Einsatz bei der Hochwasserkatatstrophe: Der erste Tag


Nachdem wir nach einer langen Anfahrt, wie hier berichtet, endlich in Deggendorf angekommen sind, sollte es für unser Betreuungskontigent sofort mit der Arbeit losgehen.

Unsere Vorgänger waren gerade dabei ihre Sachen zusammenzupacken und einzuladen.

Zunächst einmal gab es für die Führungskräfte eine kurze Begehung der Örtlichkeiten. Wir waren in einer größeren Schulzentrum, hauptsächlich der Berufsschule, untergebracht. Draußen stehen 4 fest installierte Feldküchen, die wir weiter benutzen können. Nach der Besichtigung gibt es noch ein Übergabegespräch und schon ist unser Kontigent offiziell für die Betreuung und Verpflegung zuständig.

Für die „normalen“ Einsatzkräfte heißt es in dieser Zeit sich etwas von der weiten Anreise zu erholen. Wir dürfen endlich unser Mittagessen einnehmen. Es gibt Schweinebraten mit Nudeln und Soße oder aber für die Vegetarier Nudeln mit Champignonsoße. Doch diese Verschnaufpause, die meine Einheit auch zum Kennenlernen weiterer Kräfte genutzt hat, sollte nur kurz sein.

Nun folgt eine Ansprache der Führungskräfte, also hauptsächlich unserer Kontigentführerin und ihrer zwei Zugführer an uns. Die Lage der Vorgänger wurde leider nur sehr grob vermittelt und so herrscht gerade ein wenig das Chaos, was die Führungskräfte noch zu beseitigen haben. Wir werden bereits in wenigen Stunden die nächste Mahlzeit servieren müssen und bis dahin gilt es noch viel zu regeln. Es wird zunächst einmal das Küchenteam eingeteilt. Meine Einheit und somit auch ich gehören dazu.

Dies war uns vorher bereits recht klar. Für alle anderen heißt es nun sich einen Schlafplatz in den Sporthallen zu suchen und sich dort einzurichten. Die Feldbetten dafür stehen bereits.

Das Küchenteam bestehend aus insgesamt 17 Einsatzkräften inspiziert nun unser neues Areal. Zum einen gibt es eben die vier Feldküchen und zum anderen stehen uns die Einrichtungen der Berufsschule zur Verfügung. Dies sind die Bäckerei und die Metzgerei inkl. Kühl- und Gerfrierraum.

Wir haben vier Feldköche dabei. Die drei Männer sind gelernte Köche und werden sich um das leibliche Wohl kümmern. Die vierte Feldköchin übernimmt die Führung und Organisation der gesamten Küche. Leider stellen die Feldköche bei einem ersten Durchgang durch die Küche fest, dass unsere Vorgänger ein kleines oder doch eher größeres Durcheinander hinterlassen haben. Es wird eine kurze Bestandsaufnahme gemacht und zunächst einmal die anstehende Abendverpflegung für ca. 700 Personen geplant.

Für uns als normale Einsatzkräfte heißt es nun also, das Essen vorzubereiten und gleichzeitig uns zu strukturieren. Die einen werden für die warme Küche draußen in den Feldküchen eingeplant, die anderen kümmern sich um die kalten Sachen, Vorbereitungsarbeiten und Aufräumarbeiten.

Ich entscheide mich für die kalte Küche sowie das Aufräumen. Dies liegt daran, dass ich lieber in einer festen Küche anstatt der Feldküche arbeite. Es finden alle Küchenhelfer ihren Vorlieben gemäß einen Arbeitsplatz für die nächsten drei Tage, sodass keiner unzufrieden ist. Auch hieran merkt man, dass wir bereits von Anfang an als Team arbeiten.

Zu Beginn steht eine Menge an Aufwasch an. Uns steht dabei eine große Industriespülmaschine zur Verfügung. Zum Glück erklärt uns ein zufällig anwesender Berufsschullehrer wie diese zu bedienen ist. Leider hatten uns die Vorgänger nämlich die Bedienung falsch bzw. unzureichend erklärt. Es geht fleißig ans Aufwaschen. Dabei entdecken wir leider auch einige Rückstände, d.h. es liegt noch Essen in der Wärme, welches wir nun aus Hygienegründen entsorgen müssen. Dazu sind auch einige Thermophoren, also die großen Wärmebehäler zum Aufbewahren der Speisen, noch nicht geleert bzw. kühlgestellt worden. Auch hier bleibt uns nichts anderes übrig als das restliche Essen zu entsorgen.

Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für das Abendessen auf Hochtouren. Da wir nur gut eine Stunde Zeit haben, wird es heute eine einfachere Variante geben. Zum einen schneiden wir fleißig Wurst, Käse, Zwiebeln und Gurken für einen schweizer Wurstsalat. In der Feldküche wird aus Konserven ein Erbseneintopf zubereitet. Dazu gibt es Brötchen, welche immer morgens vom Bäcker geliefert werden.

Die anderen Einsatzkräfte werden nun auch eingeteilt und in Schichten sowie zu verschiedenen Stationen sortiert. Sie sind für die Einrichtung bzw. den Weiterbetrieb der Betreuungs- und Verpflegungsstellen für die Helfer sowie Anwohner der betroffenenen Gebiete zuständig. Dazu muss auch das fertig zubereitete Essen von weiteren Einsatzkräften zu den Verpflegungsstellen gefahren werden. Auch hier erfolgt eine erste Einteilung.

Das Küchenteam inkl. mir ist mittlerweile dabei das Abendessen in die Thermophoren zu verteilen und nach den Bestellungen zu sortieren. Somit bekommt jeder sogenannte „Brückenkopf“, also die einzelnen Betreuungs- und Verpflegungsstellen genau so viel Essen wie sie bei der Abbfrage als Bedarf bestellt haben. Das Essen muss dabei pünktlich zu den Essenzeiten geliefert werden.

Nachdem wir mit dem Abendessen fertig sind, können wir uns ebenfalls einen Schlafplatz suchen. Ich entscheide mich dabei zusamen mit weiteren Kräften aus meiner Einheit dafür, dass wir in Küchennähe in einem Umkleideraum schlafen. Dabei sind wir nur zu dritt und können auf etwas mehr Ruhe im Gegensatz zu den Sporthallen als Schlafplatz hoffen. Gleichzeitig werden wir morgens bereits sehr früh aufstehen und stören so die anderen nicht in ihrer Nachtruhe.

Danach geht es weiter ans Aufräumen. Es wird eine Unmenge an bereits länger stehenden Aufwasch beseitigt. Dies dauert sehr lange, da eben in den letzten Tagen anscheinend einiges nicht aufgeräumt wurde und wir nun die ganzen Rückstände finden und aufräumen. Für unser Küchenteam ist es aber sehr wichtig, denn wir möchten einen sauberen Arbeitsplatz und nicht große Mengen an dreckigen Dingen herumstehen haben.  Dazu werden nebenbei noch hundert kalte Schnitzelsemmeln belegt. Diese dienen hauptsächlich der Verpflegung unserer eigenen Einsatzkräfte und sind eine gute Art der Resteverwertung, denn die Schnitzel stehen noch vom Vortag im Kühlraum. Es sit echt ein schönes Bild zu sehen, wie vier Einsatzkräfte gleichzeitig wie am Fließband belegte Semmeln machen. Erst macht eine den Salat drauf, die nächste kümmert sich um die Tomaten, die dritte legt das Schnitzel rein und die vierte schlichtet das fertige Brötchen in eine Kiste.

Im Laufe des Tages bekommen alle im Kontigent zu spüren, dass unser Vorgänger-Kontigent aus einem anderen Regierungsbezirk nicht so freundlich und ordentlich war. Dazu muss es wohl noch Meinungsverschiedenheiten und Streit im Team gegeben haben, was zu einer nicht ganz idealen Arbeitsmoral geführt hat. Leider haben auch die Betroffenen und freiwilligen Helfer dies mitbekommen. Zum Glück kann unser Betreuungskontigent das ändern und die Menschen kommen gerne um bei uns Essen und andere Dinge zu bekommen. Des weiteren stehen an den Betreuungsstellen immer Kräfte bereit, die zu einem Gespräch und sei es nur für ein paar aufheiternde Worte da sind.

Am Abend bekommt das Küchenteam die Möglichkeit selbst einmal in das Schadensgebiet zu fahren, um zu verstehen, für was bzw. wen wir überhaupt hier sind. Die Bilder und Eindrücke, die wir dabei sehen, sind einfach nur schrecklich. Hunderte zertörte Häuser, überschwemmte Landwirtschaftsflächen, verschmutzte unbrauchbare Autos und eine verseuchte Natur. Auch das Gespräch mit den Menschen dort ist sehr schockierend, denn diese Menschen haben einfach ihre Existenz zu großen Teilen verloren. Nun wo das Wasser weg ist, ist das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Überall liegen vor den Häuser der Sondermüll, welcher aus den Häusern bereits etnfernt wurde.

Nachdem wir das Schadensausmaß gesehen haben, sind wir noch motivierter den Betroffenen und freiwilligen Helfer durch unsere Verpflegung und Betreuung wenigstens ein bisschen zu helfen.

Das Küchenteam hilft auch noch mit eine Betreuungs- und Verpflegungsstelle an einen anderen Standort zu verlegen. Hier sind vor allem die Techniker gefragt, denn diese managen den Ab- und Aufbau der Zelte und größeren Dinge. Hier wird gleichzeitig auch die gesamte Stelle neu strukturiert und dadurch verbessert, denn die Speisen werden nun nicht mehr im Freien, sondern in einem Zelt ausgegben und die Gtränke werden neu sortiert.

Danach geht es für uns wieder zurück in die Küche. Es gibt weiterhin viel Aufzuräumen und Vorzubereiten. Die einen waschen Thermophoren und Kisten auf. Die anderen, wo ich dazu gehöre, bereiten das morgige Essen vor. Es müssen ganz viele Paprika in kleine Stückchen geschnitten werden. Draußen in der Feldküche wird diese ebenfalls gereinigt.

Um 22.30 Uhr ist die Küche nun endlich sauber und sieht ganz anders aus, als wir sie übernommen haben. Wir bekommen von der Abschnittsleiterin ein großes Lob und auch die beiden Zugführer sind begeistert. Sie ü

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4 Kommentare

  1. Super geschrieben, hattet ihr denn eure Feldküche auch in betrieb???
    Und dann noch der tipp vom techniker 😉 : Zelte auf und abbauen? -> Bei Küchenzelten acht mann, acht stangen (pder jenachdem wieviel man hat) und Huckepack, muss also nicht abgabaut werden…

    1. Danke!
      Unsere Feldküche war gar nicht dabei, da wir wussten, dass dort bereits einige stehen, die wir benutzen können.
      Danke für den tipp mit dem Küchenzelt!
      Bei uns ging es leider um normale Zelte und die Entfernung waren einige hundert Meter, sodass Ab- und Aufbau notwendig gewesen sind. Da waren die Techniker gefragt, da nicht nur der einfache Zeltbau, sondern auch Stromversorgung und einiges mehr erforderlich gewesen ist.

  2. Auch für die Verpflegung muss gesorgt werden. Klingt nach einer Menge Arbeit. Ich komm selbst ehemals aus solchen Gebieten, wo ihr eure Einsätze hattet. Damals, wo die große Flut in Eilenburg und Dessau war, ist mein Örtchen verschont geblieben. Und es ist echt schlimm, das schon wenige Jahre später wieder so eine Katastrophe passieren musste.

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