Die Rettungsassistentenprüfung Teil II praktisch (1)


Nach ein paar Tagen ohne Prüfung stand nach der schriftlichen Prüfung und einigen unruhigen Nächten nun endlich die praktische Prüfung an.  Ich war echt nervös, als ich mich am frühen Morgen auf die Autofahrt machte.

In der Schule warteten bereits meine beiden Teamkollegen, sodass wir uns als Team anmelden konnten. Vorschriftsgemäß hatten wir alle unsere Dienstkleidung an und registrierten uns jetzt in der Verwaltung. Dort zogen wir drei alle unsere Fälle, sodass jeder dreimal sein eigenes Glück bemühen musste. Die Karten sollten wir später kurz vor der jeweiligen Prüfung zu sehen bekommen.

Nun hieß es noch einmal warten auf die erste der insgesamt neun !!! Prüfungssituationen an diesem harten Tag. Jeder von uns drei Teammitgliedern hatte drei praktische Prüfungsteile zu absolvieren. Zum einen das Fallbeispiel mit einem ganz normalen Einsatz, zudem das Assistenz-Fallbeispiel, in dem es um die Assistenz des Notarztes sowie viel um Teamführung und Kommunikation geht und natürlich eine Reanimation.

Den genauen Ablauf unseres Tages regelte ein sehr gut ausgetüftelter Plan, bei dem alle Räume und Uhrzeiten mit den jeweiligen Teamchef verzeichnet waren. Unser Tag sollte insgesamt neun Stunden dauern, wobei es zwischen den einzelnen Prüfungsteilen kürzere oder auch mal längere Pausen gab.

Nervös waren wir natürlich alle an diesem Tag, doch als Team hielten wir zusammen. Beruhigten uns gegenseitig. Dazu kam ganz viel Motivation und fachliche Unterstützung. Unser Motto hieß dabei: „Gemeinsam rocken wir die Prüfung!“ Dieser Spruch begleitete uns den gesamten Tag.

Unsere erste Prüfung sollte ein Fallbeispiel sein. Ich war dabei als Helfer eingeteilt. Wir fanden uns vor dem Prüfungsraum ein, checkten dort unsere Ausrüstung und bekamen die Einsatzmeldung mitgeteilt: Neurologisches Defizit eines älteren Herren im häuslichen Bereich. Danach konnten wir uns noch kurz beraten und gingen noch einmal die Untersuchung und Versorgung beim Schlaganfall durch. Nun sollte es los gehen: mein Kollege als Teamchef und wir zwei Helfer betraten den Prüfungsraum. Es lief alles nach dem ABCDE-Schema ab, wobei das Hauptaugenmerk eindeutig auf D lag, es war ein eindeutiges neurologisches Defizit vorhanden. Unser Teamleiter arbeitete alles super ab und bereits nach 9 Minuten wurde das Fallbeispiel unterbrochen. Der Teamchef musste nun das Einsatzprotokoll schreiben, eine Übergabe an den eintreffenden Notarzt machen  und ein paar Fachfragen zum dem Notfall beantworten. Währenddessen machten wir zwei Helfer die Ausrüstung für das nächste Team wieder fertig.

Danach konnten wir die erste der neun Teile als geschafft verbuchen. Wir wunderten uns über die eigentlich einfache Lage und die sehr schnelle Versorgung, doch wir hatten alles notwendige gemacht, einzig über den i.v.-Zugang lässt sich streiten, denn der Kollege wollte hierzu auf den Notarzt warten. Die erste Nervosität war nun vorbei, es sollte so weitergehen.

Nun war ich als Teamchefin dran. Dieses mal bei dem Assistenzszenario, also der Unterstützung des Notarztes mit viel Wert auf Kommunikation und Führung. Vor diesem Teil hatte ich seltsamerweise echt viel „Angst“ viel Respekt, da die Übung nicht so gut gelaufen war und ich bei Nervosität oft nicht mehr viel mit dem Team rede, sondern die Dinge mit mir selbst ausmache.

Vor der Türe wartend kam nun der Prüfer zu uns und gab mir die Einsatzmeldung: schwerer Verkehrsunfall mit Motorradfahrer, Polytrauma. Na super mein erster Gedanke war: die Meldung klingt nicht einfach, doch es war nun klar, dass es wahrscheinlich auf eine Intubation und Narkose als Assistenz herauslaufen würde. Was den Rest betrifft war ich ziemlich ratlos. Mein Team ermunterte mich nochmals und danach ging es hinein in den Prüfungsraum.

Die beiden Prüfer waren sehr locker und entspannt. Sie begrüßten uns und fragten mich, ob ich mich physisch und psychisch in der Lage fühle die Prüfung anzutreten. Natürlich kam ein JA, sonst würde ich nicht in diesem Raum stehen. Danach erläuterte uns der eine Prüfer, dass es zu einem Motorradunfall gekommen war, der Notarzt bereits vor Ort ist und einen Stifneck angelegt habe. Den Rest würde ich direkt beim Notarzt erfahren, der von einem der beiden Prüfer gespielt wurde.

Nun ging es also los: ich stellte noch die obligatorischen Fragen wegen Sicherheit der Einsatzstelle, Teamausrüstung mit Schutzkleidung, Unfallhergang sowie Anzahl der verletzten Personen. Danach stellte ich mich beim Notarzt vor und bekam von diesem eine kurze Übergabe. Es sollte sich um einen schwer verletzten Motorradfahrer mit Thoraxtrauma sowie Unterschenkelfrakturen handeln. Die Atmung ist nicht ausreichend und er hat bereits einen Stifneck sowie Zugang angelegt.

Nun übernehme ich die Führung meines Teams: Zunächst will der Notarzt assistiert beatmen, sodass ich ihm den Beatmungsbeutel in die Hand drücke. Danach soll ein Helfer sich um das komplette Monitoring kümmern sowie einen zweiten Zugang legen. Der zweite Helfer wird damit beschäftigt sein, die gewollte Intubation für den Notarzt herzurichten. Ich selbst kontrolliere immer wieder und versuche möglichst viel zu kommunizieren. Dabei will der Notarzt nun wissen, was ich für die Narkose vorschlage. Hier muss ich erst etwas überlegen, doch schließlich bekomme ich alle möglichen Kombinationen an Medikamenten hin. Auch die Dosierung fällt mir noch ein. Somit entscheide ich mich auch, die Medikamente selbst aufzuziehen, da meine Helfer selbst noch beschäftigt sind.

Wie es so sein soll, läuft natürlich nicht alles gut. Die Beatmung durch den Notarzt geht schwer, sodass ich als Hilfe einen Guedeltubus anbiete und einlege. Dazu kommt etwas unvorhergesehenes, es findet sich kein Führungsstab zur Intubation. Dieser wird nun von allen !!! Personen im Raum heftig gesucht. Der Notarzt vergisst dabei seine Beatmung (wir weisen darauf hin und er meint, wir sollten dies ignorieren), der andere Prüfer sucht im Mülleimer und im gesamten Raum. Ich selbst bin gerade etwas hilflos. Irgendwann findet sich der Führungsstab in einer Ecke unter dem Tisch und das Szenario kann endlich weitergehen. Die Narkose wird eingeleitet und auch die Intubation gelingt.

Am Ende muss ich noch die weiteren Versorgungsschritte mitteilen. Hier geht es nach ITLS-Traumaversorgung, also ab aufs Spineboard und load and go in die nächste geeignete Klinik.

Damit ist das Szenario beendet. Es stehen jetzt noch die fachlichen Fragen an. Dazu folgt zunächst ein Feedback wie es mir ging. Naja war schon ok, außer dem vielen Reden. Dann kamen Fragen zur Narkose. Besonders zu den Muskelrelaxanzien und ihrer Wirkung wurde ich ausgequetscht. Die meisten Fragen konnte ich beantworten.

So verlasse ich erleichtert den Raum und bekomme noch als kurze Rückmeldung der Prüfer, dass es gepasst hat und sie lächeln mich an. Somit ist mir klar, dass der erste Teil für mich gut gelaufen ist, worin mich auch mein Team bestätigt.

Ohne große Pause ging es nun zur dritten Prüfung, einem Reanimationsfall. Hier war nun der dritte im Team, der erfahrenste von uns, als Teamchef an der Reihe. Wir checkten wieder die Ausrüstung und bekamen die Meldung: leblose Person im häuslichen Umfeld.

Danach ging es nach dem üblichen Einstieg bereits los mit dem Fallbeispiel. Der Patient war von Anfang an reanimationspflichtig. Dies stellte unser Teamchef nach Überprüfung von Bewusstsein, Puls und Atmung fest, sodass ich danach gleich mit dem Drücken anfing. Der Defi war sehr schnell einsatzbereit und es wurde eine pulslose elektrische Aktivität festgestellt, sodass kein Schock abgegeben wurde. Ich drueckte also weiter auf der Puppe, dabei war ich leicht irritiert, weil diese seltsam quietschte. Nach einer Verlagerung des Druckpunktes wurde es aber besser. Gleichzeitig versuchte ich nicht zu schnell zu werden, denn dies passiert mir manchmal bei der Herzdruckmassage. Der Kollege legte einen Zugang und gab auf Anordnung des Teamleiters Supra. Dazu wurde der Atemweg mittels Larynxmaske gesichert. Nach zwei Minuten war wieder eine Analyse und dieses mal war ein Kammerflimmern zu sehen, sodass der Chef einen Schock abgab. Alles lief nach dem Wechsel weiterhin super. Der Teamchef ging nun die reversibeln Ursachen eines Kreislaufstillstands mit den 4Hs und HITS durch. Alles deutete hierbei auf einen Herzinfarkt hin. Es wurden noch zwei weitere Wechsel jeweils mit Analyse und Schock gemacht, bevor unser Patient wieder einen Eigenrhythmus mit Puls hatte. Danach folgte die Post-Reanimatinsphase (rosc). Hier wurde der Patient nach ABCDE-SCHEMA beurteilt, ein 12-Kanal-EKG (wir sahen einen ST-Strecken-Hebungsinfarkt) geschrieben und eine erste Kühlung eingeleitet.

Hier war nun der Reanimationsfall für uns beendet. Wir Helfer räumten wieder alles zusammen, während dessen wurde unser Teamchef noch einige Fragen zur Reanimation gestellt. Hier ging es hauptsächlich um reversible Ursachen und die Kühlung des Patienten.

Danach war jeder von unserem Team einmal als geprüfter Teamchef an der Reihe und wir waren bereits ganz schön ins Schwitzen gekommen. Doch insgesamt war bisher nur ein Drittel des Prüfungstages vorbei.

So ging es für mich gleich weiter mit der nächsten Rolle des Teamchef bei dem Einsatzszenario. Doch da dieser Artikel schon soo lange ist, gibts jetzt erst einmal eine kurze Verschnaufpause für euch Leser 😉

 

 

 

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7 Kommentare

  1. Mit einer Vorgabe gehen die mündlichen/praktischen Prüfungen eigentlich. Bei uns kommt leider sehr oft die Frage „erzählen Sie mal was Ihnen dazu einfällt“ und damit kann man nur verlieren.
    Das mit dem Führungsstab ist ein klarer Fall von shit happens, aber trotzdem ist das in der eigenen Prüfung gelinde gesagt beschissen. Der einzige Vorteil ist, dass es meistens Pluspunkte gibt, wenn man dabei nicht den Kopf verliert, aber auf die möchte ich zumindest dann lieber verzichten

    1. Die Ausbildung musste komplett selbst finanziert werden, also über 2000 EUR Schulgebühren, dazu die Lehrücher und vorallem die Fahrtkosten (will man gar nicht nachrechnen).
      Insgesamt echt ein teueres Jahr. Doch dies geht allen angehenden Rettungsassistenten so.
      Es gibt zwar Fördermöglichkeiten, doch für viele kommen diese nicht in Frage.

      Habe mit Familie und Freunden vor kurzen einmal nachgerechnet. Es ist schon echt viel Geld, wenn man die Ausbildung bedenkt, dass ich nur ehrenamtlich Rettungsdienst fahre.

      Viele Grüße
      Blaulichtengel

      1. Das glaube ich.

        Werde den RS machen um danach aber als Aushilfe im RD zu arbeiten.
        Das Geld kommt dann zwar wieder rein, aber zum RS von 2000 € kommt auch noch der LKW Führerschein von 2500-3000 € dazu

      2. Hallo Willi,
        wenn ich kurz einhaken darf: Brauchst du denn den CE Führerschein? Dieser Preis würde eher zum ganz großen LKW Schein mit Anhänger passen. Den C1, mit dem man jeden RTW fahren kann, bekommt man – wenn man so wenig Fahrstunden wie möglich nur braucht – schon für unter 1000€! 😉

  2. Hi
    Ja also da ich auch noch in der FW bin würde es für mich sinn machen den C (Anhänger brauch ich ja so oder so nicht) zu machen.
    Aber ist es wirklich so dass der C1 sogar billiger als der B ist? Da bist du ja auch mal schnell mit 1800-2000€ dabei.
    Wenn ich ihn dann selbst bezahlen muss und der Preisunterschied von C1 und C so groß ist dann mach ich wirklich den C1.

    Gruß Willi

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