Einsatz bei der Hochwasserkatatstrophe: Der zweite Tag


Nachdem der erste Tag bei dem Einsatz im Rahmen der Hochwasserkatastrophe, hier könnt ihr ihn nachlesen, bereits sehr anstrengend gewesen ist, so sollte auch der nächste Tag nicht weniger arbeitsreich werden.

Die Nacht zwischen den Tagen war sehr kurz und vor allem habe ich nur sehr wenig geschlafen. Auch auf einen Feldbett kann man gut schlafen, doch zum einen ist bei mir die erste Nacht in fremder Umgebung immer sehr unruhig, zum anderen war es mir in dem Schlafraum ständig zu warm.

Nach 4 Stunden Nachtruhe hieß es also um 5 Uhr aufstehen und das Frühstück für die Betroffenen und freiwilligen Helfer draußen als auch für unsere eigenen Helfer vorbereiten. Ich quälte mich also aus dem Bett und versuchte innerhalb kürzester Zeit mich irgendwie anzuziehen und halbwegs salonfähig zu machen. Meine Haare hatten wahrscheinlich nachts mal wieder eine Party ohne mich gefeirt ;-).

In der Küche angekommen (der Weg betrug ja nur 5 Meter) waren bereits einige Helferlein fleißig dabei Kaffee zu kochen sowie Wurt und Käse herzurichten. Ich bekam den Auftrag mich zusammen mit einer weiteren Frühaufsteherin um den Frühstücksraum für unsere eigenen Kräfte zu kümmern. Dort galt es die Tische abzuwischen. Vom Vorabend übrig gebliebenes zu entsorgen. Den Kaffee in den Raum zu bringen und Wasserkocher sowie weitere Frühstückgetränke zu organisieren.
Danach wurden die hergerichteten Platten und die Butter für das Frühstück mit einer Kühlung aus Eis versehen und ebenfalls dazugestellt. Auf den Tischen stellten wir die verschiedenen Marmeladen, Honig und Nutella. Auch Jogurt und Müsli sowie Kornflakes wurden bereitgestellt. Schonw ar es 6 Uhr und alles für das Frühstück fertig.

Währenddessen wurde in der Küche das fertiggestellte Frühstück für die Außenstellen, also die Brückenköpfe, von den ausfahrenden Einsatzkräften abgeholt.

Die ersten Helfer und auch unser Frühstücksteam konnten nun selbst frühstücken gehen. Es mangelte uns dort ja nicht an Essen, höchstens an Schlaf, was an den müden Gesichtern deutlich zu sehen war. Allerdings wurde man beim Frühstücken etwas wacher, da man sich in Ruhe unterhalten konnte. Unser Küchenteam plante bereits die nächsten Aktionen.

So mussten wir als nächstes die Pfandflaschen sortieren. Diese waren in sehr großer Zahl vorhanden und leider in den letzten Tagen nicht ordentlich aufgeräumt worden. Es war also dringend notwendig in die leeren Flaschen und Kästen Ordnung hineinzubringen, da diese sonst nicht zurückgenommen werden.  Es wurden durch einige Helfer, darunter eben auch ich, somit einige tausende Flaschen umgeschlichtet und sortiert.

Währenddessen begann das Küchenteam, welches für die Feldküchen eingeteilt war, damit das Mittagessen vorzubereiten. Es sollte zum einen Chilli con carne, zum anderen Geschnetzeltes (Rind und Schwein getrennt) geben. Für die Vegetarier wurde ein Gemüsetopf angeboten. Als Beilagen wurde Reis zubereitet.

Für das restlichen Küchenhelfer, die wie ich in der kalten Küche tätig waren, galt es nun zum einen die dreckigen Thermophoren aufzuwaschen sowie zwischendrin auch unsere Pause zu machen. Gleichzeitig musste auch geplant werden, wie es mit den übrigen Lebensmitteln, uns war bewusst, dass wir zu viel in dem Vorratsraum stehen hatten, was wir selbst nicht mehr verbrauchen können. Dies wurde alles gezählt und geprüft, danach holte „die Tafel“ bereits erste Sachen ab.

Danach hießt es bereits Mittagessen fertig. Dieses wurde zum einen wieder durch eingeteilte Helfer zu den Versorgungsstationen gebracht. Davor wurde es natürlich in Thermophoren ab. Zum anderen mussten auch die Helfer in der Berufsschule versorgt werden. Zusammen mit dreit weiteren Helferinnen war ich für die Ausgabe des Essens dort verantwortlich. Vorbildlich teilten wir hier das Essen aus und versorgten hier ca. 60 Einsatzkräfte. Zum Abschluss konnten endlich auch wir das Mittagessen genießen.

Am Nachmittag bekam ich die Möglichkeit die Küche zu verlassen und mit einer anderen Einsatzkraft zu tauschen. Somit habe ich die Gelegenheit erhalten mit einer Gruppe aus einer bisher fremden Betreuungseinheit zu unserer größten Versorgungsstelle zu fahren und dort zu helfen. Ich werde von dieser Einheit sofort sehr liebevoll aufgenommen. An der Einsatzstelle angekommen, müssen wir dort sofort die dortigen Einsatzkräfte ablösen. Hier wird immer noch mit Ansturm die Mittagsverpflegung ausgegeben. Ich übernehme zusammen mit einer weiteren Helferin die Ausgabe des warmen Mittagessens, also Geschnetzeltes vom Schwein oder Rind, wahlweise vegetarisches mit Reis.  Damit sind wir sehr gut beschäftigt. Zum Glück bekommen wir nach kurzer zeit noch zwei weitere Helfer hinzu, die uns tatkräftig unterstützen.

Nachdem der Andrang vorbei ist, wird es ruhiger. Es bleibt Zeit sich ein bisschen mit den Besatzungen der Rettungswagen zu unterhalten. Diese sind ebenfalls dort stationiert, um schnell im Katastrophengebiet medizinische Hilfe leisten zu können. Bei Ihnen ist es jedoch relativ ruhig. Natürlich können wir uns auch untereinander gut unterhalten und so kommt man schnell ins Gespräch und macht auch ein paar Scherze.

In der Zwischenzeit tauschen auch ein paar Probleme auf, zum einen sind die Mückenstiche meiner Kollegen mittlerweile derart angeschwolen, dass sie zur Abklärung ins Krankenhaus gefahren wird. Zu den Mücken ist zu sagen, dass diese sehr aggressiv sind und zudem hochgradig verseucht. Sie wurden schließlich im Schlamm und Wasser des Hochwassers mit all seinen giftigen Rückständen geboren, sodass niemand weiß, was sie alles an giftigen Stoffen in sich tragen. Um die Stiche zu vermeiden, sind alle Helfer dabei sich mehrmals täglich mit verschiedenen Anti-Insekten ein. Dies hilft jedoch auch nicht immer, da man einfach sehr schnell eine Stelle am Körper vergisst, bzw, die Mücken und weitere Insekten sehr agressiv sind (besonders in den frühen Abendstunden)Zum anderen fällt kurz der Strom unserer beiden Kühlanhänger aus, wo wir die verderblichen Lebensmitel wie Jogurt und Käse sowie die Getränke lagern, aus. Hier hilft uns das Team der Technik und Sicherheit aus. Sie versorgen uns mit einem Notstromaggregat, welches die Stromversorgung von nun an sicherstellt.

Während der ruhigeren Nachmittagszeit kommen immer wieder einzelne Betroffene um sich mit Getränken zu versorgen. Diese geben wir reichlich aus. Hier bleibt auch einmal Zeit für das ein oder andere Gespräch. Dazu steht aber auch ein Team aus zwei Notfallseelsorgern bereit.

Pünktlich vor dem Abendessen bekommen wir dieses geliefert. Es gibt frisch vom Grill gebratene Bratwürste sowie Sauerkraut und Semmeln oder alternativ Wurstsalat. Für die Vegetarier können wir auch den ganzen Tag über ganz frisch Käsesemmeln zubereiten. Schon sehr bald stehen die ersten Einsatzkräfte sowie Betroffene an, um sich zu stärken. Viele holen das Essen auch zu sich nach Hause, um dort die eingesetzten Helfer zu versorgen. Somit geben wir hier innerhalb von 2 Stunden einige hundert Portionen an Abendessen aus. Die Bratrürste mit Sauerkraut kommen dabei sehr gut an, da es eben eine Hausmannskost ist, die frisch gekocht wurde.

Danach wurde es am Abend wieder ruhiger. Ich konnte somit auch einmal etwas länger sitzen, was doch ganz schön ist, denn mittlerweile war ich schon sehr lange auf de Beinen. Immer wieder kamen jedoch vereinzelt Leute, die entweder noch etwas zu essen brauchten oder aber andere Anliegen hatten. Diese konnten meist sehr schnell erfüllt werden und so blieb etwas zeit um sich zu unterhalten. Vor ein paar Stunden waren meine Kameraden noch Fremde, doch nun sind sie schon fast etwas wie Freunde geworden. Es ist echt Wahnsinn, wie schnell ein solcher Einsatz die Menschen zusammenbringt.

Am späteren Abend werden noch einmal leere Getränkekisten abgeholt. Mit diesem Fahrzeug kann ich dann auch wieder zu unserer Unterkunft zurückfahren. Einige andere Einsatzkräfte werden die ganze Nacht dort draußen verbringen. Sie halten in den Zelten Nachtwache und sind immer für die Bevölkerung ansprechbar.

Zurück an der Berufsschule werde ich von meinem Küchenteam begrüsst. Sie sitzen draußen und sind auch erst einmal fertig mit der Arbeit. Bis auf unseren fleißigen Grillmeister, der noch die letzten der 1500 Bratwürste fertig grillt.

Es findet nun noch eine kurze Besprechung der Einsatzleitung mit allen Helfern statt. Es geht dabei um ein paar Kritikpunkte (einige nicht ganz so fleißige Helfer) sowie vor allem um den Abbau am nächsten Tag. Wir sind nämlich die letzte Einheit, die hier sein wird, und somit müssen wir die Schule komplett geräumt verlassen. Das Küchenteam wird hierbei nur für den selbstständigen Abbau bzw. das Aufräumen der Küche eingeteilt. Ansonsten sind wir von jeglichen Massnahmen befeit, da wir genug mit dem Rest zu tun haben.

Nun geht ein sehr langer Arbeitstag langsam zu Ende. Es gibt an diesem letzten Abend für uns auch ein kleines alkoholishes Getränk (so eine Art Belohnung) und die Stimmung ist sehr gut. Innerhalb des Küchenteams sitzen wir zusammen. Besonders

5 Kommentare

  1. Besonders….? 😉
    Sehr guter Artikel, hattet also echt was zu leisten da drüben…Und das kleine Alkoholische Getränk doch hoffentlich nicht in einsatzklamotten?!? Man will der bevölkerung doch kein schlechtes Bild von der jeweiligen HiOrg geben :DD

    1. Ja, wir waren dort schwer am Arbeiten, aber besser als den ganzen Tag nichts zu tun 😉
      Das alkoholische Getränk gab es am Abend bei uns in der Unterkunft. Somit war dies nicht in der Öffentlichtkeit, da wir dort unter uns waren.:-)

  2. Man vergisst vor lauter Bildern der Sandsack-schleppenden Helfer schnell, dass die Verpflegung der ganzen Einsatzmannschaften ebenfalls eine echte Herausforderung und enorm wichtiger Teil des Einsatzes ist. Danke für deinen Artikel und deinen Hilfseinsatz!

    1. Danke!
      Die Verpflegung ist echt sehr wichtig, denn wie sagt man so schön: „Ohne Mampf kein Kampf“. Die Helfer und auch Betroffenen waren sehr froh, dass sie sich nicht auch noch um ihr Essen und Trinken kümmern mussten.

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