Angehörige wissen immer alles besser…


Ich war wieder einmal auf dem Krankenwagen unterwegs und zwar als Begleiterin zusammen mit einem jungen Rettungsassistenten als Fahrer. An diesem Samstag war einiges los und so sollte unser dritter Einsatz am Vormittag quer durch die Stadt zu einem Patienten mit einer Einweisung gehen. In der Straße angekommen, sahen wir bereits den Pflegedienst vor der Haustür stehen und winken. Um in die richtige Richtung zu stehen, kehrten wir jedoch noch um und fuhren so erst einmal an den 2 Pflegekräften vorbei. Danach parkte mein Fahrer hinter dem Auto des Pflegedienstes. Zur Begrüßung hörten wir von den beiden Damen nur, dass wir ja fast vorbei gefahren wäre und ob wir sie nicht gesehen hätten. Also stellten wir kurz klar, dass wir nur umgekehrt hätten. Die Pflegekräfte des ambulanten Dienstes hatten es sehr eilig und so müssten sie jetzt auch weiter und gingen nicht mit uns zum Patienten, der jedoch eine sehr ansteckende Erkrankung hätte. So ansteckend war es jedoch nicht, denn es handelte sich um Clostridien und diese sind nun einmal in den Ausscheidungen des Patienten enthalten, sodass man nicht von hoch ansteckend ausgehen kann, aber nun gut.

Wir gingen zunächst einmal zum Hauseingang, wo uns bereits die Tür von der Ehefrau des Patienten geöffnet wurde. Mein Kollege stellten uns vor und wir wurden als „gleich so großes Empfangskommando“ bezeichnet. Danach traten wir ein und stellten uns im Wohnzimmer auch dem im Pflegebett liegenden älteren Herren vor, der eben wegen der Clostridien zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden sollte. Die Ehefrau und der ebenfalls anwesende Sohn waren sich aber sofort darüber einig, dass wir beiden, also mein schlanker junger Kollege und ich als Frau, den Patienten nicht transportieren könnten, denn er müsse ja aus dem Haus getragen werden und dazu wären wir nicht in der Lage.

Sie meinten auch, dass beim letzten mal vier kräftige, starke Männer sich an dem normalgewichtigen alten Herren abgekämpft hätten und ihn fast nicht mit dem Tragetuch auf die vor dem Haus stehende Trage befördern konnten. Von den Angehörigen könnte auch keiner mithelfen.
Mein Kollege meinte daraufhin nur, dass wir das schon schaffen würden.

Nach dieser Begutachtung der Situation gingen wir erst einmal unsere Trage holen und richteten das Tragetuch her. Wir mussten schon ein bisschen Schmunzeln und uns gleichzeitig auch etwas Aufregen, wie sehr die Angehörigen uns doch Anweisungen gaben und von unserer Schwäche überzeugt waren.

Wieder im Haus war nun der Patient auch der Meinung, dass es schwierig sein würde, ihn mit dem Tragetuch zu transportieren. So half er auch nicht mit, als wir ihn drehten, um ihn auf das Tuch zu legen. Im Gegenteil: er klagte nur über Schmerzen im Knie, welches wir jedoch gar nicht anfassten und machte sich unnötig steif. Nach einigen Ruckeln und Drehen hatten wir ihn dann doch halbwegs gerade auf dem Tragetuch.

Nun zogen wir den Patienten leicht vom Bett und der Rettungsassistent ging auf die linke und ich auf die rechte Seite, wobei jeder 2 Griffe am Kopf und am Rumpf des Tragetuches nahm. Wir baten jetzt den Sohn, dass er doch die Füße wie eine Handtasche nehmen sollte und einfach gerade aus laufen solle. Wie erwartet kam erst das Argument, der Bandscheibenoperation und dass er nicht schwer tragen könne. Die Erklärung, dass die Füße jedoch fast kein Gewicht haben und nur so schwer wie ein leichte Tasche seien, half jedoch und er ging nun mit dem Füßen vorne weg.

Der Transport bis zu vor der Haustür stehenden Trage klappte bis auf die recht engen Türen sehr zügig und ohne weitere Probleme. Selbst der Patient und noch mehr seine Angehörigen waren verwundert wie schnell und problemlos das doch ging, obwohl der Rettungsdienst ja heute nur zu zweit wäre und nicht so kräftig aussehen würde. Wir meinten daraufhin nur, dass man die Technik zum Tragen eben gelernt hätte und dies dann immer so funktionieren würde.

Der weitere Transport in die Klinik war ebenfalls schnell und ohne weiteres Diskutieren. Im Krankenhaus wurde zwar auch wieder seitens des Patienten beim Umlagern ins Bett nicht mitgeholfen, aber wir kannten dies ja bereits und wunderten uns nicht mehr.

Leider kommt es relativ oft vor, dass die Angehörigen und auch Patienten uns als Rettungsdienst vorschreiben wollen, wie wir was zu Tun hätten und auch immer wieder Anmerkungen und blöde Sprüche anhören müssen. Ich meine, wenn jeder seinen Beruf macht, dann würde alles ohne Schwierigkeiten funktionieren, denn in anderen Situationen schreibt man ja den arbeiteten Menshen auch nicht vor, wie man seine Arbeit machen soll. Im Rettungsdienst herrscht anscheinend jedoch sehr oft die Mentalität, dass man nicht so gut ausgebildet sei oder es gibt das Bedürfnisdenken, dass wir alles Tun würden, was der Patient bzw. die Angehörigen gerade recht wäre.

4 Kommentare

  1. Meine Guete, was fuer Nasen. Zum Gluck haben wir dies noch nicht gehabt, wohl aber erstaunte Gesichter das $HIORG fuer der Tuer stand, nicht NWAS (North West Ambulance Service). Ich glaube das gibt uns eine Art Vorschuss. Im KH sind idR die Krankenpfleger/-innen da um uns eine Hand zu leihen. Mit der Pat-Slide ist auch der 150Kg Patient kein Problem (So lange das Laken nicht reisst).

  2. Gerade bei der älteren Generation hält sich wahrscheinlich der Glaube daran, dass es „Krankenwagenfahrer“ sind, die da kommen. Also Leute mit Führerschein und einer auffälligen Jacke. Mehr nicht. Und die brauchen halt Hilfe, ist doch klar.

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