Tag: 16. Juli 2014

Mimen und Selbsterfahrung


„Die besten Mimen bzw. Notfalldarsteller sind auch die besten Rettungsassistenten bzw. -Sanitäter, denn diese haben verstanden worauf es beim Notfall ankommt!“

Dieser Spruch kam vor kurzem während meiner Rettungsassistenausbildung bei der Auswahl eines Mimen zu einem Fallbeispiel.

Zunächst mussten wir alle über den Satz schmunzeln, doch in ihm steckt sehr viel Wahrheit.

Um wirklich gut einen Patienten zu spielen, muss man mehr als nur etwas schauspielern. Man sollte sich in die Situation des Patienten hineinversetzen können und die Hintergründe der Erkrankung oder Verletzung kennen.

So ist es klar, dass jemand der gerade einen Herzinfarkt erleidet, nicht wirklich gut drauf ist und sich freuen kann. Vielmehr wird er Angst haben und vielleicht auch auf den Rettungsdienst nicht gerade optimistisch zugehen.  Ein junges Mädel wird anders reagieren als ein alter Mann, der schon viel in seinen Leben durchgemacht hat (z.B. Schmerzempfinden). Diese Empfindungen könnte man sehr viel weiter treiben.

Dazu kommt das Hineindenken in Werte und Vitalparameter. Als Mime kann man sich diese selbst ausdenken, denn man weiß, wie Blutdruck und Puls oder Atemfrequenz ungefähr bei den verschiedenen Notfallbildern aussehen.

Genauso geht es mit Maßnahmen des Rettungsdienstpersonals und die Reaktion darauf. Ein Mime muss sich in den Patienten hineinversetzen und wissen, was ihm jetzt gut tun würde oder ob der Rettungsdienst gerade die Situation verschlimmert. So ist es bei der akuten Atemnot nun einmal schlecht, wenn sich der Patient hinlegen soll. Dies würde der Mime ebenfalls nicht tolerieren oder es wird ihm schlechter gehen.

Das gleiche ist mit der Applikation von Medikamenten. Eine Mime muss darauf reagieren können sich der fiktiven Gabe anpassen. Dies ist oftmals gar nicht so einfach, denn man muss nicht nur die Namen der Medikamente kennen, nein auch die Dosis und den Wirkeintritt sollte man beachten.

So merkt man, dass ein guter Mime wahrscheinlich auch als Rettungsdienstmitarbeiter ein“Guter“ sein wird. denn er denkt an seinen echten Patienten und kann die Situation einschätzen bzw. sich in die Lage hineinversetzen. (mehr …)