Einsatz bei der Hochwasserkatastrophe: Die Anfahrt


Aus meinen Kreisverband wurde für das Betreuungskontigent zweier Regierungsbezirke eine Verpflegungseinheit gebraucht. Dazu zählt normalerweise ein Versorgungs-LKW mit Feldküche und ein Mannschaftstransportwagen, also Kleinbus. Da aber im Katastrophengebiet bereits einige Feldküchen standen, brauchten wir die Feldküche nicht mitzunehmen. Dazu wurde der Kommandowagen als Führungsfahrzeug des Kontigents ebenfalls von unseren Kreisverband gestellt.

Am ganz frühen Morgen ging es los. Alle Helfer unseres Landkreises für das Betreuungskontigent trafen sich am Kreisverband bzw. der Rettungswache. Dort wurde erst einmal unser Gepäck in die Fahrzeuge verstaut. Es ist auch für drei Tage sehr viel, was man so einpackt, hauptsächlich Einsatzkleidung, Schlafsachen (Schlafsack, Kissen, usw.) und ein paar persönliche Utensilien. Danach hat uns noch ein Mitglied  der Kreisbereitschaftsleitung ein paar weitere Infos mitgeteilt und verabschiedet.

Ich bin als Fahrzeugführerin des Mannschaftswagens eingesetzt, d.h. ich habe zwar keine Führungsverantwortung im Einsatz, doch ich bin für das Personal in meinen Fahrzeug zunächst verantwortlich und muss mich während der Anfahrt um alle notwendigen Dinge kümmern. Dies ist für mich neu und ganz schön spannend, aber lösbar.

Von dort aus ging es nun zügig auf die Autobahn zum Treffpunkt für das gesamte Kontigent. Dies sollte an einen zentralen Punkt bei einer Autobahnmeisterei sein.
Hier treffen sich dann alle Fahrzeuge und es geht als geschlossener Verband in das Einsatzgebiet. Die Anfahrt zum Sammelpunkt geschieht aufgrund der ruhigen Verkehrslage und frühen Uhrzeit ohne besondere Kennzeichnung. Wir fahren also ohne Flaggen, Sonder- oder Wegerecht wie jeder normaler Bürger zum Sammelpunkt.

Unproblematisch und zeitlich rechtzeitig treffen wir nach ca. 1,5 Stunden an der Autobahnmeisterei ein, wo sich bereits einige Fahrzeuge aus anderen Kreisverbänden befinden. Hier wird nun gewartet, dass alle Fahrzeuge samt Personal eintreffen.

Es muss sich hier aber auch mit Fahrzeug und Personal registriert werden. Alle Fahrzeuge bekommen einen neuen Funkrufnamen. Wir sind nun im Auftrag des Landes als Fahrzeug des Katastrophenschutzes unterwegs und tragen daher alle einen „Kater Bayern“-Rufnamen. Dieser wird sichtbar an jeden Auto und LKW angebracht und auch beim Funken verwendet. Dazu wird jedes Mitglied der einzelnen Fahrzeuge als Helfer registriert. Es bedarf hierbei der Angabe von allen Ausbildungen. Dies Sammlung und Auswertung dieser Daten übernimmt die Unterstützungsgruppe der Einsatzleitung.

Nachdem wir das Organisatorische erledigt haben, beginnt ein erstes „Beschnuppern“ der anderen Einsatzkräfte. Schließlich kennt sich fast niemand und so will man ja wissen, wer nun alles dabei ist. Dies sind auch andere Hilfsorganisationen, was zu noch mehr Neugier führt.

Als alle einzelnen Komponenten, so heißen die jeweiligen Teileinheiten, eingetroffen sind, findet eine erste Besprechung mit dem gesamten Personal statt. Die Kontigentführerin stellt sich zusammen mit ihren beiden Zugführern vor und erteilt erste Befehle sowie gibt weitere Informationen zum Einsatz. Danach findet auch noch eine kurze Besprechung der Führungskräfte statt.

Nach diesen ersten sogenannten Einsatz- oder auch Marschbefehl kann es nun richtig losgehen. Wir werden von nun an als geschlossener Verband in das Katastrophengebiet fahren. Alle Fahrzeuge werden mit Flaggen versehen und sortiert. Dabei werden die langsamen LKWs an die Spitze gesetzt, sodass diese das Marschtempo, auch Fahrtempo, bestimmen können. Als erstes Fahrzeug fährt die Unterstützungsgruppe der Einsatzleitung und als letzte die Einheit der Technik und Sicherheit. Als Verbandführer fährt der Kommandowagen, er ist nicht fest in der Kolonne, sondern kann „springen“ und absichern sowie den Verband kontrollieren.

Als erstes geht es langsam über eine Behelfsauffahrt auf die Autobahn. Der Kommandowagen sichert ab und alle Fahrzeuge des Kontigents folgen dem ersten Fahrzeug mit einem vorgebenenen Abstand und eingeschalteten Ablendlicht. Wir gelten dabei verkehrsrechtlich als ein Fahrzeug, da wir im Verband fahren und somit sollten sich zwischen uns keine anderen privaten Fahrzeugen setzen. Dies funktioniert jedoch nicht wirklich und so wird nach kurzer Zeit auf der Straße entschieden, dass wir zur besseren Erkennbarkeit zusätzlich mit Blaulicht fahren.

Der Kommandowagen kontrolliert immer wieder, ob alles funktioniert und zusätzlich wird der Kontakt der Fahrzeuge über einen bestimmten Funkkanal gehalten, der nur uns als Marschkanal zur Verfügung steht.

Das Wechseln der Autobahnen an den verschiedenen Kreuzen funktioniert einwandfrei. Auch das Marschtempo kann erhöht werden, sodass wir die meiste Zeit mit ca. 70-80 km/h fahren können. Mein Fahrzeug ist dabei im mittleren Teil der Kolonne zu finden, was ganz angenehm ist.

Leider setzen sich immer einmal wieder unwissenden Auto- und LKW-Fahrer zwischen die Fahrzeuge des Verbandes. Diese merken jedoch irgendwann einmal, dass sie zwischen uns nicht erwünscht sind und auch nichts dort zu suchen haben.

In den Baustellenbereichen blockiert das letzte Fahrzeug der Kolonne meist die beiden Fahrstreifen, sodass wir im engen Bereich ungehindert fahren können und nicht durch unnötige Überholmanöver gefährdet werden.

Als geschlossener Verband zu fahren, macht echt Spaß, auch wenn es recht anstrengend ist, da man immer auf die Fahrzeuge vor und hinter einem achten muss und die Anweisungen am Funk sehr genau verfolgen sollte.

Wir legen auf der ca. dreistündigen Fahrt in das Hochwassergebiet auch einen kurzen taktischen Stopp ein. Es können alle einmal kurz auf die Toilletten verschwinden und sich die Beine vertreten. Danach geht es wieder mit Sicherungsposten auf die Autobahn. Auch dies verläuft alles sehr gut, da der Kommandowagen als Verbandführer eine super Arbeit leistet.

Kurz vor Deggendorf kommen wir auch in einen Stau, bei dem wir natürlich nicht warten können, da wir schließlich als Kontigent einen Auftrag haben und eine andere Einheit aus dem Einsatz herauslösen müssen. Wir fahren also als Kolonne mit Blaulicht und Martinshorn mit allen Fahrzeugen durch den Stau hindurch. Hier muss ich die Autofahrer echt loben, denn sie bilden eigentlich alle eine vorbildliche Rettungsgasse, was gerade für das Durchfahren der LKWs dringend notwendig ist.

In Deggendorf selbst bekommen wir nach kurzer Wartezeit ein Lotsenfahrzeug gestellt. Dieses bringt uns sicher und ohne Umwege an unser Ziel. Wir sind als Betreuungskontigent an einer Berufsschule stationiert. Von dort aus können wie die Helfer und Anwohner der Schadensgebiete mit Essen und eingigen anderen mehr versorgen sowie betreuen und gleichzeitig gibt es in den Sporthallen Schlafmöglichkeiten für uns.

Die insgesamt ca. siebenstündige Anreise in das Katastrophengebiet verlief somit insgesamt sehr gut. Es gab keinerlei Zwischenfälle und wir sind als gesamtes Kontigent gut angekommen. Die Fahrt als geschlossener Verband war sehr spannend, da man so etwas nicht jeden Tag macht. Allerdings ist es auch keine Entspannung, wenn man so lange Zeit für die Anfahrt benötigt und weiß, dass man noch nichts gearbeitet habt, doch dies sollte schon sehr bald folgen.

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6 Kommentare

  1. Hat sich also nichts wesentlichs geaendert beim Fhrerverhalten. In meiner BW Zeit sind wir auch als geschlossener Verband marshiert, hatten allerdings schwer gepanzerte Fahreuge dabei. Hat Natuerlich Leute nich abgehalten sich auf Kreuzungen reinzudruecken oder andere Maetzchen zu machen. Nur wo Schuelerlotsen (Feldjaeger) waren haben die sich benommen …. Schlimm sowas.

    Beim 7/7 Attentat in London ist unsere Med Gruppe im Stau haengen geblieben. Da war auch mit SoSi nix zu holen.

    Anyhow, wie war denn der Einsatz an sich?

    1. Ja, die Leute wissen einfach nicht was ein geschlossener Verband ist und wie sie sich verhalten müssen, bzw. es gibt immer Idioten, die einfach nicht warten möchten und sich reinmoggeln.

      Im Stau sind wir zum Glück gut durchgekommen, wobei es bei uns jetzt nicht auf die Minute angekommen ist.
      Nach dem Attentat war es bestimmt sehr bescheiden im Stau zu stecken. Anscheinend sind die Briten da auch nicht besser als die Deutschen.

      Über den Einsatz gibt es die nächste Zeit noch mehr zu lesen. Er war jedenfalls sehr anstrengend, aber wir waren ein super Team!

  2. Beim Marsch mit 70-80 mogelt sich auf der Autobahn eigentlich nichts freiwillig zwischen die Fahrzeuge. Zumindest war das bei uns der Fall, notfalls gingen wir runter kurz runter auf 60 um alles „rauszudrücken“.
    Rettungsgasse wird mit zunehmender Fahrzeugzahl auch breiter.
    Ihr hattet einen Kanal nur für euch?
    Oder war es der normale Mot-Marsch 510WU, auf dem alle anderen Kolonnen drauf sind?

    Funken im Einsatzgebiet war auch sehr interessant, aufgeregte DRK-Frischlinge, abgebrühte Funker kurz vorm Schlafen aus irgendwelchen Stäben, sächsischer Dialekt „ÄÄLW für LüF kömmen“ und sogar ein Brief wurde fernmündlich diktiert. Alles in allem aber sehr diszipliniert.
    Die Verpflegung war zumindest bei uns sehr gut, besser wie die letzten Erbsensuppen die man bei Großeinsätzen bekommt.
    Und am Stützpunkt gab es auch nachts um 3 noch was warmes zu essen.

    1. Bei uns haben sich auch bei der geringen Geschwindigkeit immer wieder Fahrzeuge in den Verband geschoben. Zum Teil waren es langsame LKW zum Teila auch PKW, die keine Zeit hatten und beim Auffahren auf die Autobahn sich zwischen uns gemoggelt haben.
      Die Menschen wissen anscheinend eben nicht, was ein Verband bedeutet und wie man sich verhalten halten. Das Schlimmste war ein LKW, der ca.. 5 km vor uns gefahren ist, also mitten im Verband, dieser wollte einfach nicht rausfahren.

      Ansonsten hatten wir natürlich den normalern Marschkanal, 510 WU, hatte ich nur etwas missverständlich geschrieben. Wir waren eben die einzigen, die diesen aktuell benutzt haben. Wollte es für die Laien nicht allzu kompliziert schreiben.

      Das Funken war bei uns unprobelmatisch, allerdings waren auch nicht mehr so viele Einheiten dort, wie zu Beginn. Außerdem haben die Führungskräfte an der Unterkunft lieber persönlich kommunziert als zu Funken, was auch gut war.
      Sächsischer Dialekt (ähmm wiederholen sie, ich konnte sie nicht aufnehmen 😉 ) und Brife diktieren am Funk geht echt mal gar nicht, aber ändern kann man es eben eh nicht.

      Die Verpflegung durch uns wurde eigentlich von allen Leuten sehr gelobt, so schlecht kann es also nicht gewesen sein! 😉

      Wann warst du denn dort?

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