Das Leben zu schätzen wissen


Vor gut einem Jahr ist in meinen Studienjahr etwas geschehen, dass wir alle nicht vergessen werden. Eine Kommilitonin, ich nenne sie hier nur Anna, hatte einen sehr schlimme Erkrankung, eine Hirnblutung. Auf meinen Blog habe ich bereits hier darüber berichtet: Nachdenkliches

Mittlerweile ist eine ganze Weile vergangen und viel passiert. Zunächst einmal wurde bei meiner Mitstudientin eine Gehirnblutung beim CT festegstellt. Daraufhin ist sie in eine Spezialklinik verlegt und notoperiert worden.

Es ging Anna sehr schlecht. Ihre Eltern reisten an und wohnten für einige Tage bei uns auf dem Campus. Immer wieder habe ich mitbekommen, wie sehr sie sich Sorgen machten und fast zusammengebrochen sind. Zusammen mit den besten Freundinnen, waren sie diejenigen, die jeden Tag bei der Patientin am Bett saßen. Am Anfang war echt alles ungewiss. Keiner der Spezailisten wagte zu sagen, wie es weitergehen würde und was für Folgen die Blutung hinterlassen hatte.

Nach einigen Wochen konnte sie auf dem künstlichen Koma geholt werden. Zunächst einmal in einen sehr schwachen Zustand. Dies war bereits ein Erfolg, denn zwischenzeitlich war eine Lebensgefahr nicht auszuschließen. Leider war eine Verständigung nur sehr schwer möglich. Sie konnte zunächst nicht sprechen oder schreiben, da besonders das Sprachzentrum sowie die rechte Körperhälfte betroffen waren.

Doch unsere Kommilitonin ist eine Kämpferin, eine Frohnatur, die nie aufgibt. So auch in dieser Situation. Anna kämpfte und wollte unbedingt wieder fit werden. In der ersten Zeit folgte eine Frühreha in der gleichen Spezialklinik. Sie konnte sich nun über Zettel und weitere einfache Dinge veständigen. Danach folgten natürlich noch weitere Maßnahmen, wobei sie viele Wochen in Kliniken verbrachte, um nur die einfachsten Sachen wieder zu erlernen. Immer begleitet von den Eltern, die echt sehr viel für ihre Tochter taten.

Leider haben ihre besten Freundinnen nicht wirklich viel über ihren Zustand erzählt. Auch auf Nachfragen bekam ich nie eine ausführliche Antwort. Dabei machte ich mir natürlich Gedanken, gerade ich als Rettungssanitäterin hätte vielleicht merken könen, dass etwas nicht stimmt. Diese Gedanken beschäftigten mich einige Zeit lang. Irgendwann einmal habe ich den ganzen Vorfall auch einen Kollgen auf der Rettungswache erzählt. Er hat mir Mut gemacht, dass ich weiter in Kontakt bleiben sollte und mir überhaupt keine Gedanken über einen anderen Verlauf der Rettung machen sollte.

Es verging einige Zeit und ich hörte immer nur wenig über ihre Genesung. Doch eines war mir klar: sie hatte es geschafft aus der Frühreha gestärkt hervor zu gehen und ihren Kämpfergeist und Lebensmut wird sie nie verlieren.

So war es auch. Anna lernt jeden Tag aufs neue: Lesen und Schreiben und ganz viel Ergotherapie. Besonders der rechte Arm und die Hand kann sie nur sehr schwer wieder bewesen. Anscheinend ist auch die Erinnerung an unsere Zeit während des Studiums fast komplett wieder vorhanden. Dies zu hören, war schon eine Aufmunterung.

Ermutigt von dem Rettungsassistenten, dem die ganze Geschichte menschlich und fachlich sehr interessierte, wollte ich wissen, ob sie mich noch kennt. Daher habe ich sie vor einiger Zeit wieder einmal über facebook angeschrieben und sie hat geantwortet. Zwar war dies nur ein sehr kurzer Kontakt, doch immerhin ein Kontakt!

Widerum verging nun einige Zeit und diese Woche, während der letzten Studienwochen, habe ich erfahren, dass sie zu Besuch an die Fachhochschule kommt.

Gestern habe ich Anna zum ersten mal wiedergesehen. Es waren nur ein paar Minuten. Doch diese wenigen Minuten haben mir sehr viel Freude bereitet. Sie war mit ihren Eltern zu Besuch und konnte ganz normal laufen. Dabei waren die besten Freundinnen, welche bereits öfters wieder mit ihr etwas unternommen haben, natürlich im Vordergrund gestanden. Doch auch ich konnte ein paar Minuten mit ihr reden. Ein bisschen Smalltalk und doch ganz viel mehr. Ein paar Worte von ihr, sie kämpft noch immer um jeden Satz, doch diese Worte haben mehr gesagt, als tausende. Wir haben ein paar mal herzhaft gelacht. Dabei wurde auch klar, dass sie noch alles aus der gemeinsamen Zeit weiß.

Eines wurde mir hier echt klar, Lebensmut und Lebenslust ist sehr wichtig. Man sollte jeden Tag genießen und froh sein, dass man gesund und munter ist, denn auch ein junger Mensch kann ganz schnell in Lebensgefahr stecken.

Ich wünsche Anna jedenfalls für ihren weitern Lebensweg alles alles Gute und hoffe, dass sie in ein paar Jahren wieder ganz normal leben kann, denn sie ist ein ganz besonderer Mensch, den man einfach gern haben muss und immer mit ihr Lachen kann.

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