So macht Arbeiten auf dem RTW Spaß – Teil 2


Nach unserem ersten Einsatz des Tages im Altenheim mit der gastrointestinalen Blutung konnte der Tag eigentlich nur besser werden. Ich war mit meiner Leistung einfach nicht zufrieden.

Jonas, mein Rettungsassistent, ermutigte mich jedoch weiterzumachen. Immerhin hatte ich heute einen netten „Lehrmeister“ auf dem RTW, war ein kurzer Gedanke von mir.

Doch lange konnte ich eh nicht mehr zweifeln. Denn auf der Rückfahrt zur Wache wurden wir bereits wieder von der Leitstelle über Funk angesprochen. Es sollte gleich zum nächsten Einsatz gehen. Gemeldet war diesmal eine bewusstlose Person in einem Treppenhaus, also wieder ein Notarzteinsatz. Dieser würde jedoch einige Zeit benötigen, da gerade keiner frei war.

Mit Sondersignal ging es wieder durch die Stadt. Auf der Anfahrt gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf, doch alle waren sehr schnell wieder verschwunden.

Am Einsatzort angekommen, wartete bereits ein Nachbar unten auf uns. Mit all unseren Equipment, also EKG, Beatmung, Notfallkoffer und Absaugung, ging es nun ins zweite Obergeschoss. Dort lag auf dem Absatz zwischen Wohnung und Treppenhaus eine ältere Dame. Ich habe sie angesprochen und gerüttelt, sie zeigte keine Reaktion. Auch auf Schmerzreiz reagierte die ausländische Frau nicht. Sie war bewusstlos. Ich kontrollierte die Atmung, diese war ausreichend und erschien normal zu sein, auch der Puls ist am Handgelenk gut tastbar und unauffällig. Jonas versucht nun mithilfe des EKG den Blutdruck zu messen, was zunächst nicht möglich ist. er macht ein vollständiges Monitoring. Die Werte sind zunächst recht unauffällig, bis auf den nicht messbaren Blutdruck.

Währenddessen mache ich einen schnellen Bodycheck, welcher keine Verletzungen ergibt. Der anwesende Sohn kann uns leider keinerlei Fremdanamnese geben, er weiß über seine Mutter wenig, nur dass sie eben bewusstlos geworden ist und danach auf dem Boden gesunken sei.

Nun messe ich zunächst den Blutzucker mithilfe eines Sticks am Finger, da die Dame recht schlechte Venen hat. Der Wert liegt im Normalbereich. Danach versucht Jonas einen venösen Zugang zu legen. Dies gelingt ihm nach einiger Zeit auch. Währenddessen habe ich eine Infusion vorbereitet. Auch geben wir der Dame Sauerstoff über eine Maske.

Wir arbeiten Hand in Hand und es läuft echt alles ruhig und sortiert ab. Nun kann auch endlich ein Blutdruckwert ermittelt werden. Dieser liegt laut unserer EKG/Defi-Einheit bei 240/130 mmHG, also viel zu hoch. Wir messen noch einmal auf der anderen Armseite nach, doch der Wert ist genauso hoch. Die hypertensive Krise könnte auch die Bewusstlosigkeit erklären, es kann aber auch viele andere Gründe geben.

Wir versuchen immer wieder die Patientin zu wecken. Nach einigen Minuten reagiert Sie langsam auf Ansprache, kann sich jedoch zunächst nicht äußern. Eine Pupillenkontrolle ist unauffällig. Aufgrund der Bewusstseinslagge und den Sprachproblemen können wir auch eine neurologische Auffälligkeit zunächst nicht ausschließen.

Die Patientin wird nun zunehmend wacher und antwortet auch sehr zögerlich auf Fragen. Schmerzen hat sie wohl keine, ihr sei nur schwindelig geworden. Nun trifft auch der Notarzt ein. Wir machen eine kurze Übergabe und danach entschließt sich der Notarzt der Patientin zur Blutdrucksenkung Urapidil zu spritzen.

Danach wird die ca. 65-jährige Dame auf das Tragetuch umgelagert und nach unten zu unserer Trage gebracht. Es geht in den RTW. Dort wird nochmals der Blutdruck gemessen. Dieser ist immer noch sehr hoch. Der Notarzt ordnet eine weitere Gabe von Urapidil an. Ich ziehe das Medikament auf und spritze es der Dame. Ihr geht es etwas besser, sie ist nun auch wieder voll orientiert und spricht mit uns. Sie hatte sich wohl aufgeregt, danach ist ihr schwindelig geworden und Bluthochdruck ist bei ihr bekannt, zudem hat sie ihre Medikamente anscheinend heute vergessen zu nehmen.

Unter ständiger Blutdruckkontrolle und Überwachung geht es nun ins Klinikum. Der Notarzt begleitet zusammen mit mir hinten im RTW, während Jonas wieder fährt. Der Transport ins Krankenhaus verläuft nun ohne weitere Komplikationen, die Blutdruckwerte liegen nun weit unter 200 systolisch und die Patientin fühlt sich besser.

In der Notaufnahme lagern wir die ältere Dame ins Bett um und übergeben sie an das Pflegepersonal und die diensthabende Internistin. Auch die Dokumentation des Einsatzes übernehme ich.

Dabei passiert noch eine lustige Geschichte mit dem Notarzt. Ich finde nämlich keinen unterschriebenen Transportschein im RTW, obwohl ich mir sicher war, dass er einen unterschrieben hatte. Somit rufe ich ihn von der Notaufnahme aus an und er kommt noch einmal zu uns. Hier wundert auch er sich, denn er war sich sicher, dass er einen unterschrieben haben müsste. Somit lachen wir herzhaft über unser beider Empfinden, dass ein unterschriebener Transportschein vorhanden sein müsste. Doch wir irrten hier eben beide. Nach der Unterschrift des Notarztes war dieser Einsatz somit auch erledigt.

Doch noch nicht ganz, denn ich besprach den Einsatz kurz mit Jonas nach. Er meinte, dass ich eine gute Arbeit gemacht hätte. Ich selbst finde zwar noch kleinere Dinge, die man verbessern könnte, doch dafür bin ich ja Praktikantin, um zu lernen. Der Einsatz ist auf jeden Fall ordentlich abgelaufen und wir haben als Team alle super zusammen gearbeitet. Wir machen uns auch noch ein paar Gedanken, was wäre, wenn die Dame reanitmationspflichtig gewesen wäre oder Unterzucker oder Schalganfall oder … Ich finde es super, wenn man nach einen Einsatz etwas diskutiert und sich Gedanken macht. Dies läuft mit Jonas, meinen heutigen Rettungsassistenten echt super und das obwohl wir noch nie zusammen gefahren sind.

Nun gehts zurück zur Wache. Dort gönne ich mir einen schnellen Kaffe, bevor es wieder weiter gehen sollte.

-Fortsetzung folgt –

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3 Kommentare

  1. Was mich nach dem Lesen interessiert: ermittelt ihr den Blutdruck immer nur mit der oszollometrischen Messung des EKG? Der Wert 240/230 mmHg hätte mich ehrlich gesagt aufgrund der geringen Differenz etwas an der Authentizität der Messung zweifeln lassen.
    Bei uns kommt die Messung mittels EKG kaum zum Einsatz, daher wundere ich mich so. 😉

    1. Also bei uns wird seit wir die Möglichkeit der oszillometrischen Messung haben, in aller Regel damit auch gemessen. Das Gerät ist recht genau und gerade in lauter Umgebung oder bei vielen Maßmahmen ein Vorteil. Wenn dies natürlich nicht funtioniert, dann wird manuell/ auskulatorisch gemessen. Ich war bei dem geschilderten Einsatz auch fast soweit den Blutdruck ohne Gerät zu messen, doch dann hat es ja noch funktioniert. Wobei der Blutdruck in dieser Situation zunächst in den Hintergrund gerückt ist, da der Puls regelmäßig und gut tastbar am Handgelenk war.
      Der Wert 240/230 war ein Schreibfehler, sollte 240/130 mmHG lauten, habe dies ausgebessert ;-).

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