Verdacht Fraktur als Notfall für den KTW


In letzter Zeit bin ich relativ wenig auf dem KTW als Begleiterin unterwegs gewesen. Dies sollte sich aber nun wieder ändern. An einem Samstag bin ich zusammen mit einer jungen Kollegin, die ebenfalls ehrenamtlich fährt, auf dem Krankenwagen als Begleiterin eingesetzt. Die Aufgaben zwischen uns sind klar, denn sie ist bisher nur Rettungsdiensthelferin und darf somit nicht begleiten. Wir verstehen uns beide super und haben an diesem Tag ganze 12 Stunden Dienst.

Bisher sind wir bereits einige Entlassungen und Einweisungen gefahren. Nachmittags kommen wir zum ersten mal seit Dienstbeginn am Morgen auf die Wache. Dort machen wir es uns mit einem Kaffee auf dem Sofa bequem. Wir sind die einzigen auf der Wache, doch darüber wundern wir uns am Samstag nicht. Bereits nach wenigen Minuten klingelt das Leitstellentelefon. Der Disponent fragt nach, ob wir auf einen Rettungswagen umsteigen könnten. Dies ist leider nicht der Fall, denn meiner Kolelgin fehlt dazu noch der passende Führerschein.

Wir sollen also mit dem KTW zu einem Sportunfall in einem Fußballstadion fahren, erst einmal zur Erstversorgung bzw. evtl auch zum Transport, falls wir alleine zurecht kommen würden. Am Fahrzeug angekommen lesen wir die Einsatzmeldung und übernehmen den Notfalleinsatz, der als mögliche Fraktur gemeldet ist.

Mit Sondersignal geht es einmal quer durch die Stadt. Meine Kollegin ist hierbei noch etwas unsicher, doch besser ein bisschen vorsichtiger fahren als einen Unfall bauen. Nach einigen Minuten kommen wir am Haupeingang des Stadions an und fragen bei der Einlasskontrolle, wo wir genau hin sollen. Es geht direkt zum Spielerzugang.

Dort ist bereits der Sanitätsdienst vor Ort. Ein Ordner liegt auf einer Trage in der Nähe einer Treppe und kühlt seinen Fuß mithilfe eines Icepacks. Die anwesenden Kollegen übergeben uns den Notfallpatienten. Der Ordner ist auf der Treppe umgeknickt und habe nun einen dicken Fuß. Alle gemessenen Werte sind in Ordnung. Weitere Verletzungen außer dem Beim hat er nicht.

Ich stelle mich beim Patienten vor und versuche ihn zunächst nach Unfallhergang und ganz wichtig den Schmerzen zu fragen. Auch eine kurze Untersuchung des verletetzen Sprunggelenks wird gemacht. Der Außenknöchel ist stark geschwollen und druckempfindlich. Jedoch sind ansonsten keine Anzeichen für eine Fraktur gegeben. Durchblutung, Motorik und Sensibilität sind ebenfalls vorhanden. Das Gelenk erscheint auch noch stabil zu sein.

Auf Nachfrage, ob die Schmerzen auszuhalten sind, bejaht dies der Patient, welcher ca. 50 Jahre alt ist. Daraufhin rufe ich bei der Leitstelle an und gebe eine Rückmeldung, wobei ich den von einer anderen Stadt anfahrenden RTW abbestelle, denn wir kommen hier auch mit dem KTW alleine zurecht.

Meine Kollegin und ich schienen das verletzte Bein bzw. Sprunggelenk mithilfe einer Samsplint. Dies ist bei unseren schlechten Straßenverhältnissen besonders sinnvoll, denn sonst bekommt der Patient noch mehr Stöße auf das betroffene Gelenk. Des weiteren wird die geschwollene Stelle weiterhin gekühlt.

Der Patient wird zusammen mit den anwesenden Sanitätsdienst auf unsere Fahrtrage umgelagert und in den Krankenwagen gebracht. Dabei treffen wir auch auf die Fußballspieler, welche ihn alles gute wünschen.

Nun geht es mit dem KTW zur Klinik in die Notaufnahme. Dort übergeben wir unseren Patienten mit der Verdachtsdiagnose Sprunggelenksdistorsion an den diensthabenden Chirurgen und verabschieden uns.

Der Patient hat uns übrigens noch gesagt, dass er sich sehr gut durch uns betreut und versorgt gefühlt habe. Dies freut uns als KTW-Besatzung natürlich sehr. Für einen solchen Notfall ist ein Krankenwagen auch ausreichend und gleichzeitig kann ich wiederum die Führungsrolle bei einem „Notfall“ übernehmen.

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5 Kommentare

  1. Hallo Blaulichtengel,
    Ich habe schon länger still deine Berichte verfolgt. Sehr interessant, was du schreibst.
    Eine Frage habe ich, sind bei euch die Aufgaben so strikt nach Qualifikation aufgeteilt? Also, dass Rettungssanitäter ausschließlich fahren (auf dem RTW)? Wenn ein erfahrener RS (z.B. Du) auf dem Auto sitzt, kann man es ihm/ihr doch auch zutrauen zu begleiten bzw. sich vielleicht abwechseln, damit man etwas Abwechslung hineinbringen kann. Verstehst du was ich meine?
    Verweise auf den Beitrag „in der Regel..“ von unserem Bloggerkollegen Wenn der Melder geht
    Liebe Grüße und viel Spaß weiterhin beim Retten, Arbeiten, schreiben und Lernen!

    1. Hallöchen, erst einmal Dankeschön fürs Kompliment!
      ich freue mich immer über Kommentare und Diskussionen.
      Also wie soll ich anfangen. Laut Gesetz müsste immer der RA begleiten, da er eben höher qualifiziert ist. Bei erfahrenen RS, worunter ich mich nicht zählen würde, mag dies oft anders laufen. Bei uns in der Region läuft es meist nach der Ordnung ab, aber es gibt eben auch Ausnahmen. Damit darf eben auch ich als Rettungssanitäterin (als erfahren würde ich mich abr nicht wirklich sehen) mal begleiten bzw. es wird sich abgewechselt. Dies ist aber von Kollege zu Kollege unterschiedlich.
      Seitdem ich die Rettungsassistentenausbildung mache, gele ich aber teilweise schon als RA-Praktikant, da mir auch die Stunden angerechnet werden und somit begleite ich jetzt auch öfters 😉

      Liebe Grüße zurück!

      1. Hallo 😉
        Gerne!
        Ja, laut Gesetz ist es natürlich so, dass nur RA bzw RS (KTW) begleiten.
        Aber wie du ja jetzt geschrieben hast, kommt es immer drauf an, wer auf dem Auto sitzt.
        Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Erfahrungen lernen für den RA =)

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