Eine Nacht ohne Notfall


Letzte Woche hatte ich mal wieder Samstag Nacht Dienst auf dem Rettungswagen. Ich bin zusammen mit einem routinierten Kollegen unterwegs, mit dem ich sehr gerne fahre, da er mich als Ehrenamtliche viel machen lässt und man mit ihm immer gute Gespräche über alles führen kann.

Die Schicht begann wie immer mit einer Übergabe der Kollegen von der Tagschicht. Diese erzählten, dass sehr viel losgewesen sein und sie mehr als 10 Einsätze in 12 Stunden gefahren sind.  Nach ein paar Scherzen verschwinden die Kollegen und wir melden uns bei der Leitstelle an. Danach folgt ebenfalls wie immer das Checken des RTW.

Danach folgt zunächst der entspannte Teil, denn wir warten auf Einsätze. Währenddessen machen wir es uns auf der Wache im Wohnzimmer gemütlich und plaudern mit den Kollegen der Gegenschicht. es wird viel gelacht.

Nach einiger Zeit folgt dann der erste Alarm, es ist eine Rückfahrt vom Krankenhaus ins Altenheim. Wir fahren also zur Notaufnahme, bekommen eine Übergabe der diensthabenden Neurologin und nehmen den älteren Herren mit, der wegen eines Verdachts auf Schlaganfall vor eingigen Stunden von unseren Kollegen ins Klinikum gebracht wurde. Dies hatte sich nicht bestätigt und nun darf er zurück ins Altenheim. Die kurze Fahrt verläuft unproblematisch. Wir bringen den Patienten zurück in sein Zimmer und legen in dort wieder in sein Bett. Die Schwester machen wir noch eine ausführliche Übergabe, was im Krankenhaus passiert ist.

Danach geht es wieder zurück zur Wache, wo mein Kollege und ich erst einmal eine Kleinigkeit essen. Kurz darauf machen wir es uns vor dem Fernsehen gemütlich und es wird weiter mit den Kollegen gescherzt.

Nach einiger Zeit geht unser Melder erneut.

Es ist allerdings wieder kein Notfall. Diesmal müssen wir zur Nachbarwache und dort eine Gebietsabsicherung machen, da die dortigen Kollgen weiter weg gefahren sind.

Auch auf der Außen-Wache, immerhin dürfen wir dorthin fahren und müssen nicht in der Gegend irgendwo herumstehen, ist wiederum Fernsehen und der Austausch mit dem Notarztfahrer angesagt.

Nach einer guten Stunde geht es zurück zur Heimatwache. Und wer es ahnt, auch hier ist wenig los und somit ist eine gesellige Runde auf dem Sofa mit den Kollegen möglich. Es wird sehr viel gelacht und gescherzt.

Nach Mitternacht entscheiden wir uns dann doch, langsam zur Nachtruhe überzugehen. Nach einiger Zeit rücken zunächst die Kollegen aus. Wenig später werden auch wir durch einen Alarm geweckt.

Beim Ausrücken erfahren wir von der Leitstelle, dass es in einen Nachbarort geht, wo eine verletzte, blutende Person, auf der Straße liegt bzw. jetzt irgendwohin laufen soll. Die Anfahrt gestaltet sich unproblematisch, da mitten in der Nacht auf den Straßen wenig bis nichts los ist.

In der angegebenen Straße finden mein Kollege und ich nach einigen Suchen schließlich die beiden Anrufer, welche den Notfall gemeldet haben. Sie erklären uns, dass es sich um einen angetrunkenen Mann handelt, der blutend auf der Straße lag. Nach einigen Versuchen aufzustehen, sei er jetzt wohl auf den Weg nach Hause. Die genaue Verletzung des Mannes können die jungen Anrufer nicht sagen. Die Beiden wissen nur ungefähr den Namen und keine genaue Adresse. Wir fahren also mit dem RTW die Straße ab und suchen die betreffende Person. Irgendwann trifft eine Polizeistreife ein, die mittlerweile über eine Suche im Melderegister die Anschrift der Person ermitteln konnte. Zusammen mit den Kollegen in Grün fahren wir nun dorthin und klingeln an der Haustüre.

Zunächst macht niemand auf, es bellt nur sehr laut ein Hund. Nach mehrmaligen Klingel macht uns eine ältere Frau auf. Sie habe auch einen Sohn,der gerade nach Hause gekommen sei. Wir begeben uns zusammen mit den Polizeibeamten in dessen Wohnung. Der Mann sitzt mit blutenden Wunden und stark alkoholisiert auf der Couch. Wir können ihn dazu bewegen uns in den Rettungswagen zu begleiten, um die Verletzung genauer anschauen zu können. Er geht stark wankelnd mit uns zum Auto.

Im RTW stellen wir diverse Schürfwunden und eine kleine Risswunde im Gesicht und an den Extremitäten fest. Wir säubern die Wunden grob. Der mittelaltrige Mann will jedoch nicht mit ins Krankenhaus kommen. Ein Atemalkoholtest, welchen die Polizei macht, ergibt einen Wert von über 2 Promille. Somit ist der Patient nicht mehr geschäftsfähig und kann sich nicht weiern mitzukommen. Da er jedoch mehrmals auf der Straße gestürzt war, ist uns dies zu heikel und wir bestellen uns einen Notarzt dazu.

Während der Wartezeit wird immer mehr klar, dass unser Patient ein Alkoholiker ist und seine Mutter bereits sehr viel mit ihm durchgemacht hat. Sie redet immer wieder auf ihn ein, doch er versteht gerade nur wenig und wir verstehen ihn aufgrund von Sprachproblemen wegen des Alkoholpegels ebenfalls schlecht.

Nun trifft der Notarzt ein und untersucht den Mann kurz. Er stellt fest, dass er nicht unbedingt mit ins Krankenhaus muss, da keine lebensbedrohlichen Verletzungen erkennbar sind. Somit wird der Mann wieder aus dem RTW begleitend und seine Mutter bringt ihn zurück auf die Couch.

Der Eisnatz ist für uns beendet und wir fahren zurück zur Rettungswache. Dort legen mein Kollege und ich uns wieder hin und werden erst kurz vor Schichtende durch meinen Wecker wach.

Dies war eine Nachtschicht, welche extrem ruhig war und vor allem ohne wirklichen Notfall. So etwas komt am Wochenende bei uns extrem selten vor, doch irgendwie ziehe ich nachts solche Schichten an, die wenig mit Notfällen zu tun haben. Allgemein nimmt die Zahl an „echten“ Notfällen nachts eh ab, doch ich habe da schon besonders „Glück mit solchen Schichten.

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