„Die Trauma-Woche“ auf dem Weg zur Rettungsassistentin – Teil 3


Am Freitag Morgen sollte es mit den Fachvorträgen nach ITLS weitergehen. Abwechselnd hielten zwei Instruktoren die einzelnen  Kurzvorträge, die sich jeweils an den Kapiteln des ITLS-Traumabuches orientieren.

Es ging dabei zum einen um die einzelnen Traumata wie Schädel-Hirn-Trauma, Bauchtrauma oder Wirbelsäulentrauma. Hier wurde zunächst kurz die Anatomie  und Physiologie wiederholt, danach auf die Pathophysiologie mit den Verletzungsformen eingegangen und am Ende stand der wichtigste Punkt: die Versorgung mit allem, was man beachten muss.

Zum anderen sind wir auf spezielle Patientengruppen und Notfälle eingegangen: angefangen von der Schwangeren über Kinder bis hin zu alten Menschen. Des Weiteren ging es um Randthemen, die mit der Traumaversorgung zusammen hängen wie Reanimiation oder Verbrennung. Hier hörten wir vieles bekannte aus der allgemeinen Versorgung, doch wir gingen eben auch immer auf die Besonderheiten ein. Teilweise wurde dies immer sehr aktiv im Gespräch erarbeitet.

Insgesamt hatten wir nach den zwei Vormittagen mit den Vorträgen über ITLS das komplette Lehrbuch noch einmal durchgegangen. Besonders für alle, die das sehr umfangreiche Buch nicht komplett gelesen haben, war dies ein großer Vorteil. Was die Theorie der Traumaversorgung anging, waren nun alle mehr oder weniger sehr fit.

 

Nachmittags sollten dann die Vorträge praxisnah umgesetzt und geübt werden.

So ging es zunächst an die Patienteneinschätzung. Hier übten wir ganz langsam zunächst einen Fall komplett durch, um ein Gefühl für den Algorithmus zu bekommen und Fragen bzw. Probleme zu klären. Hauptaugenmerk wurde natürlich hier auf die Einschätzung des Patienten und die richtigen Entscheidungen gelegt. Es ging einfach darum einen roten Faden reinzubringen und die Dinge zu behandeln, die den Patienten als ersten Töten würden.

So langsam merkten wir, dass der Algorithmus kein Hexenwerk ist, aber man eben einfach üben muss, um richtig rein zu kommen. Jeder von uns bekam hier auch die Möglichkeit zu mindestens einmal an einem Fallbeispiel mitzuwirken.

Danach ging es weiter mit den Skill-Stationen, wo wir einzelne Fähigkeiten üben sollten. An den verschiedenen Stationen ging es um dabei zum einen um venöse und intraossäre Zugänge.

Dies hatten wir zwar während der Ausbildung bereits schon einmal geübt, doch es machte auch Spaß noch ein wenig zu üben. Das Bohren in den Knochen mit der speziellen Bohrmaschine ist schon ein komisches Gefühl, doch am Kunstknochen macht man sich eh noch wenig Gedanken, es tut ja niemanden weg. Auch beim Legen von venösen Zugängen waren wir noch fleißig am Üben. Jeder hat schon einige bis sehr viele Zugänge in der Praxis gelegt, doch dies ist eine Fertigkeit, die man nie genug üben kann. Doch am Übungsarm herrscht immer ein gewisse Künstlichkeit (ich mag die Haut nicht).

An einer weiteren Station ging es um die Thoraxentlastungspunktion. Dies hatten wir alle noch nie gemacht und so war es echt eine neue Erfahrung.  Hier stand ein sehr guter Trainer zur Verfügung, bei dem man auch Atembewegungen simulieren konnte. Zunächst wurde der richtige Punkt gesucht und danach galt es einfach tief zustechen, denn mit zu viel Gefühl schaffte man es nicht durch die Strukturen zu kommen. Danach konnte man aber auch sehr gut erkennen, dass die Luft aus der Hohlnadel heraus entweicht und der Druck im Thorax nachlässt.

Bei der weiteren Station ging es komplett um das Thema Atemwegsmanagement. Hier fingen wir in Dreierteams unter Anleitung zunächst mit einfachen Maßnahmen an und steigerten uns bis zu den invasiven Dingen. Zu Beginn musste unser Phantom mit Beutel und Maske beatmet werden. Dann gab es Probleme, es wurde Guedel- und Wendeltubus eingeführt und weiter beatmet. Auch der doppelte C-Griff mit zwei Helfern bei der Beatmung wurde noch einmal geübt. Schließlich ging es zur Atemwegssicherung mittels Larynxtubus über. Am Ende sollten wir auch noch endotracheal intubieren, was an diesem Modell gar nicht so einfach ist, da der Kopf sich nur begrenzt gut bewegen lässt und die Zähne immer irgendwie im Weg sind. So wurden unserer Intubationsversuche eher blind durchgeführt. Zum Abschluss der Station kam das besondere: die Notkoniotomie. An einem speziellen Trainer übte jeder Teilnehmer einmal die richtige Schnitte zu setzen und einen Tubus so in der Luftröhre zu bringen, dass der Patient wieder Luft bekommt. Das Endergebnis bekam auch jeder Teilnehmer mit nach Hause (ein Plastikteil mit den richtigen Schnitten).

Damit war dieser Tag nun mit den Skillstationen auch beendet und wir freuten uns auf den langen Tag zum Vertiefen und Üben am Samstag.

 

 

Am Samstag sollte der komplett praktische Übungstag stattfinden.

So ging es am morgen in den eingeteilten Kleingruppen zu je 9 Personen los. Wir sollten bei insgesamt vier verschiedenen Instruktoren üben, sodass man jedes Thema der Traumaversorgung einmal selbst übt.

Meine Gruppe startete bei einem uns bekannten Dozenten. Hier ging es darum erst einmal richtig in den streng vorgegebenen Algorithmus hinein zu finden. Als Fallbeispiele wurde ein Sturz aus großen Höhe, ein Fahrradunfall und ein Motorradunfall angenommen. Also alles Notfälle, die eine Rückenverletzung sowie weitere Traumen haben können.

Auch ich startete hierbei einmal als Mimin und einmal als Teamleiter oder wie es bei ITLS heißt Einsatzleiter. Meine beiden Helfer halfen mir so gut es ging, doch manchmal ist man sich im Algorithmus einfach noch unsicher. Bei mir war es so, dass der Patient saß und ich zu lange mit dem Hinlegen gewartet habe.

Doch aus Fehlern lernt man und auch beim Zuschauen der Fallbeispiele nimmt man immer mehr Wissen mit und es kommt Routine rein.

So geht es in der nächsten Station um die Rettung aus einem PKW. Wir üben allerdings nur in einem Raum mit einem Fahrersitz und ein paar weiteren Utensilien, die das Auto darstellen sollen. Es soll nicht um die technische Rettung gehen, sondern um eine gute Traumaversorgung im und später außerhalb des Fahrzeugs. Hier ist besonders die schnelle erste Untersuchung wichtig, welche uns immer wieder eingetrichtert wird.   Auch eine schnelle Crashrettung oder Notrettung aus einer Gefahrensituation übten wir.

An der dritten Station sind die Notfälle bunt gemischt, doch jedes mal, sind die Patienten nicht mehr ansprechbar. Somit muss man mehr auf äußere Zeichen achten, um keine Verletzung zu übersehen. Es geht wieder um einen Sturz aus großer Höhe, einen Fahrradsturz sowie eine Schlägerei mit Messerstichverletzung.

Bei dieser Station merken alle in meiner Gruppe, dass wir mittlerweile gut im Team arbeiten und es mehr darum geht, dass man keine Verletzung übersieht oder wichtige Dinge in der Behandlung falsch macht.

So diskutieren wir immer wieder über Blutdruckwerte und wichtige Sofortmaßnahmen. Aber die wichtigen Schritte wie Ersteinschätzung des Patienten und die kritischen Punkte werden eigentlich bei jedem Fallbeispiel erkannt.

Bei der letzten Station des Tages sollte es schließlich für uns um isolierte Traumata gehen. Hier kamen dann so alltägliche Dinge wie Unterarmfraktur oder Wirbelsäulentraum nach Sturz dran. Mann muss aber echt aufpassen, dass man auch hier nicht in die Ganzkörperversorgung hineinrutscht und somit nicht in die richtige Richtung beim Algorithmus nach ITLS kommt. So kommt bei einer einzigen Verletzung und keinen Ganzkörpereregnis der lokalen Untersuchung und Behandlung einen großen Wert zu, genauso wie der schnelle Transport hier nicht im Vordergrund steht.

Nach einem langen Übungstag sollten wir nun also fit für die letzten Trainingsdurchläufe samt Prüfung am Sonntag sein.

 

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2 Kommentare

  1. Hab mal eine Frage:
    Invasive Maßnahmen wie Thoraxpunktion (Ist damit Thoraxdrainage gemeint?), Notfallkoniotomie oder endotracheale Intubation darf ein RA doch aber gar nicht eigenverantwortlich machen oder?
    Das ist doch das wo sich jetzt beim NS gsetritten wird was der davon machen darf

    Gruß Willi

    1. Die Frage mit der Durchführung von invasiven Maßnahmen ist heiß diskutiert.
      Der ITLS Advanced Kurs richtet sich ja an Rettungsassistenten und Notärzte. Prinzipiell wird hier davon ausgegangen, dass invasive Maßnahmen ergriffen werden dürfen.
      Der RA darf dies im Rahmen der Notkompetenz schon, wenn alle anderen milderen Maßnahmen ausgeschöpft sind, ist eben immer eine Grenzwanderung, was man macht oder nicht.
      Bei der Thoraxpunktion ist eine Entlastungspunktion mithilfe einer speziellen Kanüle oder eines grolumigen i.v. Zugangs.
      Leider gibt es in Deutschland zu bestimmten Maßnahmen keine eindeutige Lösung und jeder Rettungsdienstbereich setzt unterschiedliche Maßstäbe.
      Ich hoffe, ich habe die Frage halbwegs beantwortten können. Dies wird auch bei meiner Ausbildung immer wieder sehr lange diskutiert, doch es gibt eben keine Musterlösung, leider.

      Viele Grüße
      Blaulichtengel

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