Auf der Suche oder alles Schlüssel


In letzter Zeit sind Schlüssel bei mir ein heikles Thema. Sowohl im Privaten als auch im Rettungsdienst sind diese nämlich auf einmal Mangelware und dies gerade in nicht immer leichten Situationen.

Vor ein paar Monaten habe ich mich aus meiner Wohnung am Arbeitsort ausgesperrt. Ich war dabei zum Lernen an einem See und habe mich danach noch mit einem Freund getroffen. Danach war auf einmal mein Schlüsselbund mit Wohnungs- und Arbeitsschlüsel weg. Ich wusste auch nicht, ob ich ihn verloren hatte oder er noch in der Wohnung lag. Kurz vor Mitternacht kam leichte Panik auf. Das Problem konnte zunächst mit einem Ersatzschlüssel gelöst werden, der bei meinen Eltern deponiert ist. Doch um den zu bekommen, musste ich und meine Eltern jeweils ca. 45 Minuten fahren, um uns auf einen Parkplatz zur Übergabe zu treffen (kam mir vor wie ein Dealer 😉 ). Weit nach Mitternacht war ich damals schließlich dann endlich in der Wohnung und mein Schlüssel lag auf der Anrichte, wo ich ihn immer hinlege.

Seit diesem Ereignis achte ich sehr penibel auf meine Schlüssel und suche sie ständig, damit ich wirklich nie einen irgendwo liegen lasse. Man muss dazu sagen, dass ich die verschiedenen Schlüssel bereits auf mehrere Schlüsselbunden verteilt habe, denn so vermindert sich das Risiko und man muss nicht immer alles mitschleppen.

In meinen Hauptberuf trage ich den Schlüssel sehr oft bei mir, wenn ich das Zimmer verlasse, da man ohne den Chip nicht überall hinein kommt und sich ansonsten selbst aussperren könnte. In der Leitstelle haben wir Karten, die wir immer am Mann bzw. der Frau tragen sollten, ansonsten kommt man ebenfalls fast nirgends rein.

Im Rettungsdienst gibt es natürlich auch Schlüssel und diese sind echt wichtig. Jeder hat seinen persönlichen Schlüsselbund mit den grundlegenden Schlüssel wie den für die normalen Türen zur Wache bzw. der Garage, dazu kommt noch der Spintschlüssel und bei manchen noch Sonderschlüssel für bestimmte Bereiche wie Lager oder Büro. Dazu gibt es einen Schlüsselbund mit Kette für die beiden Rettungswagenbesatzungen. An diesem sind sehr wichtige Schlüssel befestigt, die eigentlich immer der Begleiter bei sich trägt. Hier hängt zum einen der Schlüssel für die Betäubungsmittelkassette im RTW dran. Dieser Schlüssel ist mit viel Verantwortung verbunden, da beim den BtM (bei uns Morphin und Fentanyl) strenge Gesetze eingehalten werden müssen und der Verantwortliche bei Fehlen große Schwierigkeiten bekommen könnte. Des weiteren sind daran verschiedene Schlüssel für die Auffüllschränke sowie Medikamentenschrank und der Schlüssel für den Hausnotrufkasten (darin sind einige tausend Hausnotrufschlüssel) befestigt. Dazu kommt für den Fahrer der Schlüssel des Fahrzeugs. Dieser bleibt jedoch beim Abstellen in der Garage im Zündschloss des Fahrzeugs stecken.

Einen Schlüssel auf der Rettungswache hatte ich noch nie vermisst, da ich eben immer alles am Körper trage und höchstens mal den Fahrzeugschlüssel in den verschiedenen Hosen- bzw. Jackentaschen suche.

Doch dafür habe ich vor kurzem mittlerweile bereits zwei Sucherlebnisse mit Kollegen gehabt.

Ich war in der Nachtschicht mit einem netten Rettungsassistenten unterwegs und er ließ mich begleiten. Somit war er der Fahrer und hatte den Schlüssel für den RTW bei sich. Wir versorgten den Patienten. Im RTW wollte mir der Rettungssassistent schließlich den Schlüssel zum Fahren übergeben, da wir uns entschieden, dass ich zur Klinik fahre und er aufgrund des instabilen Patienten hinten beim Notarzt bleibt. Er suchte nun den Schlüssel in den Hosentaschen, doch da war nichts. Dann meinte er, dass ich den Schlüssel bereits erhalten habe, dies konnte ich jedoch verneinen.

Nun ging die große Sucherei los, alle außer dem Notarzt und selbst dieser suchten den Fahrzeugschlüssel. Ein Angehöriger und ich gingen in die Wohnung und versuchten dort unser Glück. Doch zu finden war echt nichts, der gesamte Bereich wurde abgesucht, natürlich sehr schnell, denn es sollte ja in die Klinik gehen. Draußen suchte der Notarztfahrer den Bereich um den RTW ab, doch auch hier war nichts zu finden. Der Rettungsassistent durchsuchte alles an sich und vor allem noch einmal seine Taschen. Hier war ebenfalls nichts zu finden. Die Aufregung stieg, denn es ist eben echt peinlich, wenn man wegen solch einem Missgeschick nun ein weiteres Fahrzeug bestellen müsse, zudem für unseren Patienten äußerst ungünstig.

Der Rettungsassistent kam nun auf die Idee auch den Notfallkoffer noch einmal zu durchsuchen. Und welch Wunder, der Schlüssel fand sich in einer Ecke des Koffers neben einer Infusion. Er hatte ihn anstatt mir zu überreichen, einfach beim Zusammenräumen in der Wohnung in den Notfallkoffer geworfen.

Naja kann ja mal passieren. Alle waren sehr erleichtert, dass der RTW-Schlüssel nun endlich wieder da war. Insgesamt hat die Aktion vielleicht 5 Minuten gedauert, gefühlt jedoch fast Stunden. Aber eines muss man dazu sagen, der Patient hatte keinerlei Nachteil, denn wir mussten noch auf eine Zusage der Aufnahmeklinik warten und dies hat auch gedauert, denn dort war zunächst niemand erreichbar.

Kurze Zeit später bin ich wieder auf dem RTW unterwegs. Dieses mal sind wir eigentlich eine Besatzung eines KTW und nun auf den RTW umgestiegen. Ich bin zusammen mit einem langjährigen hauptamtlichen Rettungssanitäter auf dem Fahrzeug, auch dieses mal sollte ich begleiten. Das Wechseln vom KTW auf den RTW muss sehr schnell gehen. Leider vergesse ich dabei den „Umsteiger-Schlüssel für den RTW“ zu holen. Somit habe ich keinen Schlüssel, welchen die RTW-Besatzung sonst bei sich trägt, wir sind also ohne Schlüssel für Medikamentenschrank (dieser ist im RTW jedoch nicht versperrt) und ohne Schlüssel für die Betäubungsmittelbox (dies ist aber auch egal, denn wir fahren mit einem Ersatz-RTW, der keine BtM auf dem Fahrzeug hat). Somit ist es zwar ärgerlich für mich, dass ich den Schlüssel vergessen habe mitzunehmen, doch für das weitere Vorgehen vollkommen irrelevant. Trotzdem ärgere ich mich über meine Zerstreutheit und werde das nächste mal besser aufpassen.

Doch nach dem ersten Einsatz, der eine Anaphylaxie als Notarzteinsatz gewesen ist, sollte uns die Leitstelle bereits wieder alarmieren. Ich melde mich kurz über Telefon an der Klinik, dass wir noch nicht einsatzklar sind, da wir noch schnell den Koffer wieder auffüllen müssen, denn wir hatten einiges an Material verbraucht. Die Leitstelle drängt natürlich auf schnelles Ausrücken. Doch als wir soweit fertig sind, findet mein Kollege den Fahrzeugschlüssel nicht mehr. Er sucht zunächst in seinen Kleidungstaschen, doch darin findet er anscheinend nichts. Danach suchen wir weiter, dieses mal sofort im RTW und auch im Notfallkoffer, den er gerade aufgefüllt hat (man wird ja schlauer). Doch darin findet sich nichts. Ich suche schnell in der Notaufnahme, doch dort findet sich kein Schlüssel. Als ich zum RTW zurückkomme, schreit der Rettungssanitäter bereits, dass er den Fahrzeugschlüssel gefunden hat. Er hatte diesen doch in seiner Hosentasche, doch aufgrund weiterer Utensilien war er ganz nach unten gerutscht und nicht mehr bemerkt worden. Ich bin echt erleichtert, denn ich war schon wieder sehr nervös. Nun kann es endlich zum Folgeeinsatz gehen, der sich übrigens sehr schnell als totale Fehlfahrt herausstellt, ein RTW hatte ein zweite Besatzung angefordert, doch der Patient verweigerte sofort jegliche Maßnahmen.

Nach diesen Schlüssel-Aktionen reicht es mir damit nun echt und ich wünsche mir keine Aufregung wegen irgendwelcher vermisster oder vergessener Schlüssel mehr. Aber immerhin bin ich jetzt Weltmeister im Suchen von Schlüsseln und kenne viele Verstecke. 😉

 

 

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2 Kommentare

  1. Da hilft nur eines: Festbinden, alles festbinden. Mach ich bei meinem Schlüsselbund auch immer und auch der Autoschlüssel wird immer sofort angebunden. Zum einen vergesse ich so nichts, zum anderen gibt es in Unistadt pro Wohnung nur einen Schlüssel, damit man die nicht überbelegt – da wird dann immer alles doppelt überprüft, denn der Hausmeister ist sinnigerweise nur von 8 bis 12 da

    1. Ja festbinden ist echt eine gute Sache. Habe meinen Schlüsselbund immer an einer Gürtelschalufe festgemacht. Der Schlüsselbund mit den wichtigen Schlüssel pro RTW ist sowieso an einer Kette und muss festgemacht werden.
      Bei den Fahrzeugschlüsseln finde ich es immer etwas schwierig, doch auch hier gebe es die Möglichkeit mit Karabiner.
      Naja aber man lernt ja aus seinen Fehlern und ich war ja nicht wirklich diejenige, die die Schlüssel verlegt hat.
      Außer eben den Wohnungsschlüssel, da lag der ganze Schlüsselbund auf der Ablage in der Wohnung 😉

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