eine Stunde vor Schichtende sollten wir noch einmal alarmiert werden. Und welch Wunder ging es dieses mal als Notfalleinsatz, also ohne Notarzt zu einem Kindernotfall, gemeldet waren Bauchschmerzen. Auf der Anfahrt machten Jonas und ich uns einige Gedanken. Bei einem Kind im Kindergartenalter ist es wichtig, dass man sehr einfühlsam ist. An Erkrankungen fiel mir gerade alles und auch wieder nichts spezielles ein. Jonas machte mich darauf aufmerksam, dass ihn sofort die Blinddarmentzündung einfallen würde.

Nach einigem Suchen waren wir jetzt am richtigen Wohnblock angekommen, hatten jedoch die falsche Zufahrt für unseren RTW gewählt. nach Klingeln wurde uns von der Mutter aufgemacht. Diese erwartete uns im Flur und brachte uns ins Wohnzimmer zu der kleinen Patientin. Das 5-jährige Mädchen lag auf dem Sofa und hatte leichte Schmerzen. Diese waren wohl schon viel stärker gewesen, daher habe sich die Mutter nicht mehr zu helfen gewusst und uns gerufen. Ich kümmere mich nun vorrangig um die Patientin. Diese ist wenig schüchtern und recht aufgeschlossen mir gegenüber. Ich darf auch ihren Bauch untersuchen und sie erzählt mir, dass sie ganz schlimme Schmerzen gehabt hätte, jetzt ist es wieder besser. Aber bereits gestern hatte sie Bauchschmerzen. Ich habe den Bauch abtasten und untersuchen, doch es war alles recht unauffällig, leicht durckschmerzhaft im Unterbauch, doch nicht spezifisch. Auch Fieber hat das Mädchen keines. Mein Kollege befragte währenddessen die Mutter. Das Mädchen hatte wohl bereits tags zuvor Bauchschmerzen, die am Morgen wieder weg gewesen sind.

Wir klären die Mutter darüber auf, dass es am besten wäre, einfach einmal mit ins Krankenhaus zur weiteren Untersuchung mit zu kommen. Diesem Vorhaben stimmen Mutter und Tochter auch zu. Mein Kollege parkt kurz den RTW um und die Mutter nimmt noch ein paar Sachen mit, während ich mich weiter um die kleine Patientin kümmere. Sie ist eine ganz liebe Maus.

Danach geht es warm angezogen zu uns in den RTW. Dort schnallen wir die kleine auf der Trage gut an und sie bekommt noch einen Tröster-Bären als Kuscheltier. ich messe auch noch Sauerstoffsättigung und Puls, nur zur Kontrolle. Die Mutter fährt hinten im RTW mit und ich begleite wieder hinten. Auf der Fahrt schreibe ich mein Notfallprotokoll und versuche auch sonst schon ein bisschen Dokumentation zu erledigen. Jonas lässt über die Leitstelle abklären, ob wir direkt auf die Kinderstation sollen. Die Fahrt ins Krankenhaus verläuft ohne Probleme (nur viel zu kurz, um mein Protokoll zu schreiben).

An der Klinik angekommen geht es nun zunächst in die Notaufnahme. Dort schaut der diensthabende Chirurg auf den Bauch. Gleichzeitig lässt mein Kollege das Mädchen organisatorisch aufnehmen. Der Chirurg entscheidet sich dafür, dass er den Bauch als „nicht chirurgisch“ erklärt und uns weiter auf die Kinderstation schickt. Dort übergeben wir die Patientin der Kinderärztin und verabschieden uns. Ich mache noch die restliche Dokumentation und dann gehts zum letzten Mal zurück auf die Wache.

Dort warten bereits die Kollegen der Nachtschicht auf uns. Wir erledigen noch letzte Dinge wie RTW auffüllen und Einsätze im PC einlesen. Danach folgt eine kurze Übergabe mit der Nachtschicht. Doch bereits schnell werden wir wieder unterbrochen, denn es wartet auf die Kollegen bereits der erste Einsatz.

Jonas bewertet mich noch kurz und lobt mich für diesen Tag. Für einen meiner ersten Schichten als Begleiterin war dies echt kein schlechter Tag und die Schicht hat viel Spaß gemacht, da das Arbeiten bis auf den ersten Einsatz sehr gut ging und das Team einfach gepasst hat. Ich freue mich bereits auf die nächste Schicht mit Jonas, da er einfach ein super Praxis-Anleiter ist!

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