Eine langweilige Freitagsschicht ? . . .


Ich besetze zusammen mit einem sehr erfahrenen Kollegen die Spätschicht auf einen Rettungswagen der Stadt. Es ist Freitag Nachmittag und ich bin eigentlich recht motiviert, doch meistens fahre ich dann nur recht uninteressante Einsätze.

Nach der Übergabe der Frühschicht an uns, checken wir erst einmal in aller Ruhe unser Auto. Es sollte alles in Ordnung sein. Doch bereits bevor wir uns wieder hoch in die Wache begeben, geht unser Melder.

Wir melden uns bei der Leitstelle und bekommen den Einsatz: Sturz als Notfalleinsatz in eine kleine Gemeinde außerhalb der Stadt. Mit „tatüta“ geht es nun also durch den regen Wochenendverkehr zum Einsatzort. An der Hauptstraße werden wir schon vorbildlich eingewiesen, da das Haus schwer zu finden ist.

Bereits vor Ort waren die Helfer vor Ort, die qualifizierte Erste Hilfe geleistet haben. Sie machen eine Übergabe an uns. Die über 80-jährige Patientin sitzt in der Küche auf einen Stuhl und ist deutlich zentralisiert. Sie war am Vorabend gestürzt und konnte nicht mehr selbst aufstehen. Der Blutdruck sowie Puls ist normal, die Sauerstoffsättigung kann nicht gemessen werden, da die Durchblutung eben sehr heruntergefahren ist. Schmerzen hat die Dame keine.

Wir bringen sie nach einen Bodycheck nach draußen und legen sie dort auf die vorbereitete Trage. Der helfer vor Ort verabschiedet sich und wir machen im RTW noch ein EKG und können nun auch eine sehr schlechte Sauerstoffsättigung feststellen. Das EKG ist in Ordnung und nach der gabe von Sauerstoff über eine Maske geht auch die Sättigung in den Normbereich deutlich über 90 %.  Somit ist alles für einen Transport fertig und es geht in eine kleinere Kreisklinik, da die Angehörigen dies so wünschen. Dort übergeben wir die nun deutlich fittere Patientin (was doch so ein bisschen Sauerstoff – oder Zauberstoff 😉 ausmacht) an das Personal der Notaufnahme.

Danach sollten wir einen Patienten mit einem Krebsleiden in die Klinik zur akuten Schmerztherapie fahren. Die Ehefrau und der Patient warteten bereits auf uns. Wir konnten den älteren Mann mit seinen Rollstuhl aus dem Haus bringen, um ihn dort auf unsere Trage umzulagern. Der anschließende Transport in das Krankenhaus mit Schmerzambulanz und Palliativstation verläuft unproblematisch, bis auf einige Umwege, da in unseren Gebiet gerade überall Straßen saniert werden. Wir bringen den Patienten in Begleitung seiner Ehefrau direkt in die betreffende Abteilung und verabschieden uns.

Nachdem wir kurz zum Tanken gefahren sind, wird nun unser recht dreckiger Rettungswagen gewaschen. Auch dies gehört nun einmal zur Arbeit im Rettungsdienst dazu. Noch bevor mein Kollege und ich die Fenster polieren könnnen, geht jedoch wieder unser Melder. Wir bekommen wieder einen Notfalleinsatz, eine Frau soll auf der Straße gestürzt sein.

Nach sehr kurzer Anfahrt erreichen wir den Einsatzort, wo bereits Ersthelfer auf uns warten. Die ca. 75-jährige südländische Frau sitzt auf einen Stuhl auf dem Gehweg. Sie ist gestürzt und hat wohl „mit dem Gesicht gebremst“, das sieht man deutlich an den Spuren. Sie spricht nur begrenzt deutsch, doch bereits bei den ersten Worten merkt man, dass die Frau stark alkoholisiert ist. Sie hat keine Schmerzen, jedoch eben eine Risswunde an der Lippe sowie Abschürfungen im ganzen Gesicht. Die Vitalwerte sind in Ordnung und auch der Blutzucker liegt noch im Normalbereich (bei viel Alkohol immer wichtig). Wir bringen die Frau schließlich zur Wundversorgung in die Klinik. Dort übergeben wir die alkoholisierte Patientin, welche sich auch deutlich mit dem Laufen schwertut, an den diensthabenden Chirurgen und das Pflegepersonal.

Danach geht es kurz auf die Wache, wo nach einigen Stunden endlich ein Kaffe getrunken werden kann. Nach kurzem Plausch mit dem Fahrer des Notarztes geht der Piepser erneut. Gemeldet wird, welche Ausnahme, wiedr ein Sturz, diesmal in einem Altenheim. Die dame soll eine Kopfplatzwunde haben. Wir entscheiden uns dazu, ohne Sonderrechte anzufahren, denn in einem Pflegeheim sollte dieser Sturz wohl eingeschätzt und versorgt werden können. Auf der Pflegestation angekommen, wartet die Patientin, eine ca. 80-jährige Frau bereits im Rollstuhl zusammen mit der Pflegekraft auf uns. Eine Kopfplatzwunde ist es wohl nicht, denn man muss den Kratzer mit der Lupe suchen, doch die Schwester besteht auf eine Abklärung in der Klinik. Ansonten hat die Frau keine Schmerzen. Leider ist ein wirkliches Gespräch mit ihr aufgrund von Demenz nur schwer möglich. Somit bringen wir die Frau zur Abklärung in das Krankenhaus. Dort müssen alle über die „riesengroße“ Platzwunde schmunzeln, die man echt nicht erkennen kann. Allerdings ist die Patientin, wie sehr viele alte Menschen, dehydriert und verbleibt daher zunächst einmal im Krankenhaus.

Bisher war der Freitag eine typsiche Schicht auf dem Rettungswagen mit sehr viel alltäglichen Einsätzen, die nicht unbedingt alle einen Notfalleinsatz gerechtfertigt haben sollten. 

Doch das Ende der Schicht sollte den Tag zu einem spannenden und sehr arbeitsreichen werden lassen. Den Bericht dazu gibt es morgen!

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