Als Frau in der Feuerwehr


Lange Zeit war die Feuerwehr (fast) überall eine reine Männerdomäne. Es gab zwar bereits vor Jahrzehnten Frauenfeuerwehren, doch diese fanden wenig Beachtung und waren eher als Sonderfall und „eigener Verein“ zu sehen.

Doch Frauen können eigentlich alles. Genau aus diesem Grund wurde es auch immer mehr möglich, als Frau zur Feuerwehr zu gehen und dort aktiv mitzuwirken. Mittlerweile sind ca. 8 % der aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Frauen.

Doch zu meinen persönlichen Erfahrungen:

Am Anfang als ich in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten bin, war es etwas schwierig, da wir in der Jugendgruppe die ersten Mädels waren, die zu unserer kleinen Feuerwehr gegangen sind. Dies war jedoch auch von der Führung so gewollt, denn schließlich wurden wir aktiv angeworben. Doch trotzdem wussten die Männer einfach nicht, wie sie mit uns umgehen sollten, da es eben vorher noch keine Erfahrungswerte in meiner Feuerwehr gab.

Dies änderte sich jedoch schnell, da die Kameraden merkten, dass man als Frau auch die gleichen Dinge wie ein Mann in der Feuerwehr macht.  Ich lernte die grundlegenden Dinge recht schnell und konnte so auch immer mehr von den Männern akzeptiert werden.

Zu Beginn war meist das Thema schweres Heben und Tragen ein Problem, denn bereits bei relativ leichten Sachen wie einen Verteiler oder einen B-Schlauch nahmen die Männer den Frauen bzw. Mädchen die Gerätschaften ab und meinten, dass sie zu schwer seien und sie diese tragen würden. Doch auch dieses Vorurteil änderte sich recht schnell, denn wenn man als Frau mitanpackt, dann sehen die erfahrenen Kameraden, dass man auch schwerere Dinge tragen kann und nicht aus Zuckerwatte ist.

Was allerdings ganz wichtig ist, dass man keine Scham vor den Männern hat. Es gibt bei uns wie fast überall keine getrennten Umkleiden, somit zieht sich jeder im gleichen Raum um und wem das stört, der wird nicht glücklich werden. Genauso kommt hin und wieder eben ein Frauenwitz oder ähnliches und darüber muss man einfach stehen können. Dies ist auch nicht böse gemeint, sondern einfach aus der Gruppe heraus und nicht gegen die „alleinige“ Frau gerichtet. An den manchmal rauen Umgangston darf man sich ebenfalls nicht stören, genauso wenig wie an den Befehltston, der grundlegend in der Feuerwehr vorherrscht.

Nachdem ich schließlich volljährig geworden bin, war die Gleichstellung überhaupt kein Problem mehr. Ich werde seitdem genauso gleich behandelt wie die Männer auch. Im Gegenteil, es haben sich sogar alle gefreut, dass sie mich nun voll einsetzen können. Genau diese Gleichbehandlung bedarf es, denn man will als Frau keine Exotin sein, sondern sich ganz normal in die Gruppe integrieren.

So machte ich auch den Lehrgang zur Atemschutzgeräteträgerin mit. Dies war für mich zunächst eine kleine Herausforderung, worüber ich hier bereits berichtet habe.  Doch spätestens während dieser Ausbildung merkt man, dass Feuerwehrleute gleich behandelt werden und es keine Ausnahmen für Frauen gibt. Dies ist auch sehr wichtig, da man sich im Atemschutztrupp auf seinen Partner verlassen muss und es keine Schonung geben kann.

Leider ist trotzdem das Bild der Feuerwehr mit Frauen noch nicht bei allen Menschen angekommen. Eine kleine Anektode dazu: Bei einem Bewerbungsgespräch mit vier anwesenden Männern als Fragende und mir als Bewerberin kam es dann irgendwann zum Thema der Feuerwehr und den Aufgaben als Frau dort. Ich wurde dort aller ernstens gefragt, was in der Feuerwehr so meine Aufgaben als Frau wären, als Beispiel wurde das Kaffee kochen genannt.  Dabei war ich zunächst kurz sprach- bzw. eher fassungslos (innerlich zumindestens). Danach habe ich klargestellt, dass eine Gleichberechtigung herrscht und ich sowohl im Übungsdienst als auch bei Einsätzen alle Aufgaben übernehmen kann bzw. muss. Dies hat die anwesenden Männer erst einmal etwas fasziniert, besonders mit welcher Energie und Überzeugtheit ich dies sagen konnte.

Denn gerade im Einsatz gibt es eine völlige Gleichstellung, d.h. ich habe es noch nie erlebt, dass es hieß, dass macht jetzt ein Mann oder eine Frau. Klar gibt es Dinge, für die vielleicht der eine oder die andere besser geeignet ist, doch dies wird nicht nach Geschlecht, sondern nach Qualifikation und persönlichen Eigenschaften entschieden.

In meiner „Zweitfeuerwehr“ am Studienort. wohlgermerkt eine größere Feuerwehr, bei der bereits einige Frauen aktiv sind, war es von Anfang an kein Thema, dass ich als Frau genauso wie die Männer behandelt werde.

Eines muss ich noch sagen, ich arbeite unheimlich gerne mit Männern zusammen, denn es ist eine andere Art zu arbeiten. Ich habe oftmals das Gefühl, dass es einfach unproblematischer ist, etwas abzuarbeiten, ohne vorher sehr lange zu diskutieren oder dass nachher jemand beleidigt ist. Auch gehen die Männer offener mit Problemen um und es wird nicht so viel hintenrum gelästert.

Ich möchte jedenfalls die Feuerwehr mit meinen Kameraden nicht mehr missen.

4 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Einblick. Finde es gut, dass auch die weiblichen Team-Mitglieder voll akzeptiert werden – und sei es nach einer gewissen Anfangsscheue/-unsicherheit.

  2. Hey,
    danke für deinen Artikel. Hab mich sehr darüber gefreut, da ich überlege, ob ich nach dem Abitur an meinem neuen Wohnort ebenfalls zur Feuerwehr gehe, bisher aber noch gezögert habe, da ich dann sowohl Quereinsteiger wie Frau wäre…. Dein Artikel hat mir da wieder ein wenig mehr Mut gemacht.

    1. Ich würde es an deiner Stelle einfach mal ausprobieren. Nachfragen und anschauen kostet ja nichts und wenn es dir doch nicht gefällt, dann kannst du es als Experiment auch abhacken.
      Ich war mir damals auch nicht sicher, ob ich wirklich an meinen Studienort zur Feuerwehr gehen sollte, doch dies hat sich nach dem ersten Abend dort schon geändert. Von Anfang an wurde ich dort eingebunden und teilweise ins „kalte Wasser“ geschmissen, d.h. ich habe dort sehr viele Dinge zum ersten mal gemacht und konnte dabei viel Lernen. Diese Zeit möchte ich nicht mehr missen!

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