Dieses Mal: betriebliche Ersthelferin


Nachdem ich euch bereits hier über meine Erste-Hilfe leistung bei einem Verkehrsunfall erzählt habe, wurde ich bereits wieder zur Ersthelferin.

In meiner neuen Arbeitsstäte gibt es wie vorgeschrieben betriebliche Ersthelfer und im Notfall auch einen automatischen Defibrillator. Bereits in meinen ersten Tagen dort wurde bekannt, dass ich mich im Rettungsdienst engagiere und somit etwas mehr Erfahrung mit Notfällen habe wie üblich.  In die offizielle Ersthelferlsite bin ich noch nicht eingetragen worden, doch dies ist ebenfalls beabsichtigt. Wie es eben so ist, hat sich dies auch quer durch die Abteilungen geprochen und jeder weiß nun, die Neue kann man bei einem Notfall rufen.

Ich habe mich zusammen mit einer Arbeitskollegin im Zimmer heute noch über dieses Thema unterhalten und keine Stunde später geht aufgeregt die Türe auf und ich soll doch schnell mal mitkommen, es sei ein Notfall passiert. Sie wollten mich holen, da ich mehr Ahnung hätte und ich solle über den weiteren Verlauf entscheiden.

Nicht weit entfernt gehen wir in das Großraumbüro zu einer sehr netten Kollegin. Diese sitzt recht unentspannt auf ihren Schreibtischstuhl an ihren Arbeitsplatz. Sie wirkt angespannt und nervös. Die Kollegen erzählen mir, dass sie bereits seit heute morgen Herzbeschwerden angibt.

Ich spreche die Kollegin, nennen wir sie Anke, zunächst an und frage sie selbst, was denn genau los ist. Sie erzählt mir von Herzstolpern seit ca. 2 Stunden sowie Schmerzen in der rechten Schulter bzw. im Arm. Bereits vor einer Woche wäre so eine ähnliche Situation gewesen, die jedoch nach wenigen Minuten wieder verschwand und von der niemand wusste.

Natürlich laufen bei mir jetzt verschiedene Gedanken ab, vielleicht ein Herzinfarkt oder eine Angina Pectoris oder etwas ganz anderes, doch erst mal weiter sehen und nicht vorschnell beurteilen.

Ich fühle den Puls und merke, dass dieser sehr schnell ist. Zum Auszählen fehlt mir die Ruhe, aber er liegt deutlich über 100, ich schätze schnell auf ca. 160 Schläge in der Minute. Gleichzeitig ist er gut zu fühlen und regelmäßig. Dies deutet also auf eine Tachykardie hin.

Somit ist auch die Entscheidung gefallen, dass wir unbedingt den Rettungsdienst rufen sollten. Ein weiterer Kollege kümmert sich über die Pforte um den Notruf. Ich hoffe, dass dies funktioniert (habe immer etwas schlechte Erfahrungen mit Notrufen über viele Ecken hinweg).

Gleichzeitig versuche ich der Patientin klar zu machen, dass dies nun erforderlich ist, denn mal schnell zum Hausarzt oder so, geht gerade eben nicht. (Sie möchte eigentlich nicht so viel Aufriss erzeugen, doch nun ist es eben notwendig.) Auch frage ich jetzt nach der Vorgeschichte, es sind jedoch keinerlei Vorerkrankungen bekannt, genauso wenig wie Medikamente genommen werden. Der Schmerz ist am Arbeitsplatz aufgetreten und es war eigentlich sonst auch alles wie immer. Damit habe ich versucht mich durch das SAMPLER-Schema zu kämpfen und mehr herauszubekommen.

Mit einer weiteren Kollegin bringen wir Anke nun in den Aufenthaltsraum, denn dort ist mehr Ruhe. Leider steht uns heute der Ruhe- bzw. Erste-Hilfe-Raum nicht zur Verfügung, da dieser anderweitig belegt ist.

Der Kollege, der sich um den Notruf gekümmert hat, bringt mir zunächst wenigstens ein Blutdruckmessgerät und danach kümmert er sich um das Einweisen der Rettungskräfte.

Leider misst das automatische Oberarmblutdruckmessgerät keine Werte. Der Puls ist zu schnell für das Gerät. Doch dies ist jetzt auch nicht das Wichtigste. Ich versuche Anke noch etwas zu beruhigen, sie trinkt noch einen Schluck Wasser. Auch erkläre ich ihr, dass diese Situation abgeklärt werden muss, was sie noch nicht ganz so versteht.

Bereits nach wenigen Minuten trifft die Notärztin sowie das Team des Rettungswagens ein. Insgesamt sind jetzt 5 professionelle Helfer vor Ort. es wird ein EKG geklebt, Puls sowie Sauerstoffsättigung gemessen und recht schnell ein venöser Zugang gelegt.

Ich bin jetzt fürs Halten der Infusion zuständig. Die ebenfalls anwesende andere Kollegen meint noch, dass ich ja eh eine Fachkraft wäre, also oute ich mich als Rettungssanitäterin (mich kennt dort vom Rettungsdienst niemand, da ich in einer anderen Stadt aktiv bin).

Der Puls ist bei Werten zwischen 180 und knapp 200, also wirklich viel zu schnell. Das EKG zeigt einen Sinusrhythmus, eben mit der Tachykardie. Die Kollegin bekommt Medikamente, Beloc und Diazepam, um den Puls herunter zu bekommen.  

Nun wird Anke etwas schwummrig, was den Medikamenten ja ganz normal ist. Die notärztin erklärt ihr noch, dass sie zur Abklärung auf jeden Fall mit ins Krankenhaus muss. währenddessen holt die RTW-Besatzung bereits die Trage und unsere Kollegin kann sich mit Unterstützung dort hinlegen.  Sie wird noch zugedeckt und angeschnallt, danach über den Aufzug zum RTW gebracht.

Damit war mein Eisnatz als betriebliche Ersthelferin auch schon beendet. Viel aktiv getan habe ich aufgrund fehlenden Materials nicht wirklich, doch ich denke, die Entscheidung einen Notruf abzusetzen war schon bei den Kollegen eine Hemmschwelle und die psychische Betreuung durch Beruhigen ist auch ein wichtiger Bestandteil der Ersten Hilfe.

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3 Kommentare

    1. Ich denke echt, dass die größte Angst besteht, dass man etwas falsch macht und dies fängt eben bereits beim Absetzen eines Notrufes an, was jedoch total unbegründet ist!
      Sobald die Helfer Verantwortung an jemanden höher Qualifiziertes abgeben, ist die Lanze gebrochen und das Helfen funktioniert.

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